GEG-Novelle: Verbot für Holzheizungen im Neubau ab 2024?

Das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) sieht ab 2024 strengere Regeln für Holzheizungen vor – im Neubau und im Bestand. Ist ein Verbot von Pellet- und Hackschnitzelheizungen geplant?

Der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband spricht von einem geplanten Verbot von Holzheizungen in Neubauten. Im Neubau werde die Zentralheizung mit Holz oder Pellets verboten und im Bestand erheblich verteuert und erschwert, kritisierte der Bayerische Waldbesitzerverband. Über eine "Diskriminierung der Holzindustrie" schimpfte der Verband der Waldeigentümer (AGDW).

Doch enthält die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ein Einbauverbot von Pelletheizungen & Co. bei Neubauten?

Holzheizungen: Einbau bald teurer und komplizierter

Die Aufregung entbrannte über den neu eingeführten Paragrafen 71g im GEG mit einer Kombinationspflicht: Zusätzlich zur neuen Holzheizung sollen eine Solarthermie- oder Photovoltaikanlage und ein Pufferspeicher eingebaut werden müssen.

Ausschnitt aus dem GEG-Entwurf der Bundesregierung:

§ 71g
Anforderungen an eine Heizungsanlage bei Nutzung von fester Biomasse

(1) Eine Heizungsanlage, die feste Biomasse nutzt, ist

  1. mit einem Pufferspeicher auszustatten, der mindestens der Dimensionierung nach DIN V 18599-5: 2018-09 entspricht,
  2. mit einer solarthermischen Anlage oder einer Anlage zur Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie zur elektrischen Warmwasserbereitung zu kombinieren und
  3. mit einer Einrichtung zur Reduzierung der Staubemissionen auszustatten, die nachweislich einen Abscheidegrad von 80 Prozent erreicht.

Satz 1 Nummer 2 ist nicht anzuwenden auf Einzelraumfeuerungsanlagen, Hallenheizungen, Gebäude ohne zentrale Warmwasserversorgung und auf Wärmepumpen-Hybridheizungen nach § 71h, die Biomasse nutzen. Satz 1 Nummer 3 ist nicht auf Heizungsanlagen für feste Biomasse anzuwenden, die bauartbedingt eine Reduktion der Staubemissionen um 80 Prozent erreichen.

Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes, zur Änderung der Heizkostenverordnung und zur Änderung der Kehr- und Überprüfungsordnung (Kabinettsfassung)

Pelletheizung: Staatlicher Bonus und Härtefallhilfe

Bis das neue GEG greift, gelten noch die bisherigen Zuschüsse für neue Heizungen. Im Gegensatz zum Kaminofen oder einem Kaminofen mit Scheitholz als Zusatzheizung werden Pelletkessel noch gefördert. Die Installation im Bestand bezuschusst das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) seit der Novelle der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) Ende Juli 2022 mit bis zu 12.000 Euro.

Für den Tausch einer alten Gas- und Ölheizung wird ein "Heizungs-Tausch-Bonus" (zehn Prozentpunkte) auf die Grundförderung (zehn Prozent) in Aussicht gestellt – insgesamt also 20 Prozent. Doch es gibt Auflagen: Die Heizung muss förderfähig sein, die Anlage muss mit einer Solaranlage oder Warmwasser-Wärmepumpe kombiniert werden, und Mindeststandards müssen von einem Fachunternehmen bestätigt werden.

Ende März 2023 haben sich Bund und Länder auf Härtefallhilfen geeinigt, auch für Haushalte, die mit Pellets heizen – bis zu 2.000 Euro Zuschuss sind möglich. Anträge sollen ab Anfang Mai online gestellt werden können, rückwirkend für 2022.

Holzkaminöfen: Im Visier des Umweltbundesamts

Holzeinzelfeuerungen wie Kaminöfen sind laut Umweltbundesamt (UBA) eine große Quelle für Feinstaubbelastung. "Sie übersteigen die Emissionen aus Auspuff oder Abrieb im Verkehrssektor", sagte Präsident Dirk Messner vor einem Jahr – er riet dazu, kein Holz mehr zu verheizen.

Die von der Weltgesundheitsorganisation WHO im September 2021 neu vorgeschlagenen Werte würden in Deutschland fast alle überschritten. Das UBA sprach sich laut einem Bericht in der Berliner Tageszeitung "taz" gegen neue Investitionen in Holzheizungen aus: Langfristig sei bei der Holznutzung in privaten Haushalten mindestens eine Halbierung erforderlich, wird Messner zitiert.

Das Bundesumweltministerium will mit Regelungen in der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (1.BImSchV) die Luftbelastung reduzieren und das Heizen mit Holz umweltfreundlicher machen. Für Heizungskessel und Feuerstätten, die mit festen Brennstoffen – wie Pellets und Scheitholz – betrieben werden, gilt seit Anfang 2022: Wer neu baut oder Schornsteine an Gebäuden erneuert, muss einen Kamin ziehen lassen, der den Dachfirst mindestens um 40 Zentimeter überragt (§ 19 1.BImSchV).

Bundesumweltministerium: Themenseite "Heizen mit Holz"

UBA: Förderstopp von Holzheizungen 2023

Das Umweltbundesamt spricht sich mittlerweile gegen eine finanzielle Förderung von Holzheizungen aus. Der Förderstopp sollte bei der nächsten Überprüfung der BEG noch 2023 umgesetzt werden, heißt es beim UBA. Die neue 65%-EE-Regel solle Wärmepumpen und Wärmenetze bevorzugen.

Für die 1. ⁠BImSchV⁠ schlägt die Bundesbehörde vor, dass über eine Novellierung strengere Emissions­grenzwerte für Anlagen, die vor 2015 eingebaut wurden, festgesetzt werden. Dies könne technisch über eine Nachrüstung mit Staubabscheidern, einen Austausch oder eine Stilllegung der betroffenen Anlagen umgesetzt werden. Die Pflicht zu Austausch, Stilllegung oder Nachrüstung von Altanlagen sollte zeitlich gestaffelt erfolgen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Streit um Heizungsgesetz: Das meint die Immobilienbranche

Erneuerbares Heizen ab 2024: Das wird Pflicht für Eigentümer

Ölheizung raus, "Klimabonus" rein: Wer und was wird gefördert?


dpa
Schlagworte zum Thema:  Heizung, Klimaschutz