23.05.2017 | Destatis/BFW

2016 wurden 277.700 Wohnungen fertiggestellt – der Wohnungswirtschaft reicht das nicht

Es wurden zwar erneut mehr Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gebaut, aber es reicht nicht, um dem Wohnungsmangel ernsthaft etwas entgegen zu setzen
Bild: MEV-Verlag, Germany

Im vergangenen Jahr sind 277.700 Wohnungen fertiggestellt worden. Das sind 12,1 Prozent mehr als 2015, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, und so viele wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Der Bundesverband BFW sieht die Zahlen eher kritisch: Eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sei so weiterhin nicht in Sicht. „Vom eigentlichen Neubaubedarf von 400.000 Wohnungen bleiben wir mit dieser geringen Dynamik auch künftig meilenweit entfernt", so BFW-Präsident Andreas Ibel.

Laut Destatis fiel der Anstieg der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit plus 9,6 Prozent (plus 10.100 Wohnungen) und in Wohnheimen mit einem Plus von 59,3 Prozent (plus 5.300 Wohnungen) besonders deutlich aus. Hierzu zählen dazu auch Flüchtlingsunterkünfte, die dem allgemeinen Wohnungsmarkt mittelfristig nicht zur Verfügung stehen.

Der Anstieg der Baufertigstellungen von neu errichteten Wohngebäuden lag lediglich bei 8,7 Prozent. Rechnet man Wohnheime heraus, relativiert sich der Anstieg von neu errichteten Wohngebäuden auf lediglich 6,6 Prozent, wie der BFW Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen errechnete.

„60 Prozent der BFW-Unternehmen haben festgestellt, dass sich die Rahmenbedingungen für den Neubau im vergangenen Jahr verschlechtert haben", so Ibel.

Das verleitet den BFW-Präsidenten zu der Prognose, dass der Anstieg der Baufertigstellungen nur kurz anhalten und auch in den kommenden Jahren 300.000 Baufertigstellungen nicht überschreiten wird. "Mittelfristig werden die Fertigstellungszahlen sogar wieder auf 250.000 Wohneinheiten oder noch darunter zurückgehen", ist Ibel überzeugt.

Als Gründe für diese Annahme werden in der BFW-Konjunkturumfrage der Baulandmangel sowie die fehlende Aussicht auf eine Besserung der administrativen Rahmenbedingungen und die Beseitigung der Haupthindernisse im überregulierten Wohnungsbau genannt.

"Die Parteien müssen in ihren Wahlprogrammen jetzt konkrete Maßnahmen und Impulse aufführen, wie sie den Wohnungsneubau ankurbeln wollen", sagte Ibel.

Der Wohnungsbau ist eines der Top-Themen der Parteien vor der Bundestagswahl im September 2017. 30 Organisationen und Verbände aus Bau- und Immobilienwirtschaft haben den Politikern eine "To-do-Liste" zum Ankurbeln des Wohnungsbaus vorgelegt.

Zahl der Genehmigungen übersteigt Zahl der Fertigstellungen deutlich

Auch 2016 war der Anstieg der genehmigten Wohnungen Destatis zufolge mit plus 19,8 Prozent auf 375.400 Wohnungen weit höher als die Zunahme der Fertigstellungen. Das habe zu einem Überhang von 605.800 genehmigten, noch nicht fertig gestellten Wohnungen geführt, womit sich der Anstieg des Bauüberhangs seit dem Jahr 2008 weiter fortsetzte und mit 679.200 Wohnungen den höchsten Wert seit 1999 erreicht hat.

Die Fertigstellungen von Wohnungen in Einfamilienhäusern stiegen um 3,7 Prozent beziehungsweise 3.100 Wohnungen und in Zweifamilienhäusern um 2,5 Prozent beziehungsweise 400 Wohnungen. Deutlich zugenommen haben laut Destatis die durch Baumaßnahmen an Bestandsgebäuden fertig gestellten Wohnungen (plus 36 Prozent; plus 9.900 Wohnungen).

Wohnungsbau bereits 2015 deutlich unter den Erwartungen

"Die Bilanz beim Wohnungsbau ist ernüchternd. Im vergangenen Jahr wurden deutlich weniger Wohnungen gebaut als erwartet", hatte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, die für 2015 vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamtes bereits im vergangenen Jahr kritisiert.

2015 waren in Deutschland Destatis zufolge 247.700 Wohnungen fertiggestellt worden. Das waren 2.400 Wohnungen oder ein Prozent mehr als 2014 und so viele wie seit dem Jahr 2006 (255.600 Wohnungen) nicht mehr. Die Zahl der neu gebauten Wohnungen liege insgesamt rund 20.000 Einheiten unter den vom Bundesbauministerium erwarteten 265.000 bis 270.000 Fertigstellungen für 2015, sagte Gedaschko im Juni 2016. Auch damals waren vor allem in Mehrfamilienhäusern (4.100) und Wohnheimen (700 Wohnungen) neue Einheiten entstanden.

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