Ikea führt „Stille Stunde“ deutschlandweit ein
Schätzungen zufolge zählen in Deutschland etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung zu sogenannten neurodivergenten Gruppen. Auf diese Tatsache hat nun das schwedische Einrichtungsunternehmen Ikea reagiert. Nach erfolgreichen Tests in den Ikea-Einrichtungshäusern Berlin, Bremerhaven und Mannheim wird die sogenannte „Stille Stunde“ nun auf alle Ikea-Einrichtungshäuser in Deutschland ausgedehnt. Das Angebot richtet sich unter anderem an Menschen mit Neurodivergenz, etwa mit Autismus oder ADHS, sowie an Personen mit sensorischen Empfindlichkeiten. Darüber hinaus sollen auch ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern und alle, die eine ruhigere Einkaufsatmosphäre bevorzugen, von dieser Innovation profitieren. Die Initiative für diese reizarme Einkaufszeit geht ursprünglich auf die Ikea-Filiale im österreichischen Vösendorf zurück, die dieses Konzept gemeinsam mit betroffenen Menschen entwickelt hat. Die Unternehmen Hornbach und Spar setzen mittlerweile auf ähnliche Konzepte.
Das Konzept im Detail
In Deutschland gibt es die Stille Stunde an allen Ikea-Standorten jeden Mittwoch von 17:00 bis 19:00 Uhr. In der Schweiz und Österreich gelten teilweise andere Tage und Zeiten. Am Eingang und auf Bildschirmen im Geschäft wird dabei angezeigt, ob gerade Stille Stunde ist. Alle im Haus befindlichen Besucher werden 15 Minuten vor Beginn mit einer Durchsage darauf hingewiesen und um Rücksichtnahme gebeten. Während des Zeitfensters der Stillen Stunden läuft keine Hintergrundmusik und es gibt keine regulären Lautsprecherdurchsagen. Laute Arbeiten wie das Verräumen mit Hubwagen werden ebenfalls vermieden. Auch in den Restaurants der Einrichtungshäuser wird der Lärm reduziert, beispielsweise durch leisere Ofen-Signale. Grelle Lichter oder blinkende Bildschirme werden gedimmt oder ganz abgeschaltet.
Auch für die Beschäftigten
Die Stille Stunde richtet sich ausdrücklich nicht nur an die Kunden, sondern auch an die Beschäftigten des Unternehmens. Denn Ikea hat dieses reizarme Konzept ebenfalls im Rahmen seiner unternehmensweiten Strategie für „Chancengleichheit, Vielfalt und Inklusion“ eingeführt. Von der reduzierten Geräuschkulisse und dem gedimmten Licht sollen daher auch Mitarbeiter profitieren, die empfindlich auf sensorische Reize reagieren oder eine ruhigere Arbeits- und Einkaufsumgebung bevorzugen. Das Konzept wurde maßgeblich von Ikea-Beschäftigten am Standort in Vösendorf in Niederösterreich mitentwickelt, wo die Idee für das Angebot entstand. Auch bei der nationalen Umsetzung in Deutschland wurden die Bedürfnisse neurodivergenter und psychisch beeinträchtigter Beschäftigter berücksichtigt und diese bei der Konzeption und Umsetzung beteiligt.
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