Die Bilder vom TDI
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte einen starken Auftritt und bekam auch den stärksten Applaus. So, wie der Redner im letzten Absatz (dieses stilistische Mittel, Neugierde zu erwecken, täte im Übrigen auch der Bundesregierung gut, denn, so Linnemann: Die müsse lernen, Erfolge besser zu verkaufen, sie müsse lernen, Geschichten zu erzählen, Bilder zu vermitteln). Ich hatte viele Bilder auf dem TDI.
Bild 1: Geschenkpaket
Die Bundesbauministerin brachte es mit. Den schon in der vergangenen Legislatur fast verabschiedeten Bauturbo hatte sie uns ja bereits geschenkt. Und tatsächlich scheint er in verschiedenen Kommunen zu wirken. Neben Hamburg nannte Verena Hubertz auch Magdeburg. Inzwischen ist die Seite "umsetzungslabor-bauturbo.de" entstanden.
Hubertz sprach von Erfolgen im Bereich der Baugenehmigungen. Es gebe im ersten Quartal 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Sie sprach von elf Millionen Quadratmetern Büroleerstand und kündigte als Reaktion darauf das Programm "Gewerbe zu Wohnen" an. Das Geschenk aber ist die Verlängerung des KfW-Programms zum Effizienzhaus 55-Plus. Das Auditorium war überrascht.
Bild 2: Regenbogen (rechte Seite im Nebel)
Die linke Seite ist die Vergangenheit. Vor zehn Jahren noch war Deutschland, wir erinnern uns kaum, nach den Worten von Professor Jens Südekum, eine Superstar-Ökonomie. Er musste auf diversen Foren in den USA erklären, wie Deutschland das denn so mache. Inzwischen siebtes Krisenjahr. Das ist die Gegenwart (die Spitze des Regenbogens). Der Stand der privaten Investitionen in Deutschland sei der zweitniedrigste ever.
Die Zukunft (der rechte Teil des Regenbogens) liegt noch im Nebel. Was kommt? Eindringlich wies Sarah Schlesinger von Blackprint auf die Innovationsstudie des ZIA hin. Man habe nur noch bis 2029 Zeit, um bestimmte Datenvorgaben zu erfüllen. Die Erhebung, die digitale Verwaltung und Auswertung von Gebäude- und Verbrauchsdaten werde ab dann vom "nice-to-have" zum geschäftskritischen Standard.
Bild 3: Eidechse
Danach gefragt, was ihn am meisten im Gedächtnis vom TDI geblieben sei, nannte jemand die Eidechse. Auch vom Feldhamster war die Rede. Sie merken es schon: Es geht um Bauverzögerungen wegen des Naturschutzes. Naturschutz hat auch mit ESG zu tun.
Wenn Thomas Kallenbrunnen, Garbe Infrastructure, die Debatte, ob ein Gebäude, in das ein Rüstungsunternehmen einziehe, ESG konform-sei, nur noch nervt, so ist das nachvollziehbar. Aber die Bemerkung zeigt: Der Ton um ESG wird rauer.
Jochen Keysberg, Apleona, erwähnte, dass in deren Immobilienportfolio zurzeit 16 Prozent Stranded Assets seien. Im Jahr 2028 wären es schon 55 Prozent. Das können Bestandshalter nicht gut finden. Trotzdem: Obwohl das Thema nicht sehr beliebt ist, nehmen die Mitglieder der Branche es nach wie vor als EU-gegeben hin.
Bild 4: Hai mit Messer
BDA-Präsident Rainer Dulger sprach vom Tatort: Bis vor Kurzem noch sei der Mörder im Tatort zu über 50 Prozent jemand aus der Immobilienbranche gewesen. Das habe sich inzwischen zwar gelegt. Aber so richtig beliebt ist die Branche nach wie vor nicht. Stichwort: Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen. Nun, so kann man ja meinen, ein Berliner Thema. Denn der von der Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" vorgelegte Gesetzesentwurf betrifft ja nur Berlin.
ZIA-Präsidentin Iris Schöberl betonte, die Branche sei trotzdem beunruhigt. Vonovia-CEO Luka Mucic wies darauf hin, dass manche Investoren bereits einen Bogen um Berlin machten, dass Banken schon mit der Finanzierung zögerten. Man nehme das Thema aber auch bundesweit sehr ernst.
Bild 5: Neongelber Textmarker
Meine Zitate des Tages:
"Wir sind diesen Zeiten nicht ausgeliefert." (Iris Schöberl)
"Behörden behandeln jeden Bauantrag wie einen Verdachtsfall." (Rainer Dulger)
"Ich verliere so langsam den Glauben daran, dass der Mittelstand noch als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gesehen wird." (Alexandra Kohlmann, CEO Rowe)
"Föderalismus ist gut, aber wenn er an einer bestimmten Stelle falsch ist, dann lasst uns das ändern." (Jan-Hendrik Goldbeck, CEO Goldbeck GmbH)
"Krisen setzen Kräfte frei." (Verena Hubertz)
Bild 6: Unvollständiges Puzzle
Hier seien ein paar Bemerkungen und Gedanken genannt, die ich sonst noch als wichtig empfand:
Frank Schwabe, parlamentarischer Staatssekretär im BMJ, wies darauf hin, ein Gesetzesentwurf zum Gebäudetyp E werde im Sommer erarbeitet.
- Rainer Dulger sprach vom Wohnen als einem zentralen Arbeitgeberthema! Von Rednern kritisiert wurde die von der SPD ins Gespräch gebrachte Länderöffnungsklausel für einen Mietendeckel.
- Beim Vergabebeschleunigungsgesetz konnte sich die Branche (das heißt wohl auch der ZIA) nicht gegen andere Lobbygruppen durchsetzen.
- Viel wird geredet über Bürokratieabbau. Der erfordere aber auch, darauf wies BImA-Vorstandssprecher Alexander von Erdely, hin, einen Kulturwandel. Wenn ein Behördenmitarbeiter nur noch ein abgespecktes Regelwerk zur Verfügung habe, nach dem er entscheiden könne, überfordere das den Menschen bisweilen. Das könne Verfahren auch verzögern. Dazu passt die Bemerkung von Jan-Hendrik Goldbeck, er würde sich wünschen, mutige, entscheidungsfreudige Beamte durchaus einmal als Helden zu küren.
Bild 7: Sandmännchen isst Banane
Sandra Navidi von Beyond Global ist eine wunderbare Erzählerin und bekam auch Applaus, aber weniger. Denn sie machte Angst, erzählte sie doch über den Kulturwandel in den USA und malte das düstere Bild einer potenziellen Bananenrepublik. Wie gut, dass in Deutschland das freiheitliche System noch nicht gekippt sei. Sie sagte "noch".
Für mich der Star des Tages: Ole Scheeren, Architekt. Wir sahen China einmal nicht von der dunklen Seite, sondern als Land, in dem bestimmte Projekte, oft riesig und mit viel Grün, möglich sind. In mehreren seiner riesigen Bauten verbindet Scheeren Immobilie mit Garten, und baut – auch wegen modularer Bauweise – gar nicht so teuer. Das hatte etwas von „Träume wahr werden lassen“ und sei sogar in Deutschland möglich. Dass Träume wahr werden, wollen alle. Er bekam den stärksten Applaus.
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