22.07.2013 | Top-Thema Bilanzgestaltung

Jede buchhalterische und finanzielle Entscheidung hat Auswirkungen

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Im Grunde muss bei jeder finanziellen Entscheidung der Geschäftsführung oder jeder buchhalterischen Entscheidung im Rechnungswesen geprüft werden, welche Auswirkungen dies auf die Bilanz haben wird. Entsprechend sind dann die Entscheidungen zu treffen.

Dabei gilt: Je frühzeitiger der vorhandene Einfluss auf die Bilanzdarstellung ausgeübt werden kann, desto wirkungsvoller ist er. Die Entscheidungen können in Ruhe und mit ausreichender Information getroffen werden, nicht in der Stresssituation der Jahresabschlussarbeiten.

Beispiel: Forderungen
Erst kurz vor Weihnachten stellte Werner Meyer, Buchhalter der Caravan Deutschland GmbH, fest, dass der größte Kunde eine Rechnung über 150.000 Euro nicht pünktlich gezahlt hat. Das machte fast 30 % seiner gesamten Forderungen aus Lieferung und Leistung aus und erhöht wesentlich das Working Capital. Gleichzeitig wird die Bilanz durch die höheren Forderungen und den dadurch höheren Bankverbindlichkeiten verlängert.

Hätte Herr Meyer bereits im laufenden Jahr ein funktionierendes Forderungsmanagement aufgebaut, hätte er bereits im Oktober erkannt, dass der Kunde nur noch schleppend zahlt. Maßnahmen hätten ergriffen werden können. Diese hätten nicht nur für ein besseres Bilanzbild gesorgt, sie hätten auch das Risiko des Forderungsausfalls reduziert und die Kosten der Fremdfinanzierung verringert.

Drei Regeln
Im Laufe des Jahres immer wieder die Auswirkungen von Entscheidungen auf die Bilanz exakt zu berechnen, ist zu aufwändig. Gute Ergebnisse erzielt man mit der Einhaltung von drei einfachen Regeln, die bei jeder größeren Entscheidung berücksichtigt werden sollten:

  1. Wie beeinflusst die Entscheidung die Bilanzsumme?
    Die Bilanzsumme ist möglichst niedrig zu halten. Je geringer die Bilanzsumme ist, desto besser sind viele Finanzkennziffern. Außerdem werden dann Größenklassen eingehalten, die Vereinfachungen in der Buchhaltung und in der Veröffentlichungspflicht oder bessere Fördermöglichkeiten bringen.
  2. Welchen Einfluss hat die Entscheidung auf das Working Capital?
    Das Working Capital ist möglichst niedrig zu halten. Je weniger Working Capital gebraucht wird, desto besser sind die Kennzahlen, aber auch die realen Finanzierungskosten.
  3. Kann, soll oder muss in der Situation eine Rückstellung gebildet werden?
    Rückstellungen müssen geplant und begründet werden. Hohe Rückstellungen reduzieren den Gewinn und damit die Steuerlast. Niedrige Rückstellungen helfen, einen hohen Gewinn auszuweisen.

Schlagworte zum Thema:  Forderung, Buchhaltung, Bilanz, Bilanzgestaltung, Finanzkennzahlen, Gestaltung

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