Muskel-Skelett-Beschwerden: Homeoffice birgt höhere Risiken
Zwischen September 2023 und April 2024 befragten die Berufsgenossenschaften BGHM und VBG gemeinsam mit der DGUV und weiteren Unfallversicherungsträgern über 1.000 Beschäftigte mit Bildschirmarbeitsplatz. Die forschenden Institutionen waren dabei das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) und das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA). Ziel war es, die Auswirkungen von Bildschirmarbeit im Büro und im Homeoffice auf die körperliche Gesundheit zu erfassen.
Ein Ergebnis der Studie: Höheres Risiko im Homeoffice
Mobiles Arbeiten führte, so das wichtigste Ergebnis, tendenziell zu stärkeren Muskel-Skelett-Beschwerden als die Arbeit im Büro. Aufgrund der starken Zunahme der mobilen Bildschirmarbeit seit Ausbruch der Pandemie nahmen auch die Beschwerden bei den Beschäftigten zu. Beschäftigte im Homeoffice hatten ein höheres Risiko für neue Schmerzen im unteren Rücken und für eine Zunahme von Nackenschmerzen. Langes Arbeiten am Bildschirm führte weiterhin oftmals zu sogenannter digitaler Augenbelastung (Computer Vision Syndrome). Dazu zählen Symptome wie Augenbrennen, trockene oder müde Augen, Sehprobleme und Kopfschmerzen.
Ergonomie optimiert
Seit der Pandemie wurde die Ergonomie der Arbeitsplatzausstattung sukzessive durch die Arbeitgeber verbessert. 72 Prozent der Befragten gaben an, einen gut oder optimal ausgestatteten Arbeitsplatz für ihre mobile Tätigkeit zu haben. 69 Prozent der Homeoffice-Beschäftigten berichteten von einer optimalen Sitzgelegenheit, vor allem einem höhenverstellbaren Bürostuhl. Zudem verwendeten 76 Prozent einen externen Bildschirm und 78 Prozent eine externe Tastatur und/oder Maus.
Beschwerden vor und nach Pandemie
Doch was hat die bessere Ausstattung für das körperliche Wohlbefinden bei der mobilen Bildschirmarbeit gebracht? Die Studienmacher konnten hierbei lediglich eine partielle Besserung seit Ende der SARS-CoV-2-Pandemie konstatieren. Die subjektiv empfundenen Muskel-Skelett-Beschwerden wurden als Schmerzen mit dem „Brief Pain Inventory“ erfasst. Dieses standardisierte Instrument ermöglicht die differenzierte Messung der Schmerzintensität auf einer numerischen Ratingskala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz). Die Beschwerden der Teilnehmenden wurden retrospektiv für den Zeitraum vor der SARS-CoV-2-Pandemie Anfang 2020 sowie für die jeweils letzte Woche vor der Befragung erfasst.
Nur partielle Verbesserungen
Insgesamt berichteten 15 Prozent der Beschäftigten über neue Schmerzen und 19 Prozent über eine Schmerzzunahme in mindestens einer Körperregion seit Beginn der Pandemie. Am häufigsten zeigten sich neue Schmerzen im Bereich des Nackens, der Schultern und des unteren Rückens. Mit der besseren ergonomischen Ausstattung der mobilen Arbeitsplätze verbesserte sich die gefühlten Muskel-Skelett-Beschwerden bei den befragten Beschäftigten nur im unteren Rückenbereich, wenn auch recht deutlich um 20 Prozent. In den übrigen Körperregionen berichteten die Befragten dagegen überraschenderweise häufiger von Schmerzzunahmen als -abnahmen seit Beginn der Pandemie. Ein Zustand, der sich trotz der ergonomischen Anpassung der Arbeitsplätze und -umgebungen auch in der Folgezeit nicht änderte. So lag der Wert für Schmerzen im Unterarm/Ellenbogen bei Erhebung der Daten bei 8,4 Prozent, vor der Pandemie betrug dieser lediglich 6,9 Prozent.
Link zu den Ergebnissen: Online-Befragung des IPA und IFA
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