Tag der Wohnungswirtschaft 2021: Forderungen an die Politik

Klimaschutz, Transformation, Digitalisierung und soziale Gerechtigkeit – beim Tag der Wohnungswirtschaft 2021 forderte GdW-Präsident Axel Gedaschko von den künftigen Koalitionären einen realistischen Plan für die Vereinbarkeit dieser Themen mit der Herausforderung bezahlbares Bauen und Wohnen.

"Um die soziale Frage dieses Jahrzehnts zu lösen und bezahlbares, klimaschonendes und zukunftsfähiges Wohnen für alle Menschen in unserem Land zu sichern, sind neue Wege notwendig", sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, bei seiner Eröffnungsrede beim Branchentreffen Tag der Wohnungswirtschaft 2021, das wie im Vorjahr Pandemie-bedingt als Hybrid-Veranstaltung stattfand.

Schwerpunkte für eine sozial orientierte Wohnungspolitik

Wohnen und Bauen müssten Chefsache werden, damit die soziale Frage dieses Jahrzehnts koordiniert gelöst werden könne, ist der GdW-Chef überzeugt – die sechs zentralen Schwerpunkte für eine sozial orientierte Wohnungspolitik hat der Verband wie folgt zusammengefasst:

  1. Die Politik muss Technologieoffenheit zeigen: Eine breite Palette an innovativen Lösungen soll ermöglicht werden, etwa Wasserstoff-basierte Konzepte. Die Verminderung des CO2-Emissionen muss dabei Leitmaßstab werden. Hemmnisse für die Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere Mieterstrom, müssen abgebaut werden. Die Förderpolitik muss nach dem Grundsatz "Fördern, was gefordert wird" deutlich ausgebaut werden. Statt reiner Vorgaben für die Gebäudeeffizienz: Mit Blick auf Wohnquartiere muss ein Maßnahmenmix mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis zum Einsatz kommen.
  2. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen digitalisiert und beschleunigt werden. Die Verwaltung muss modernisiert werden.
  3. Die Kommunen müssen mehr günstiges Bauland bereitstellen sowie Dachaufstockungen und Nachverdichtung vereinfachen.
  4. Die soziale Wohnraumförderung soll auf fünf Milliarden Euro erhöht und von den Ländern kofinanziert werden.
  5. Investitions- und Planungssicherheit für Unternehmen schaffen, damit diese wirtschaftlich sinnvoll und sozial orientiert handeln können. Es braucht stabile rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen in allen Ressorts.
  6. Gleichwertige Lebensverhältnisse müssen bundesweit gesichert werden, insbesondere durch den Ausbau der Infrastruktur in den Bereichen Verkehrsanbindung und Internetversorgung. Es sind einfach zu bedienende digitale Anwendungen für Verwaltungsdienstleistungen und Mobilität notwendig. Dann können Regionen jenseits der Metropolen als "Entlastungsgebiete" für angespannte Wohnungsmärkten wirken.

Die Stellschrauben für bezahlbares Bauen und Wohnen müssten jetzt richtig eingestellt werden, es bestehe Handlungsbedarf auf allen staatlichen Ebenen, mahnte der GdW-Präsident.

Realitätscheck für die neue Bundesregierung

Für die Umsetzung einer realistischen neuen und erfolgreichen Wohnungspolitik sind dem GdW zufolge drei übergeordnete Erfolgsfaktoren zentral:

  1. Alle politischen Ideen und Entscheidungen brauchen ein belastbares Fundament – deshalb ist ein Realitätscheck anhand konkreter Erkenntnisse aus der Praxis entscheidend.
  2. Um die riesigen Herausforderungen von Klimaschutz, Demografie, Digitalisierung und sozialer Spaltung zu lösen, braucht es einen Staat, der unterstützt und Anreize schafft: über Ermöglichungs- statt Verhinderungsbehörden.
  3. Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen stehen bis 2045 vor gewaltigen Investitionen, die ihre Leistungsfähigkeit sprengen – insbesondere deshalb, weil sich viele Mieter eine Refinanzierung der Investitionen über theoretisch notwendige höhere Mieten nicht leisten können.

"Wenn Wohnen die soziale Frage unserer Zeit ist, dann ist es die Aufgabe des Staates, hier einerseits die notwendigen Investitionen zu ermöglichen und gleichzeitig für den finanziellen Ausgleich bei den Menschen Sorge zu tragen, die sich die anfallenden Kosten nicht aus eigener Kraft leisten können", sagte Gedaschko. Es gehe am Ende darum, die soziale Gerechtigkeit in Deutschland zu wahren.

Die anspruchsvollen gesellschaftlichen und politischen Ziele, gerade beim Klimaschutz, könne die Wohnungswirtschaft nur dann gemeinsam und ohne Überforderung schaffen, wenn der Staat dazu seinen Beitrag in Form von ausreichend finanzieller Förderung leistet – "damit in Deutschland sozialverträglich gebaut und weiterhin sozialverträglich gewohnt werden kann", so der GdW-Präsident abschließend.

Grundsatzrede Axel Gedaschko zum "Tag der Wohnungswirtschaft 2021" (PDF)

GdW-Stipendien für die "Immobilienkaufleute des Jahres 2021"

Auf seinem Verbandstag hat der GdW wie gewohnt auch Stipendien an die drei bundesweit besten Absolventen der Ausbildung zur "Immobilienkauffrau/-mann" vergeben. "Die eingegangenen Bewerbungen zeugen von dem extrem hohen Niveau der Ausbildung in den Wohnungsunternehmen. Ein daran anschließendes Studium an einer unserer Hochschulen ist da genau das Richtige", sagte der Jury-Vorsitzende Gedaschko.

Die Stipendien gibt es für ein berufsbegleitendes Bachelorstudium "Real Estate" an einer von den im GdW organisierten Verbänden eingerichteten Hochschule. Das sind die Siegerinnen:

  • Sabrina Lämmer, Ausbildung zur Immobilienkauffrau bei der GWG Wohnungsgesellschaft mbH Rhein-Erft
  • Pia Berners, Ausbildung zur Immobilienkauffrau bei der Euskirchener Baugesellschaft mbH
  • Maria Weiß, Ausbildung zur Immobilienkauffrau bei der Gebäudewirtschaft Cottbus GmbH

Der GdW vergibt die drei Stipendien für die besten Immobilienkaufleute jährlich. Das nächste Vergabeverfahren findet im Sommer 2022 für das Bachelorstudium zum Wintersemester 2022/2023 statt.


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