Chef-Banker für restriktive Geldpolitik
"In Bezug auf geldpolitische Entscheidungen ist es wichtig, vorsichtig zu sein und nicht durch eine Überbetonung bestimmter Ankündigungen, die sich kurz darauf ändern könnten, überzureagieren", sagte Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, in einem gemeinsamen Gespräch mit "Süddeutsche Zeitung" und "El Mundo".
Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen Mitte April 2025 um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die nächste Zinssitzung steht am 5. Juni auf dem Programm.
Bundesbank-Chef mahnt zur Einhaltung der Schuldenregeln
Nagel lobte außerdem die Entscheidung der Koalition aus Union und SPD, ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für den Ausbau der Infrastruktur zu bilden sowie die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben zu reformieren.
"Es ist völlig klar, dass wir nicht alle Probleme mit zusätzlichen Ausgaben lösen können. Die Schuldenquote muss nach einer Anpassungsphase wieder sinken", betonte Nagel. "Die Verpflichtung Deutschlands zur Einhaltung der europäischen Fiskalregeln bleibt unverändert bestehen."
Im vergangenen Jahr war die Schuldenquote, also das Verhältnis der Schulden zur gesamten nominalen Wirtschaftsleistung, nach vorläufigen Angaben der Bundesbank das dritte Jahr in Folge gesunken: um 0,4 Punkte auf 62,5 Prozent. Zwar ist die deutsche Verschuldung im Vergleich zu anderen Ländern der Eurozone gering, allerdings lag die Schuldenquote zum fünften Mal in Folge über der in den europäischen Verträgen von Maastricht vereinbarte Höchstmarke von 60 Prozent.
Kritik an Trump wegen Angriff auf US-Notenbank
In dem Gespräch kritisierte Nagel zudem die Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. "Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist Teil der DNA einer guten Geldpolitik", sagte der deutsche Notenbanker. Die Geschichte lehre, dass Zentralbanken ohne diese Unabhängigkeit nicht in der Lage seien, Preisstabilität zum Wohle aller zu erreichen und zu gewährleisten. "Die Angriffe auf die Fed zielen in die völlig falsche Richtung", sagte Nagel.
EZB-Ratsmitglied pro Zinssenkung im Juni
Neben Bundesbankpräsident Nagel hatte sich auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel eher zurückhaltend zu weiteren Zinssenkungen geäußert. "Eine Politik der ruhigen Hand bietet die beste Absicherung gegen eine Vielzahl möglicher Entwicklungen", sagte sie Mitte Mai in den USA. So könne eine Überreaktion auf die US-Zollpolitik und deren Auswirkungen auf die Inflationserwartungen vermieden werden.
Das EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks, Präsident der Notenbank von Lettland, wiederum sieht Gründe für eine erneute Zinssenkung in der Eurozone. Die Finanzmärkte erwarteten das", sagte er dem Fernsehsender LTV. Mit Blick auf jüngste Konjunkturdaten sei eine weitere Senkung im Juni auch angemessen. Der Präsidenten der Notenbank von Lettland. Kazaks verwies auf die jüngste Preisentwicklung: "Wenn die Inflation in Europa nahe zwei Prozent bleibt, und wir sehen derzeit eine Tendenz zur Annäherung an etwa zwei Prozent, können schrittweise, vorsichtige Senkungen erfolgen."
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