Sanierungsdruck im Westen

Städte-Check: Energieeffizienz von Wohngebäuden


Städte-Check: Energieeffizienz von Wohngebäuden

Bei der Energieeffizienz von Wohngebäuden gibt es große regionale Unterschiede. Welche deutschen Großstädte vorne liegen und wo es noch viel zu tun gibt, zeigt eine Analyse von Geomap. Die Zeit drängt, auch wegen der Klimavorgaben.

Bei der Energieeffizienz von Wohngebäuden gibt es deutliche regionale Unterschiede: Unter den deutschen Metropolen liegt Leipzig klar vorn – nur 16 Prozent der dort inserierten Immobilien fallen in die Energieeffizienzklassen E bis H –, während in Hamburg (44 Prozent) oder Düsseldorf (45 Prozent) der Anteil deutlich höher liegt. Noch größer ist der Handlungsbedarf in kleineren Städten wie Wilhelmshaven (84 Prozent) und Emden (72 Prozent), die bundesweit am schlechtesten abschneiden.

Knapp eine Million Angebotsanzeigen aus dem Zeitraum 1.1.2019 bis 31.12.2024 hat Geomap für die Analyse untersucht. Einbezogen wurden Neubauten und Bestandsgebäude.

Die Energieeffizienzklasse gibt an, wie viel Energie pro Quadratmeter und Jahr verbraucht wird – eingeteilt in Klassen von A+ (sehr effizient) bis H (sehr hoher Verbrauch). Je niedriger die Klasse, desto höher sind in der Regel Energiebedarf und Heizkosten.

Klimaneutralität bis 2045: Mehr Energieeffizienz muss her

Ziel der Energieeffizienz ist nicht nur die Senkung von Verbrauchskosten, sondern auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein – der Gebäudesektor hinkt immer noch hinterher.

Im Gebäudeenergiegesetz (GEG) sind energetische Mindestanforderungen für Wohngebäude verbindlich festgelegt. Parallel dazu verschärft die Europäische Union ihre Vorgaben: Laut aktuellem Entwurf der EU-Gebäuderichtlinie sollen Wohngebäude bis 2030 mindestens die Effizienzklasse E, bis 2033 die Klasse D erreichen. Eine verpflichtende Sanierung für Gebäude mit schlechterer Klassifizierung würde dann EU-weit gelten – vorbehaltlich finaler Zustimmung durch EU-Kommission, Parlament und Mitgliedsstaaten.

Gebäuderichtlinie EPBD: Fahrplan für EU-Sanierungsvorgaben

EU-Gebäuderichtlinie Sanierungspflicht für Wohngebäude

Düsseldorf: Schlusslicht bei Top-Effizienzklassen

Die Analyse der acht größten deutschen Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart zeigt laut Geomap erhebliche Unterschiede bei der Energieeffizienz – in der Verteilung der Effizienzklassen und beim Sanierungsbedarf. Leipzig weist mit nur 16 Prozent der Wohngebäude in den Klassen E bis H den niedrigsten Anteil an sanierungsbedürftigen Objekten auf.

Insgesamt wurden 13.330 Angebotsanzeigen ausgewertet, von denen lediglich 2.110 in die niedrigen Energieeffizienzklassen E bis H fallen. Besonders stark ist der Anteil in der Klasse C mit 36 Prozent, gefolgt von 29 Prozent in Klasse D. Zugleich befinden sich 20 Prozent der Objekte in den besonders guten Klassen A+ bis B.

Ein deutlich anderes Bild zeigen westdeutsche Metropolen wie Düsseldorf und Hamburg. In den beiden Städten liegt der Anteil der Wohnungsangebote in den Klassen E bis H bei 45 Prozent (Düsseldorf) beziehungsweise 44 Prozent (Hamburg). Besonders häufig vertreten sind dort die Klassen E, F und G. Während in Hamburg immerhin 18 Prozent der Gebäude zu den sehr guten Klassen A+ bis B zählen, sind es in Düsseldorf nur 13 Prozent – der niedrigste Anteil im gesamten Vergleich.

Berlin: Hohe Zahl an unsanierten Bestandsgebäuden

Berlin liegt mit 33 Prozent an Inseraten in den niedrigeren Energieeffizienzklassen im unteren Mittelfeld. Knapp die Hälfte des Angebots entfällt auf die Klassen D (22 Prozent) und E (27 Prozent), was Geomap zufolge auf eine große Zahl an unsanierten Bestandsgebäuden hinweist. Der Anteil sehr energieeffizienter Objekte in den Klassen A+ und A liegt nur bei vier Prozent.

Köln und Stuttgart weisen jeweils 41 Prozent an Wohngebäuden in den Klassen E bis H auf. Beide Städte haben eine starke Konzentration im mittleren Effizienzbereich – vor allem in Klasse D, die in Köln 24 Prozent, in Stuttgart 21 Prozent des Bestands ausmacht. Die Energieeffizienzklassen A+ bis B sind in beiden Städten mit sechs Prozent vertreten.

München und Frankfurt: Mittelfristiger Modernisierungsbedarf

München und Frankfurt am Main sind relativ gut aufgestellt. Beide Städte erreichen mit 26 Prozent (München) und 25 Prozent (Frankfurt) die höchsten Anteile an besonders effizienten Gebäuden (A+ bis B).

Auch der Anteil an Wohngebäuden in den Klassen E bis H liegt mit 31 Prozent (München) und 39 Prozent (Frankfurt) unter dem Durchschnitt. Dennoch dominiert in beiden Städten die Klasse D – in München mit 19 Prozent, in Frankfurt mit 15 Prozent – ein Hinweis auf weit verbreiteten, mittelfristigen Modernisierungsbedarf.

Insgesamt zeigt sich: In sämtlichen west- und norddeutschen Großstädten befindet sich weit mehr als die Hälfte des Wohnungsbestands in den unteren Energieeffizienzklassen. Leipzig ist die einzige Metropole, in der dieser Anteil unter 20 Prozent liegt.

Geomap-Analyse zur Energieeffizienz von Wohngebäuden: Methodik 

Für die Geomap-Analyse wurden insgesamt 912.000 Angebotsanzeigen mit vollständigen Adressangaben im Zeitraum vom 1.1.2019 bis 31.12.2024 ausgewertet. Berücksichtigt wurden nur Anzeigen, die Informationen zur Energieeffizienzklasse oder zum Energiekennwert in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²*a) enthielten. Wenn mehrere Anzeigen für dieselbe Adresse vorlagen, wurde jeweils die aktuelle Angabe zur Energieeffizienzklasse oder zum Energiekennwert in die Auswertung einbezogen. Anzeigen oder Adressen mit Angaben bis fünf oder über 500 kWh/m²*a wurden ausgeschlossen, um verfälschende Ergebnisse zu vermeiden.

Die Daten wurden von der Online-Datenbank Geomap entnommen.


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