CO2-Jahresbilanz: Gebäudesektor verfehlt Klimaziele wieder

Bis 2045 will Deutschland CO2-neutral werden. Der Immobiliensektor muss sich besonders ranhalten. Doch es sieht schlecht aus: 2021 wurden die Klimaziele laut einem Bericht des Bundesumweltamtes deutlich verfehlt – auch im Gebäudebereich.

Der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen ist im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr wieder um 4,5 Prozent gestiegen, nachdem es 2020 gegenüber 2019 eine Minderung von 8,7 Prozent (rund 70 Millionen Tonnen CO2) gab – insgesamt sanken die Emissionen damit Stand 2021 nur um 38,7 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990, statt wie bereits für das Jahr 2020 angestrebt um 40 Prozent. Das geht aus Daten hervor, die das Umweltbundesamt (UBA) und das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK) am 15.3.2022 gemeinsam vorgelegt haben.

Die Zahlen sind noch vorläufig. Endgültige Werte stehen erst Anfang 2023 fest, hieß es in der Mitteilung. Deutschland hat demnach 2021 insgesamt 33 Millionen Tonnen mehr CO2 ausgestoßen als im Vorjahr. Neben dem Sektor Verkehr lag vor allem der Gebäudebereich über den im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmengen.

Gebäudesektor: Sanierungswelle gefragt

Der Gebäudesektor hat zum zweiten Mal in Folge die im Klimaschutzgesetz festgehaltene Emissionsminderung nicht erreicht. Statt der angepeilten 113 Millionen Tonnen CO2, wurden etwa 115 Millionen Tonnen emittiert. Beim Klimaschutz klafften Chance und Realität weit auseinander, kommentierte Thomas Drinkuth, Leiter der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG), die Zahlen. Technologien und Produkte für klimaneutrale Gebäude seien seit Jahrzehnten etabliert – "Was noch fehlt, ist eine Politik, die die seit langem angekündigte Sanierungswelle endlich anschiebt." Damit könne auch die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten schnell minimiert werden.

Das sieht auch die Politik so: Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne) will die Hälfte des Wärmebedarfs bis 2030 mit erneuerbaren Energien decken. Deren Anteil lag 2020 nur bei knapp 15,6 Prozent – um die Lücke zu den geplanten 50 Prozent zu schließen, müssten mehr Gebäude saniert und mit Wärmepumpen ausgestattet werden, heißt es im aktuellen Energiewende-Index von McKinsey & Company. Für das Jahr 2021 meldet der Bundesverband Wärmepumpe einen Absatz der klimafreundlichen Wärmetechnologie von 154.000 Stück. Der Verkauf müsste jedoch laut McKinsey & Company auf jährlich knapp eine halbe Million ansteigen, um das Ziel von circa vier bis sechs Millionen Wärmepumpen im Jahr 2030 zu erreichen.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) forderte allgemein mehr Anstrengungen bei der klimagerechten Sanierung von Altbauten. Die große Zahl unsanierter Gebäude müsste schneller modernisiert werden, sagte der Bundesvorsitzende Robert Feiger. Nötig seien unter anderem zusätzliche Fördermittel, um Anreize zu schaffen.

Klimaschutzgesetz: Jetzt muss nachgesteuert werden

"Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 2020 ist fast zur Hälfte schon wieder verloren", sagte UBA-Präsident Dirk Messner. Die Zahlen zeigten, dass die Ziele der Bundesregierung schnellstens angegangen werden müssten. Geplant ist es, bis zum Jahr 2045 CO2-neutral zu werden. Bis dahin muss Deutschland sämtliche Treibhausgase vermeiden oder wieder binden, zum Beispiel durch Wälder oder Moore. Die Ampel-Koalition will den Ausbau erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne deutlich vorantreiben – neuerdings auch unter dem Eindruck wachsender Spannungen im Verhältnis zum wichtigsten Gaslieferanten Russland.

Sollten Ziele verfehlt werden, sieht das im Juni 2021 beschlossene und verschärfte Bundes-Klimaschutzgesetz vor, dass nachgesteuert werden muss. Das UBA schickt seine Daten nun an den Expertenrat für Klimafragen, der die Daten überprüfen und innerhalb eines Monats an die Bundesregierung weiterleiten wird. Gibt es Nachsteuerungsbedarf, müssen die zuständigen Ministerien innerhalb von drei Monaten dem Klimakabinett ein Sofortprogramm vorlegen, mit dem die Sektorziele im Folgejahr wieder erreicht werden können.

"Wir dürfen jetzt beim klimagerechten Bauen und Umbauen nicht nachlassen", sagte Klara Geywitz (SPD), Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. "Mit dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Klimaschutz-Sofortprogramm 2022 werden wir die Maßnahmen zur Treibhausgasminderung verstärken, Gebäudeförderprogramme bedarfsgerecht weiterentwickeln und unter anderem mit der gestaffelten CO2-Umlage einen Anreiz zum Energiesparen setzen.


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dpa