Studie: Situation des Wohnungsmarktes in Deutschland Infografik

In Deutschland wird falsch gebaut. Wo der Wohnungsmarkt heiß ist, weil die Nachfrage hoch und das Bauland knapp ist und in welchen Regionen ein Überangebot aufgebaut wird, zeigt die Wohnwetterkarte von Bouwfonds Property Development (BPD) und Bulwiengesa. Ein Blick auf die Trends.

Ein heißer Wohnungsmarkt zeichnet sich aus durch eine hohe Nachfrage und ein geringes Bauvolumen im Vergleich zur Nachfrage. Zu wenig Bauland ist aber vor allem ein Problem der Großstädte, die unter Wohnungsmangel leiden. In anderen Regionen wird derzeit eher ein Überangebot aufbaut. Ein Blick auf die Interaktive Wohnwetterkarte von BPD und Bulwiengesa zu den Wohnungsmärkten in Deutschland zeigt die aktuelle Situation und einen Ausblick auf die kommenden drei bis fünf Jahre.

In Süddeutschland, den Metropolen und Unistädten sind die Wohnungsmärkte tendenziell "zu heiß"

Per Mausklick lässt sich herausfinden, wo die Wohnungsmärkte überhitzt und wo sie kalt sind. Süddeutschland ist die heißeste Region, weil hier die Bautätigkeit nicht mit der hohen Nachfrage Schritt halten kann. Ein Grund ist der hohe Zuzug in die beliebten Großstädte. Die Mehrzahl der sehr heißen Kreise befindet sich der Studie zufolge in einem Radius von 100 Kilome­tern um München. Auch in Stuttgart erstreckt sich die Entwicklung bis weit in das jeweilige Umland, während sich in den anderen Top-7-Städten Berlin, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Hamburg der Effekt deutlich stärker auf die Städte selbst und das nähere Umland konzentriert.

Dass auch kleinere Städte wie Kiel, Rostock, Münster, Karlsruhe oder Freiburg im Breisgau "zu heiß" sind, liegt der Studie zufolge daran, dass die Wohnungsmärkte hier durch eine hohe Anzahl von Studierenden in Kombination mit Wirtschaftsstärke geprägt sind.

Schlechte Infrastruktur in den Mittelgebirgen führt zu Schrumpfungstendenzen

In den meisten Regionen im Osten der Republik und in vielen Mittelgebirgen werden gemessen an der geringeren Nachfrage tendenziell zu viele Wohnungen gebaut. Etwa im Harz, dem Weserbergland, dem Sauerland oder Vogelsberg und dem Hunsrück sowie in der Eifel ist die Wohnungsmarktsituation laut BPD und Bulwiengesa in etwa auf dem Niveau der ländlichen Regionen in Ostdeutschland.

Auch der Schwarzwald, der Odenwald, der Spessart und der Bayerische Wald sind demnach deutlich kälter als das umliegende Flachland. Ein Grund könnte darin liegen, dass hier die Infrastruktur vergleichsweise schlecht ist, was zu Schrumpfungstendenzen führt.

"Wir müssen die Ballungszentren mit Gebietsentwicklungen im Umland entlasten. Dazu braucht es vor allem eine gute Verkehrsinfrastruktur, um heiße mit kühleren Regionen zu verbinden. Auf der anderen Seite muss den Fehlentwicklungen auf dem Land Einhalt geboten werden. Hier ist vor allem die Raumplanung gefragt." Franz-Josef Lickteig, Geschäftsführer der BPD in Deutschland

Auch eine gute Grenzlage und eine hohe Geburtenrate haben Auswirkungen

Auch in Regionen, in denen weder ein großer Ballungsraum noch eine Universität in der Nähe ist, kann der Wohnungsmarkt den Studienautoren zufolge heiß sein. Etwa im Raum Emsland-Cloppenburg-Vechta, Konstanz-Tuttlingen-Balingen und Ulm-Oberschwaben-Allgäu ist das der Fall deshalb, weil eine erfolgreiche mittelständische Wirtschaftsstruktur existiert und die Geburtenrate hoch ist. Beides sorgt für eine hohe Nachfrage am Wohnimmobilienmarkt. Ähnliches gilt offenbar für Regionen entlang den deutschen Grenzen, vor allem zu Luxemburg und der Schweiz.


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