01.07.2014 | Top-Thema Holzbauweise liegt im Trend

Ein Plädoyer für den Holzbau

Kapitel
Peter Aicher
Bild: Holzbau Deutschland

Zahlen belegen den Trend für den Holzbau: Der Anteil der in Holzbauweise errichteten Gebäude lag im Jahr 2012 trotz der leicht gesunkenen Genehmigungszahlen bei den Wohngebäuden wie im Vorjahr bei 15,2 Prozent. In Baden-Württemberg wurde 2012 mit 23,7 Prozent fast jedes vierte neue Wohngebäude in Holz gebaut. Der Anteil der in Holzbauweise errichteten Nichtwohngebäude, wie Schulen und Kindergärten, lag bei 18,6 Prozent.

Der Wunsch nach nachhaltigem Bauen ist in den Köpfen der Architekten und Bauherren fest verankert. Das zeigt die Bautrendstudie 2014 der BauInfoConsult auf. Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, Energieeffizienz, aber auch kurze Transportwege sind gefragt. Hier kommt dem Holzbau eine wichtige Rolle zu. Das gilt für die Modernisierung des Gebäudebestandes, auch mit Hinblick auf Aufstockungen, sowie beim Neubau auch zur Schließung von Baulücken im städtischen Bereich. "Somit ist der Holzbau insbesondere auch für die Wohnungswirtschaft eine interessante Alternative."

Ökologie und Nachhaltigkeit sprechen für den Holzbau

Holz ist der einzige Rohstoff, der kontinuierlich nachwächst. Zudem ist Holz ein klimafreundlicher Baustoff. Bauen mit Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft ist aktiver Klimaschutz. Es werden große Mengen CO2 im Baumaterial gebunden – das CO2, das unsere Wälder vorher der Atmosphäre entzogen haben. Diese Speicherleistung verhindert, dass das CO2 wieder in die Atmosphäre gelangt.

Wenn beim Neubau wie bei der Modernisierung  mehr mit Holz gebaut wird, wird ein großer Beitrag zum Umweltschutz geleistet. Das Verarbeiten von nachwachsenden Baustoffen hilft, die ambitionierten Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen – eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Aufgaben unserer Zeit. Hier kommt auch der Wohnungswirtschaft mit ihren großen Beständen eine wichtige Rolle zu. Auch das Lebensgefühl der Bewohner eines Holzbaus ist nicht außer Acht zu lassen. Die Haptik des Holzes wie auch das Raumklima und die Wohngesundheit werden von Bewohner von Holzhäusern als besonders positive Kriterien genannt. Das gilt nicht nur für Einfamilienhäuser, sondern auch für den mehrgeschossigen Holzbau.

Was spricht für die Holzbauweise?

Schnell, leise und leicht – so kann man die Stärken des Holzbaus bei der Erstellung beschreiben. Die Möglichkeit, Holzbauelemente in den Werkstätten unserer Betriebe vorzufertigen, steigert die Bauqualität und verkürzt die sonst üblichen Bauzeiten erheblich. Lärm- und Schmutzbelastungen für die Anwohner sind minimiert. Der Platzbedarf für die Baustellen, ein Pluspunkt im innerstädtischen Bereich, ist reduziert. Holz ist leicht. Bei Aufstockungen sind oft nur noch geringe Tragreserven vorhanden, so dass die Zusatzlasten anderer Bauweisen nicht zu verkraften wären. Die Verarbeitung von Bäumen zum Baustoff Holz benötigt weit weniger fossile Energie als andere Bauarten. Die Energieeffizienz des Holzbaus fängt bei der Verarbeitung des Holzes an.

Modernisierung mit Holz

Ein Drittel des deutschen Energieverbrauchs wird für die Beheizung von Gebäuden verbraucht. Zum Reduzieren des Heizbedarfs müssen die Wärmeverluste verringert werden. Dafür ist eine gute Wärmedämmung entscheidend. Bei Altbauten reduziert sich durch die nachträgliche Dämmung des Daches und der Außenwand nach heutigen Mindeststandards deren Wärmeverlust um 75 bis 80 Prozent. Bei Dämmungen, die über die vorgeschriebenen Mindeststandards hinausgehen, vergrößert sich die Einsparung nochmals. Holzbaukonstruktionen bieten zahlreiche Lösungen. Für die Sanierung von Mehrfamilienhäusern bietet sich beispielsweise das mit dem Deutschen Holzbaupreis ausgezeichnete TES EnergyFacade an. Mehrere Holzbaubetriebe haben in Kooperation mit Universitäten ein System mit vorgefertigten, großformatigen Holzrahmenelementen entwickelt, das die zuvor beschriebenen Eigenschaften des Holzbaus aufgreift.

Holzbau will hoch hinaus
"Der Holzbau meistert jede Höhe!" – Diese Schlagzeile über den Holzbau ist keine Illusionen, sondern wird zunehmend Wirklichkeit. Lange war nach vier Geschossen Schluss. Seit der Einführung der Muster-Holzbaurichtlinie 2004 gibt es Fünfgeschosser überall in Deutschland und höhere Geschosszahlen kommen auch vor. Gebäude mit einer Höhe von 14 bis 40 Geschossen sind weltweit in Planung.

Der Holzbau ist gerüstet

Der Holzbau bietet heute eine große Bandbreite hochentwickelter, standardisierter Holzprodukte und Halbfertigteile. Vorwiegend kleine und mittelständische Holzbau- und Zimmereibetriebe erstellen individuelle Bauteile in hoher Fertigungsqualität. Das Handwerk hat es verstanden, seine Verarbeitungstechnik weiterzuentwickeln, ohne traditionelle Stärken wie Flexibilität und Variabilität einzubüßen. Die Betriebe können gemeinsam mit Planern qualitativ hochwertige Architektur realisieren.

Die Branche fühlt sich mehr denn je den heutigen Standards gewachsen, die heute an Bauwerke gestellt werden: Keine zweite Bauweise in Deutschland verfügt über eine so gute und flächendeckende Qualitätssicherung und Güteüberwachung wie der moderne Holzbau.

Peter Aicher, Vorsitzender Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Berlin

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Neubau, Holz, Nachverdichtung, Aufstockung, Modernisierung

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