Negativrekord bei Fertigstellungen

Wohnungsbaukrise spitzt sich zu – ein Plan B muss her


Handwerker mit Leiter in Neubau

2025 wurden laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland 206.600 Wohnungen gebaut – 18 Prozent weniger als 2024. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) sprach von schlechten Zahlen. Ein Verbändebündnis will einen "Bauturbo II". Was heißt das?

206.600 gebaute Wohnungen im Jahr 2025, von denen das Statistische Bundesamt berichtet, sind 45.400 Einheiten weniger im Vergleich zum Vorjahr und so wenig wie seit 2012 nicht mehr, nachdem die Zahlen in den Jahren 2021 bis 2023 noch jeweils bei rund 294.000 gelegen hatten. 

Die schlechten Zahlen seien das "Resultat der vergangenen Krisenjahre", sagte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) der "Rheinischen Post". Ein Bündnis von Verbänden aus Bau-, Immobilien- und Wohnungswirtschaft sprach von einem Alarmsignal, kritisierte die Politik und fordert jetzt einen "Bauturbo II" mit sechs Sofortmaßnahmen.

Verbändebündnis für "Bauturbo II": die Maßnahmen

"Die Fertigstellungszahlen sind kein Schicksal, sondern das Ergebnis jahrelanger, unzureichender Rahmenbedingungen. Auf verschlechterte Finanzierungsbedingungen wurde mit komplexen, kleinteiligen Förderprogrammen, weiter verschärften Anforderungen und damit Kostensteigerungen reagiert", schreibt das breite Bündnis aus Verbänden und Organisationen der Immobilienbranche. 

Das Bündnis, darunter Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA), GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Immobilienverband Deutschland (IVD) und der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV), schlägt folgende sechs Sofortmaßnahmen vor:

  1. Neuer gesellschaftlicher Konsens für den Wohnungsbau
  2. Verlässliche Förderpolitik gewährleisten
  3. Steuerliche Rahmenbedingungen verbessern
  4. Stabile Finanzierung sicherstellen
  5. Einfaches Bauen: Gebäudetyp E muss kommen
  6. Mietenregulierung nicht weiter unnötig verschärfen

Die zielführenden Maßnahmen im Koalitionsvertrag seien bis heute nicht in die Umsetzung gekommen, heißt es im gemeinsamen Appell. Stattdessen würden immer neue wohnungsbaupolitische Ideen diskutiert. Die Bundesregierung müsse jetzt klare Prioritäten setzen.

Bereits beim Wohnungsbautag Ende März 2025 hatte ein Teil der Verbände ein konkretes Programm vorgelegt, um die Trendwende beim Wohnungsbau zu schaffen. "Zwei Monate später sind wir keinen Schritt weiter", heißt es nun in der Mitteilung. Die Experten erwarten für 2026 einen Absturz auf weniger als 200.000 neu gebaute Wohnungen.

Wohnungen: Genehmigung bis Bau dauert mehr als zwei Jahre

Zuletzt hatte es Hoffnung auf ein Ende der Krise im Wohnungsbau gegeben: Die Baugenehmigungen stiegen laut Bundesstatistik 2025 um knapp 11 Prozent auf 238.100 Einheiten – das war das erste Plus seit 2021. Doch strukturelle Probleme bleiben: Der Bauüberhang aus genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen stagnierte bei 760.700 Einheiten. Davon waren 307.200 Wohnungen bereits im Bau.

Viele Bauprojekte mussten aufgegeben werden, weil die Genehmigungen erloschen sind. Das war für 35.700 Wohnungen der Fall, was dem höchsten Wert seit 2002 entspricht. Dazu kommt: Die Zeit von der Genehmigung bis zur Fertigstellung im Neubau betrug zuletzt 27 Monate. Im Jahr 2020 waren es noch 20 Monate. Eine schnelle Erholung erwarten die Experten vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs nicht, schon weil sich Baumaterialien und Transportkosten massiv verteuert haben.

Bundesregierung sieht sich wohnungspolitisch auf Kurs

Der Wohnungsbau stockt seit Jahren. Geschätzt fehlen mittlerweile rund eine Million Wohnungen, gerade in den Städten. Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatte sich das Ziel von 400.000 neuen Einheiten pro Jahr gesetzt, dieses aber stets verfehlt.

Die amtierende Bundesregierung will mit dem Bauturbo-Gesetz über schnellere Genehmigungen den Wohnungsbau voranbringen – und hat zudem die Förderung für energieeffizientes Bauen mit dem beliebten Standard EH55 reaktiviert.

"Wir brauchen Tempo bei den anstehenden Reformen", sagte der baupolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco Luczak. Bei den Baukosten könne der Gebäudetyp E ein echter Gamechanger werden. "Das Justizministerium muss endlich liefern", so Luczak. Einfacher, schneller und günstiger bauen müsse der Fokus bei der anstehenden Novelle des Baugesetzbuches (BauGB) sein.

Die große BauGB-Reform soll in Kürze vorgestellt werden, wie Hubertz ankündigte. Zudem arbeite die Bundesregierung am Gebäudetyp E, der Bündelung von Förderprogrammen und wolle die Förderung für energieeffizientes Bauen verlängern. "All das wird helfen, auch in einer weiterhin schwierigen Lage die Fertigstellungszahlen wieder nach oben zu bringen", meinte die SPD-Politikerin.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnraum , Wohnungsbau , Bauwirtschaft