Psychische Gesundheit

EU setzt auf Prävention: Neue Programme gegen psychische Belastungen

Psychische Erkrankungen verursachen Höchststände an Fehlzeiten in der Arbeitswelt. Die EU-Kommission reagiert mit einem milliardenschweren Förderprogramm, das Schutz und Prävention stärken soll.

Frust

Im Jahr 2024 war 20 Prozent der Bevölkerung in der EU von einer psychischen Störung oder Erkrankung betroffen, also rund 150 Millionen Menschen. Unter den diagnostizierten Fällen standen ganz oben Angststörungen (40 Prozent), depressive Störungen (20 Prozent) und Substanzgebrauchsstörungen (17 Prozent). Diese Problematik betrifft auch die Arbeitswelt. Psychische Erkrankungen verursachten im Jahr 2024 einen Höchststand an Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft. Sie machten rund 17 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage aus. Grund genug für die EU-Kommission zu handeln. Mit 20 sogenannten “Leitinitiativen“ und einem Budget von 1,23 Milliarden Euro aus verschiedenen Fördertöpfen will die EU-Kommission die Problematik nun konsequent angehen. Dabei identifizierte sie folgenden Förderschwerpunkte:

  • Angemessene und wirksame Prävention,
  • Zugang zu hochwertiger und erschwinglicher psychischer Gesundheitsversorgung und Behandlung,
  • Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach der Genesung.

Wichtigste Handlungsfelder 

Die EU investiert die Fördersumme aus verschiedenen Förderprogrammen wie EU4Health. Das Fördergeld fließt in folgende Bereiche, die direkt oder indirekt die psychischen Gefährdungen und Risiken am Arbeitsplatz betreffen:

  • Risiken am Arbeitsplatz: Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) fördert Programme, um Stress, Burnout und Arbeitsüberlastung zu bekämpfen. Die Unternehmen erhalten Anleitungen, um psychische Risiken angemessen und effektiv im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen beurteilen zu können.
  • Prävention: Es gibt neue Initiativen zur Vorbeugung von Depressionen, Angststörungen und Selbstmord. Ziel ist es, psychische Erkrankungen früher zu erkennen.
  • Austausch in Forschung und Praxis: Die EU unterstützt den Austausch von Wissen zwischen Ärzten und Forschern. Mitarbeiter im Gesundheitswesen werden gezielt weitergebildet.
  • Finanzierung von nationalen Aktivitäten: Die Mitgliedsstaaten können Gelder beantragen, um eigene nationale Programme zu etablieren und umzusetzen.

Förderbereiche für die Arbeitswelt

Neben den generellen Förderbereichen hat die EU-Kommission in Bezug auf die Bekämpfung psychischer Gefährdungen am Arbeitsplatz folgende Handlungsfelder benannt:

Entstigmatisierung: Durch einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen sollen Vorurteile und Stigmatisierungen abgebaut werden.
Prävention: Die EU unterstützt Arbeitgeber dabei, psychische Belastungen und Stressfaktoren wie eine zu hohe Arbeitsbelastung oder die soziale Isolation einzelner Beschäftigter frühzeitig zu erkennen.


Praxis-Kampagnen: Die Agentur EU-OSHA stellt praktische Leitfäden, Schulungen und Instrumente zur Verfügung, die Unternehmen unmittelbar für die betriebliche Praxis umsetzen können.

Forschungsprojekt MENTUPP

Ein weiterer wichtiger Förderschwerpunkt ist die Unterstützung von einschlägigen Forschungsprojekten. Hierbei ist vor allem MENTUPP (Mental Health Promotion and Intervention in Occupational Settings) zu nennen, dessen Fokus auf kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) liegt. Dieses hat bereits eine Reihe von Maßnahmen konzipiert und umgesetzt, um Unternehmen bei der Reduzierung von Stress, Burnout und Depressionen in ihren Belegschaften zu unterstützen. Hierzu gehört der „MENTUPP-Hub“, eine Online-Lernplattform, auf der Beschäftigte und Führungskräfte interaktive Materialien zum Thema abrufen können, unter anderem Methoden zur Förderung der persönlichen und organisatorischen Resilienz.


Schlagworte zum Thema:  Psychische Belastung , Arbeitsschutz
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