Vonovia steigert Mieteinnahmen und Gewinn

Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia hat den Gewinn durch 20 Prozent mehr Mieteinnahmen und Zukäufe im Ausland deutlich gesteigert. Überschüsse sollen in den Bestand und in neue Wohnungen investiert werden. "Enteignung schafft keinen neuen Wohnraum", sagte Unternehmenschef Rolf Buch bei der Vorstellung der Geschäftszahlen.

Das operative Ergebnis hat Vonovia im ersten Quartal 2019 im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 303,6 Millionen Euro gesteigert. Die Mieteinnahmen sind auf 505 Millionen Euro gewachsen. Die durchschnittliche Miete hat sich auf durchschnittlich 6,56 Euro pro Quadratmeter erhöht. Das ist ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2018. Für 2019 peilt Vonovia ein organisches Wachstum der Mieteinnahmen von 4,4 Prozent an. Der Leerstand lag im Berichtszeitraum bei geringen 2,9 Prozent.

Der Überschuss hat sich um knapp 60 Prozent auf 201 Millionen Euro erhöht. Zudem profitierte Vonovia von geringeren Kosten bei der Bewirtschaftung der Wohnungen. Die Ausgaben für Instandhaltungen sind nur minimal von 3,86 Euro pro Quadratmeter im ersten Quartal 2018 auf aktuell 3,89 Euro pro Quadratmeter gestiegen.

Vonovia wächst schon seit Jahren durch Großübernahmen. Zuletzt expandierte das Unternehmen ins Ausland: 2018 kamen Buwog aus Österreich und Victoria Park aus Schweden hinzu. Mittlerweile gehören den Bochumern mehr als 400.000 Wohnungen. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr hob Vonovia aufgrund der "dynamischen Entwicklung" im deutschen, österreichischen und schwedischen Wohnungsmarkt leicht und erwartet nun für 2019 ein operatives Ergebnis in Höhe von 1,17 bis 1,22 Milliarden Euro. Bislang war der Konzern von 1,14 bis 1,19 Milliarden Euro nach 1,13 Milliarden Euro im Vorjahr ausgegangen.

Mehr Modernisierungen und Neubau von Wohnungen geplant

242,1 Millionen Euro hat Vonovia nach eigenen Angaben in den ersten drei Monaten 2019 in die Modernisierung des eigenen Bestands und den Neubau von Wohnungen gesteckt. Das sind 75,8 Prozent mehr als im Vorjahr (137,7 Millionen Euro). Das Gesamtvolumen im Bereich Neubau und Investitionen stieg von 221,1 Millionen im ersten Quartal 2018 auf 339,7 Millionen Euro im ersten Quartal 2019.

Langfristig könnte Vonovia nach eigenen Angaben 36.000 neue Wohnungen bauen. Nach 1.100 Einheiten im Jahr 2018 will Vonovia in diesem Jahr mindestens 2.000 neue Wohnungen fertigstellen. Wegen des Wohnungsmangels setzt der Dax-Konzern neben Modernisierung auch auf Neubau und Aufstockung bestehender Gebäude.

"Mit einem Marktanteil von unter zwei Prozent am deutschen Mietwohnungsmarkt können wir die angespannte Situation für Wohnungssuchende nicht alleine lösen. Wir brauchen einen konstruktiven gesellschaftlichen Dialog und gemeinsame Kraftanstrengung." Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender von Vonovia

In den Großstädten ist der Mangel an Wohnungen in den letzten Jahren immer spürbarer geworden. Vonovia nehme seine Verantwortung wahr. Die wirtschaftlich gute Entwicklung ermögliche es, in großem Umfang in Neubau und Klimaschutz, eine bessere Wohnqualität und altersgerechtes Wohnen sowie in gute Nachbarschaften zu investieren, teilte der Dax-Konzern am 7. Mai in Bochum bei der Vorstellung der Geschäftszahlen mit.

Wechsel im Vorstand

Wie außerdem bekannt wurde, wird Chief Operation Officer (COO) Klaus Freiberg, seit 2010 im Vorstand von Vonovia und dem Vorgängerunternehmen Deutsche Annington, mit Ablauf der Hauptversammlung am 16. Mai zurücktreten. Arnd Fittkau, bisher Generalbevollmächtigter von Vonovia für das Segment Bewirtschaftung, wird in den Vorstand berufen. Das Segment Value-add, in dem die Dienstleistungen von Vonovia gebündelt sind und das von Freiberg in Personalunion mit der Bewirtschaftung geleitet wurde, wird künftig von Vorstandschef Buch verantwortet und operativ von der neuen Generalbevollmächtigten Konstantina Kanellopoulos geführt.

Klaus Freiberg
Klaus Freiberg bleibt Vonovia auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand am 16. Mai in beratender Funktion verbunden.

Kritik wegen Modernisierungsumlagen

Wegen seiner Modernisierungsumlagen steht der Bochumer Wohnungsreise schon seit längerem in der Kritik. Konzernchef Buch kündigte deshalb im Dezember 2018 einen Strategieschwenk an: Künftig soll deutlich weniger Kapital in energetische Modernisierungen deutscher Wohnungen, wie Dämmung oder den Austausch alter Fenster, investiert werden. Statt dessen soll mehr Geld für den Neubau und für die Sanierung der zugekauften Wohnungen in Schweden fließen.

Das Mietrecht wurde mittlerweile zugunsten von Mietern verschärft, woraufhin Vonovia seine Modernisierungsaktivitäten in Deutschland zurückfuhr. Seit Anfang des Jahres dürfen Hausbesitzer nach Modernisierungen nur noch acht Prozent der Kosten statt bisher elf Prozent pro Jahr auf die Miete umlegen. Pro Quadratmeter sind dann Erhöhungen bis zu drei Euro erlaubt. Wo die Miete weniger als sieben Euro pro Quadratmeter beträgt, dürfen Vermieter je Quadratmeter nur zwei Euro aufschlagen.

