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Bilanzgestaltung

Potenzial im Umlaufvermögen


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Potenzial im Umlaufvermögen

Gleichgültig, ob es sich um Rohstoffe, Materialien oder Fertigwaren handelt, die Vorräte bilden in vielen Bilanzen eine wichtige Position. Auch die liquiden Mittel bestimmen das Umlaufvermögen und damit die Bilanzsummen. Beides bietet Möglichkeiten der Gestaltung.

Aufgeräumte Lagerbestände – Wertberichtigung vermeiden

Jedes Lager beinhaltet auch Vorräte, die nicht mehr ihrem eigentlichen Zweck dienen können. Im Nahrungsmittelbereich kann das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen sein, im Textilbereich kann eine modische Überlagerung festgestellt werden.

  • Die Entscheidung im Laufe des Jahres umfasst die Entsorgung nicht mehr gängiger Vorräte noch vor dem Bilanzstichtag. Damit tauchen die Bestände gar nicht erst in den Vorräten auf.
  • Alternativ dazu müssen am Jahresende für diese Vorräte Wertberichtigungen errechnet, verbucht und vor allem begründet werden.

Wer Lagerbestände, die nicht mehr benötigt werden, sofort aus seinem Lager entfernt, spart nicht nur Lagerkosten. Er spart der Buchhaltung im Jahresabschluss auch erheblichen Aufwand. 

Die Bestandsbewertung nutzen

Die gelagerten Waren und Rohstoffe müssen mit einem Preis verbunden werden, damit eine Bewertung stattfinden kann. Das sind für selbst hergestellte Teile die Herstellkosten, für andere die Beschaffungskosten. Die Berechnung bietet trotz aller gesetzlicher Vorschriften Einflussmöglichkeiten, die bereits im Jahresablauf vorbereitet werden können.

  • Wer schon im Oktober oder November die Herstellkosten ermittelt, kann in Ruhe alle Optionen, die gesetzlich noch vorhanden sind, prüfen.
  • Die Bewertungspreise müssen noch dem Niederstwerttest unterzogen werden. Dieser ist auch abhängig von bereits abgeschlossenen Lieferverträgen für die Zukunft. Möchten Sie eine Abwertung vermeiden, obwohl die künftigen Verträge niedrigere Preise ausweisen, schließen Sie diese, soweit möglich, nicht vor dem Bilanzstichtag ab.
  • Einen wesentlichen Einfluss auf die Bestandshöhe kann der Einkauf nehmen. Sollen möglichst niedrige Bestände in der Bilanz ausgewiesen werden, dann können viele Lieferungen auf den Januar gelegt werden. Wird ein möglichst hoher Bestand benötigt, z.B. als Sicherheit für einen Bankkredit, dann erfolgt die Lieferung noch vor dem Bilanzstichtag. Das hat Einfluss auf Kennzahlen wie Bilanzsumme, Working Capital und Verschuldungsgrad.

Die Entscheidung zur Bestandshöhe oder zur Nutzung von Bewertungsoptionen können nach dem Bilanzstichtag nicht mehr getroffen werden. Sie müssen frühzeitig vorbereitet sein.

Einfluss auf Forderungen – aktives Forderungsmanagement

Hohe Forderungen aus Lieferung und Leistung in der Bilanz müssen nicht hingenommen werden, nur weil der Zahlungseingang vom Zahlungsverhalten der Kunden abhängt. Es gibt Regeln, die Kunden einhalten müssen. Das Verhalten der Zahler muss bereits im laufenden Jahr beeinflusst werden.

  • Durch systematisches Forderungsmanagement kann das durchschnittliche Zahlungsziel der Kunden reduziert werden.
  • Durch rechtzeitiges Mahnen und dem konsequenten Einfordern offener Forderungen werden die Forderungen reduziert.
  • Forderungen, die nicht mehr eingebracht werden können, müssen bereits während des Jahres ausgebucht werden.

Werden Forderungen bezahlt, kommt es in der Bilanz zu einem Aktivtausch, da das Geld auf dem Bankkonto landet. Dennoch geht die Höhe der Forderungen in die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage ein, da Forderungen nicht so sicher sind wie liquide Mittel.

Bankkonten in der Bilanz

Die Bankkonten erscheinen mit dem von der Bank bestätigten Saldo zum Stichtag in der Bilanz. Wer Einfluss auf die Darstellung nehmen will, muss das also bereits weit vorher tun.

  • Das Verhältnis zwischen lang- und kurzfristiger Finanzierung wird in vielen Kennzahlen aufgenommen. Eine Umschichtung der Bankkredite von kurz- in langfristiges Engagement muss anhand einer langfristigen Bilanzplanung bereits lange vor dem Bilanzstichtag erfolgen.
  • Verfügt das Unternehmen über liquide Mittel, müssen diese entsprechend den notwendigen Daten für optimale Kennzahlen kurz- oder langfristig angelegt werden.
  • Eine Verrechnung von Guthaben z. B. auf dem Kontokorrentkonto mit Bankschulden verkürzt die Bilanz und hat entsprechend Einfluss auf viele Kennzahlen. Auch hier ist eine zumindest mittelfristige Planung und frühzeitige Vereinbarung mit den Banken notwendig.

Praxis Tipp: Auf Negativzinsen bewusst reagieren

Aktuell fordern viele Banken für Guthaben auf den Geschäftskonten die Zahlung von Negativzinsen. Das beeinflusst den Umgang mit freier Liquidität im Unternehmen, leider oft ohne Rücksicht auf die Bilanzkennzahlen. Entscheidungen zum Umgang mit Liquidität müssen immer auch die Auswirkungen auf die Bilanzkennzahlen berücksichtigen.


1 Kommentar
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Frank Schoensee

Tue Jul 30 10:03:51 CEST 2013 Tue Jul 30 10:03:51 CEST 2013

Die Ausführungen in diesem Artikel dürften der angesprochenen Klientel bereits seit langem bekannt sein. Die reißerische Aufmachung als "Top-Thema" steht in einem krassen Missverhältnis zur Asussagekraft.