Inflationsraten von mehr als vier Prozent?

Chefbanker stellt Zinserhöhung durch EZB im Juni in Aussicht


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Bundesbankpräsident Joachim Nagel, der auch Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, hält eine Erhöhung der Zinsen bei der nächsten Sitzung im Juni für immer wahrscheinlicher. Ein Ausblick auf die Bauzinsen.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat vor einer höheren Inflation gewarnt und eine schnelle Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf der nächsten Sitzung am 11. Juni in Aussicht gestellt. "Wir können die hohen Energiepreise nicht ausblenden", sagte Nagel dem "Handelsblatt". Zinserhöhungen würden immer wahrscheinlicher.

Die EZB hatte die Leitzinsen bei der Sitzung im April 2026 unverändert belassen. Zuletzt hatte sie im Juni 2025 die Leitzinsen gesenkt.

Inflation: Raten von mehr als vier Prozent?

"Bei der Inflation kann noch einiges auf uns zukommen", warnte Nagel, der auch EZB-Ratsmitglied ist. Er schließe Inflationsraten von mehr als vier Prozent in einzelnen Monaten nicht aus. Zuletzt war die Inflation im Euroraum im April auf drei Prozent gestiegen und liegt damit deutlich über dem Ziel der europäischen Notenbank, die eine mittelfristige Teuerung von zwei Prozent anstrebt. Allerdings liegt die Kernrate der Inflation, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel ausgeblendet werden, deutlich niedriger als die Gesamtinflation bei 2,2 Prozent.

Da sich weiter keine Fortschritte hin zu einem Ende des Iran-Kriegs abzeichnen und der Transport von Waren durch die Straße von Hormus behindert bleibt, steigt an den Finanzmärkten die Erwartung, dass die EZB die Zinsen erhöhen könnte. Allerdings machte der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau ebenfalls am 11. Mai beim Radiosender "France Info" deutlich, dass es derzeit noch keine ausreichenden Informationen über die weitere Entwicklung der Kerninflation gebe.

EZB-Vize: Mehr Daten zu Iran-Folgen vor Zinsentscheidung

Der scheidende Vizepräsident der EZB, Luis de Guindos, will vor der Entscheidung über eine mögliche Zinserhöhung trotz der gestiegenen Inflationserwartungen nach dem Ölpreisschock mehr Konjunkturdaten und die weitere Entwicklung im Iran-Krieg abwarten. In einem Interview mit der "Financial Times" sagte er, dass er der Entscheidung im Juni nicht vorgreifen wolle.

"Deshalb würde ich zur Vorsicht mahnen", sagte de Guindos. Die Auswirkungen auf das Wachstum werden seiner Einschätzung nach in den kommenden Wochen sehr viel deutlicher zutage treten. "Zudem benötigen wir weitere Klarheit in Bezug auf den Konflikt."

Neben Bundesbankpräsident Nagel hatten sich zuvor auch andere EZB-Vertreter mehr oder weniger deutlich für eine Zinserhöhung im Juni ausgesprochen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte erklärt, dass die Zentralbank ständig hin- und hergerissen sei zwischen dem Risiko, zu schnell zu reagieren, und dem Risiko, zu spät zu reagieren. Vielmehr sei es "wichtig, den richtigen Weg zu finden, um unsere Volkswirtschaften hin zu jener mittelfristigen Inflationsrate von zwei Prozent zu steuern", sagte sie.

Kaum Spielraum für sinkende Bauzinsen

Die politische Lage im Nahen Osten sorgt für anhaltende Nervosität an den Finanzmärkten. Die Folge: Die Renditen der Staatsanleihen ziehen an und halten die Bauzinsen auf einem erhöhten Niveau rund um vier Prozent für zehnjährige Darlehen.

Die Experten des Interhyp-Bankenpanels sehen derzeit kaum Spielraum für sinkende Bauzinsen: "Die Kapitalmarktzinsen werden weiterhin stark von den Ereignissen im Nahen Osten geprägt sein. Allerdings wird selbst bei einem schnellen Ende des Konflikts die erste Inflationswelle nicht mehr zu vermeiden sein und die EZB im Juni mit einer ersten Zinserhöhung antworten", so die Einschätzung. Sollte die EZB nachlegen müssen, könnten die Kapitalmarktzinsen weiter steigen.

Für Mai gehen 80 Prozent der Experten von einem gleichbleibenden Zinsniveau aus, nur 20 Prozent prognostizieren sinkende Zinsen. Langfristig rechnen 60 Prozent der Panel-Teilnehmer mit weiter steigenden Bauzinsen. 40 Prozent halten gleichbleibende Zinsen für den Zeitraum von einem halben bis zu einem Jahr für möglich. Jörg Utecht, CEO der Interhyp Gruppe, rät in der aktuellen Situation, so viel Eigenkapital wie möglich in die Finanzierung einzubringen.

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Schlagworte zum Thema:  Zinsen , Zinssatz , Immobilienmarkt
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