Quo Vadis 2023: Buzzwords füllen sich mit Leben
Man hatte nicht immer das Gefühl, in einer Immobilienveranstaltung zu sitzen. Es ging um eine resilientere Immobilienwelt, um Werte und Ethik, um Höheres. Der Politikwissenschaftler Cornelius Adebahr schloss eine Keynote mit einem Vers des persischen Dichters Saadi: "Ein Mensch, den nicht die Not der Menschenbrüder rührt, verdient nicht, dass er noch des Menschen Namen führt." Jan Teunen sprach vom Kosmos, zitierte Rilke.
Intensiv beschwor man – wieder einmal – den menschlichen Faktor von Immobilien! Das hatte vor zehn Jahren schon Jürgen Ehrlich gemacht, der frühere Leiter des ZIA-Vorläufers Bündelungsinitiative. Doch sein Appell war damals weitgehend unbemerkt verhallt. Und jetzt? Viele Immobilien, so hieß und heißt es, machten Menschen krank. Eine Panelteilnehmerin brachte "Biophilic Design" in die Diskussion ein, Natur solle in die Wohnung integriert werden, das sei gut gegen Stress.
Leitzins: Die 4-Prozent-Prognose
Also nur weiche Themen? Natürlich nicht. Die Rahmenbedingungen bleiben gerade für die Immobilienbranche herausfordernd. Ökonom Lars Feld prognostizierte eine Leitzinserhöhung auf bis zu vier Prozent bis zum Sommer. Entgegen anderer Thesen und Hoffnungen werde die Inflation bleiben, meinte er. Kreditvergabestandards würden steigen und, ja, Bestandshalter und Investoren würden auch bis auf weiteres nicht mehr zueinander finden. Investmentmanager würden zu Objektmanagern, weil viele Investitionen im Moment on hold stünden.
Der Fachkräftemangel ist ein weltweites Problem und betrifft alle Branchen: "Recruitingkosten für LKW-Fahrer in den USA sind genauso hoch, wie für Softwareentwickler", so Sebastian Dettmers, CEO von Stepstone. Der einzige Kontinent, der noch wachse, sei Afrika. Aber gerade von dort werden keine Fachkräfte kommen. Die lapidare Erkenntnis der Testo-Vorständin Antje Leminsky lautete: Fachkräfte werde es nun mal nicht geben. Deshalb müssten Unternehmen zwangsläufig an ihrer Produktivität arbeiten, an Digitalisierung.
Immer, wenn es in diesem Zusammenhang um die Verwaltung geht, wird Lars Feld wütend (er spielte das gut!). Dass die Verwaltung während des Lockdowns ins Homeoffice geschickt wurde, bezeichnet er als "bedingungsloses Grundeinkommen für die Mitarbeiter", denn richtig arbeiten gekonnt hätten sie – mangels Ausstattung – ja zumeist nicht.
Manchmal blieb die Veranstaltung im Vagen, etwa dann, wenn die Botschaft kam, dass wir beim Thema Resilienz einen Diskurs anstoßen müssten. Wie bitte? Vielleicht geht es bei verschiedenen Themen aber einfach nicht konkreter. Fast niemand hatte eine Antwort darauf, wie der Zielkonflikt beim Bauen gelöst werden kann. Feld immerhin machte ein paar bekannte Vorschläge: Das Produkt müsse günstiger werden, keine städtebaulichen Verträge mehr, weg mit der Mietpreisbremse. Ob‘s durchsetzbar ist?
Das Thema, das über allem steht
Eines hatte ich noch vergessen: Das Thema, über das keiner mehr reden will, aber ohne das es nicht mehr geht: Gitta Rometsch, geschäftsführende Gesellschafterin von Heuer Dialog, betonte, Quo vadis sei seit 2022 eine nachhaltige Veranstaltung. Moderator Timo Tschammler stellte die Frage nach der nachhaltigsten Assetklasse. Christian Federspieler, HypoVereinsbank/Uni Credit, meinte etwas verlegen, man beschäftige sich auch mit Bestandssanierung.
Bis 2030 muss auch Deutschland seinen Treibhausgasausstoß um 65 Prozent gegenüber 1990 verringern. Bis dann sollten Europas Neubauten klimaneutral sein. Die Frage ist nur, ob alle Investoren bereit sind, bis dahin an "Net Zero" zu arbeiten. Wird schwierig, das zeigte die Quo Vadis.
Die Abendveranstaltung war ein großes Event. Schade, dass ich nichts essen durfte, ich probiere gerade Intervallfasten. Immerhin: Die Reste wurden abgeholt von "Foodsharing Berlin". Die Branche kommt allmählich in einen anderen Flow. Es ist eigentlich egal, ob von selbst oder gezwungenermaßen. Die Quo Vadis bildet dieses neue Denken ab, vielleicht geht sie in Teilen sogar voran. Doch halt, was finde ich da in meinem Sakko am Abend? Mein Plastik-Quo Vadis-Kärtchen. Ganz schlecht, Heuer Dialog! Und essbar ist es nicht. Aber vielleicht gilts ja auch fürs nächste Jahr ...
Das könnte Sie auch interessieren:
Investment: Top-Produkte des Jahres sind ESG-konform
EU-Parlament schärft Regeln für Sanierung von Gebäuden
Klimaneutraler Gebäudebestand: Top-11-Tipps für Eigentümer
EZB-Leitzinserhöhung: Preise für Immobilien werden angepasst
-
Sonder-AfA für den Neubau von Mietwohnungen wird angepasst
1.3256
-
Gebäude-AfA: Nachweis für Nutzungsdauer wieder einfacher
9052
-
Degressive AfA für den Wohnungsbau: fünf Prozent, sechs Jahre
836
-
Neue Pflichten für Energieausweise ab Mai
644
-
Energetische Sanierung: Kosten von der Steuer absetzen
608
-
Mindesttemperatur in Wohnungen: Die Rechtslage
5171
-
Aktuelle Rechtslage für AfA-Nachweis jetzt nutzen
322
-
CO2-Preis steigt – das betrifft Mieter und Vermieter
2797
-
Hydraulischer Abgleich und Heizungsprüfung 2026
2461
-
Streit um Balkonkraftwerke vor Gericht
243
-
Gewerbe zu Wohnen wird ab Juli gefördert: die Konditionen
01.04.2026
-
Förderung und mehr Freiwilligkeit im Gebäudesektor
30.03.2026
-
Immobilienwirtschaft: Veranstaltungen und Events 2026
30.03.2026
-
Der Deutsche Immobilienpreis als Branchen-Schaufenster
27.03.2026
-
Iran-Krieg macht den Wohnungsbau noch teurer
27.03.20261
-
Deutscher Immobilienpreis 2026: die Sieger
26.03.2026
-
Im KI-Umfeld entscheidet Datenkompetenz über den Erfolg
24.03.2026
-
Förderung für kleine Solaranlagen soll eingestellt werden
23.03.2026
-
Vielleicht das bessere Mieterstrom-Konzept
23.03.2026
-
EZB lässt Zinsen trotz Inflationsangst konstant
19.03.2026