Die großen Wohnimmobilienkonzerne stehen derzeit in der Kritik der Politik und vieler Mieter, vor allem in den Großstädten. Viele Mieter befürchten, sich ihre Wohnung aufgrund der steigenden Mieten bald nicht mehr leisten zu können.

"Ich habe großes Verständnis für die Sorge, sich einen Umzug in das bevorzugte Quartier nicht mehr leisten zu können, und auch für die Emotionen, die derzeit spürbar sind. Als Unternehmen werden wir auch in Zukunft zur Lösung beitragen. Es ist klar: Ohne mehr Angebot durch Neubau werden auch weitere regulatorische Maßnahmen auf dem Wohnungsmarkt ohne Wirkung bleiben." Vonovia-Chef Rolf Buch

Die privaten Wohnungsunternehmen seien aufgrund ihrer Investitionskraft besonders gefragt: Ohne das Kapital von Investoren und die Leistungsfähigkeit der großen Unternehmen wird es nicht gehen – unabhängig von ihren Eigentümerstrukturen, so Buch abschließend.

Vonovia Modernisierung in Dortmund Westerfilde
Wegen Mieterhöhungen nach Modernisierungen war Vonovia immer wieder in die Kritik geraten.

Analysten: Enteignungsdebatte schadet dem Immobiliengeschäft nicht nachhaltig

In Berlin hatte vor Kurzem ein Volksbegehren die Diskussion um die Enteignung großer Wohnungskonzerne entfacht. Die meisten Analysten halten die Aussichten für den deutschen Immobilienmarkt dennoch für hervorragend. Auch die Prognose für Vonovia wird sich trotz der kritischen Stimmung in der Öffentlichkeit gegen Wohnungsunternehmen nicht verschlechtern, meint Jürgen Graf von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Im Gegenteil: Die Immobilienpreise dürften in den Kernmärkten von Vonovia mangels Anlagealternativen weiterhin zulegen, gleichzeitig profitiere das Unternehmen dank der Niedrigzinsphase von niedrigen Refinanzierungskosten, so Graf.

Die Analysten der Bank HSBC rechnen zwar nicht damit, dass die Forderungen nach Enteignung der Wohnimmobilienkonzerne Realität werden. Ganz ohne Folgen dürften sie aber nicht bleiben, schreiben Thomas Martin und seine Kollegen in einer Studie. Maßnahmen gegen steigende Mieten seien weitgehend verpufft, und in den großen Städten gehe es weiter steil aufwärts. Die Analysten halten es daher für möglich, dass Regulierungen verschärft werden. Sollte sich der Vorschlag von SPD und Grünen nach einer Deckelung der Mieten durchsetzen, bedeute das ein kräftiges Abwärtsrisiko. Negativ gestimmt für die Branche sind die Experten aber nicht. Sie rechnen in diesem Jahr nach dem ungewöhnlich starken Vorjahr nur mit einer Normalisierung.

Vorstoß in Frankfurt gegen Mieterhöhungen bei privaten Vermietern gescheitert

Ein Vorschlag aus Frankfurt am Main von Oberbürgermeister Peter Feldmann und Planungsdezernent Mike Josef (beide SPD), Mieterhöhungen auch bei privaten Vermietern zu begrenzen, wurde von Hessens Minister für Wirtschaft und Wohnen, Tarek Al-Wazir (Grüne) umgehend abgeschmettert. Feldmann regte an, die Miete bei den Privaten solle maximal um ein Prozent im Jahr steigen dürfen. Bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft sei das bereits der Fall.

"Wir sehen das Land in der Pflicht, das angesichts des von Spekulation geprägten Wohnungsmarkts zu ermöglichen und so für einen gerechten Wettbewerb zu sorgen." Peter Feldmann, Oberbürgermeister Frankfurt am Main

Planungsdezernent Josef beruft sich auf ein Rechtsgutachten aus Berlin: Das Land könnte eine Rechtsverordnung erarbeiten, die für Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt gilt, schlug der SPD-Politiker vor. Auch der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sagte, im Grundsatz sei ein solches Instrument richtig und geboten. Allerdings müsse man auch neue Wohnungen bauen.

"Ich gehe jede Wette ein, dass dieser öffentlich geäußerte Vorschlag unmittelbar zu Mieterhöhungen in Frankfurt führen wird, weil Vermieter einem solchen Deckel zuvorkommen wollen." Tarek Al-Wazir, Minister für Wirtschaft und Wohnen, Hessen

Bevor Feldmann als Aufsichtsratschef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft einen Mietendeckel eingeführt habe, habe er die ABG die Mieten "noch mal kräftig erhöhen lassen. Das kann doch nicht Sinn der Sache sein", sagte der Minister.

Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest) lehnt den vorgeschlagenen Mietendeckel ebenfalls ab, weil eine solche Maßnahme die Situation auf dem Wohnungsmarkt verschärfen könnte, und hält ihn für rechtswidrig.

"Die Kostensteigerungen für Instandhaltung und Neubau haben im Jahr 2018 über drei Prozent betragen. Diese müssen über die Miete erwirtschaftet werden können, sonst investiert niemand in Neubau oder Bestand. ... Für ein Landesgesetz zum Mietendeckel ist dort kein Raum." Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW südwest

Das Land wolle einen anderen Weg gehen, sagte Al-Wazir: Man werde das umfangreichste Maßnahmenpaket für gute und bezahlbare Wohnungen schnüren, das es in Hessen je gegeben habe. Die Kernpunkte will der Bauminister im Juni vorstellen.


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