Hamburg: Cradle-to-Cradle-Wohnhochhaus für Hafencity geplant

Cradle to cradle heißt das Bauprinzip der "grünen" Zukunft: Unter anderem geht es dabei um recyclingfähige Materialien. Es gibt in Deutschland schon Neubauten und Sanierungsprojekte, die das berücksichtigen. In der Hamburger Hafencity soll das Wohnhochhaus "Moringa" Aushängeschild werden.

In Zusammenarbeit mit dem Büro Kadawittfeldarchitektur baut der Projektentwickler Landmarken AG an den Elbbrücken in der Hamburger Hafencity bis zum Jahr 2023 das Wohnhochhaus "Moringa" nach dem Cradle-to-Cradle (C2C)-Prinzip. Die Baugenehmigung wird für 2021 erwartet.

Der Name Moringa leitet sich von einer gesunden "Superpflanze" aus der Himalayaregion ab, dem so genannten "Baum des Lebens" Moringa Olifeira.

Moringa: Ein ökologisches Gebäudekonzept mitten in Hamburg

Das Gebäude wird nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip, das von dem deutschen Chemiker und Verfahrenstechniker Michael Braungart und dem US-Architekten William McDonough entwickelt wurde, mit "gesunden" Materialien realisiert. Der Großteil der Konstruktionen ist trennbar, rückbaubar und recycelbar.

Das Gesamtkonzept sieht zudem vor, dass das Wohnhochhaus begrünt wird, sowohl die Fassaden der drei Gebäudeteile, als auch die Dächer und der Innenhof – und zwar in mindestens dem gleichen Umfang wie die bebaute Grundstücksfläche, erklärt die Landmarken AG. Rund 4.740 Quadratmeter ist das Baufeld im Quartier Elbbrücken groß.

"Gebäude sind für 40 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich, Cradle to Cradle kann darauf die Antwort geben." Jens Kreiterling, Vorstand der Landmarken AG

Die umfangreiche Begrünung soll dafür sorgen, dass das Gebäude Sauerstoff produziert und Schadstoffe sowie sommerliche Hitzeinsel-Effekte in der Stadt reduziert.

Ein Gesamtpaket: Von Co-Living über Co-Working zu Mobility-Sharing

Auf 17.700 Quadratmetern (von insgesamt zirka 20.000 Quadratmetern) Bruttogeschossfläche entstehen Mietwohnungen davon werden 33 Prozent öffentlich gefördert sein: Für Familien, Singles, Senioren. Das Co-Living-Konzept sieht zudem Wohngemeinschaften, Gemeinschaftsflächen und Angebote wie eine Community-App vor. Ein Co-Working-Space, eine Kita, Veranstaltungsräume, Ausstellungsflächen, Fitness- und Lounge-Bereich sowie eine Gastronomie mit Terrasse im Erdgeschoss sind ebenfalls geplant.

Außerdem gehören eine Tiefgarage mit etwa 70 Pkw-Stellplätzen (davon 30 Prozent für Carsharing), rund 200 Fahrrad-Stellpätzen und ein Mobility-Sharing-Konzept mit Angeboten vom Lastenrad bis hin zu E-Autos zum Moringa.

Auch saniert wird nach C2C-Kriterien

Das Moringa ist nicht das erste C2C-Gebäude, das in Deutschland entsteht. Im März 2019 wurde im baden-württembergischen Heilbronn das "Skaio" mit insgesamt 78 frei finanzierten und geförderten Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen fertiggestellt. Ein zehnstöckiges Hybridhochhaus: 1.500 Kubikmeter Holz wurden verbaut, die CO2-Bilanz soll so um 1.500 Tonnen verringert werden. Die Bauzeit betrug gerade einmal neun Monate. Durch die C2C-inspirierten Materiallösungen ist das Skaio zu 100 Prozent recyclingfähig.

In der Bremer Überseestadt werden im "Handwerkerhaus" recyclingfähige Materialien verbaut, und im Düsseldorfer Medienhafen ensteht bis zum Jahr 2021 die Büroimmobilie "The Cradle", bei der ebenfalls C2C-Materialien zum Einsatz kommen. Eines der ersten groß angelegten C2C-Sanierungsprojekte wurde unter dem Arbeitstitel "C2C Lab" in Berlin realisiert: In einem ehemaligen DDR-Plattenbau.


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