Wohnungsbau 2019: Bilanz der Bundesregierung

In Deutschland wurden 2019 mehr Wohnungen fertig gebaut als im Jahr zuvor – vor allem in Mehrfamilienhäusern, aber immer noch zu wenig. Der Bauüberhang wächst mit. Außerdem gab es signifikant mehr Anträge auf Baukindergeld für Wohneigentum. Eine Bilanz der Bundesregierung.

Etwa 293.000 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland fertiggestellt, wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen antwortete – das sind 5.700 Wohnungen (zwei Prozent) mehr als 2018. Eine höhere Zahl fertig gebauter Wohnungen wurde zuletzt 2001 (326.600) registriert. Die Antwort der Bundesregierung fußt auf Daten des Statistischen Bundesamtes und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBSR).

Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der gesamten Wohnungsneubautätigkeit entfällt nach Angaben der Bundesregierung auf den Geschosswohnungsbau. Hier betrug der Anstieg der fertig gebauten Wohnungen im bundesweiten Schnitt sogar sechs Prozent, wie es in dem Schreiben heißt. Rund 152.800 Wohnungen waren es 2019. Deutlich gestiegen sind die Baufertigstellungen im Vergleich zu 2018 in Berlin: Von rund 12.800 auf knapp 15.400 Wohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern. Auf die Frage, wie viele der Wohnungen letztlich zur Miete zur Verfügung stehen werden, konnte die Bundesregierung allerdings keine Angaben machen.

Bauüberhang wächst und wächst

Doch auch die Zahl der Baugenehmigungen ist im vergangenen Jahr noch einmal gestiegen: Gegenüber 2018 um vier Prozent auf knapp 360.600 – also deutlich stärker als die Zahl der gebauten Wohnungen. Damit wächst der Bauüberhang weiter auf 740.400 Wohnungen. Das ist der höchste Stand seit 1998 mit 771.400 Wohnungen.

Die meisten Baugenehmigungen gab es in Bayern (rund 75.500 Wohnungen) und Nordrhein-Westfalen (knapp 57.300 Wohnungen) – allerdings auch die größten Überhänge zwischen genehmigten und fertiggestellten Wohnungen: rund 166.500 in Bayern und mehr als 12.046 in Nordrhein-Westfalen. Zurückgegangen sind die Bauüberhänge nur in Bremen (von 5.300 auf 5.000) und Thüringen (von 11.100 auf 10.800).

Deutlich mehr gebaut wird zum Teil auch in schrumpfenden Regionen und Städten Deutschlands: Insgesamt stieg die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern dort von 2.000 auf rund 2.800 Wohnungen. Untersucht wurden Regionen, in denen sich die Bevölkerungszahl im Zeitraum 2013 bis 2018 um mindestens ein Prozent verringert hat.

Baukindergeld verzeichnet deutlich mehr Anträge

Die Grünen im Bundestag wollten auch wissen, wie viele Wohneinheiten zum Eigentumserwerb gebaut wurden und wie viele der Eigentumswohnungen seit Programmbeginn am 1.1.2018 und bis zum 30.6.2020 mit Baukindergeld gefördert wurden. Statistisch erfasst sind laut Bundesregierung lediglich die Antragsbestätigungen.

Wurden im Jahr 2018 bundesweit 950 Anträge auf Baukindergeld für den Bau oder Kauf einer neuen Eigentumswohnung bestätigt, waren es 2019 bereits 3.095. Von Januar 2020 bis Ende Juni 2020 wurden 1.717 Anträge bestätigt, also schon deutlich mehr als im gesamten Jahr 2018. Beim Bau oder Kauf eines neuen Eigenheims lagen die Zahlen deutlich höher: 6.724 waren es vor zwei Jahren, 31.086 im vorigen Jahr und 16.770 zwischen Januar und Juni 2020.

Die Bundesregierung will bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 eineinhalb Millionen neue Mietwohnungen und Eigenheime – frei finanziert und öffentlich gefördert – gebaut haben. Im Hinblick auf den erheblichen Bauüberhang geht die Koalition derzeit davon aus, dass sie dieses Ziel erreichen wird.


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dpa
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