27.04.2012 | Top-Thema Beschaffung von Gefahrstoffen

Beschaffung als wichtiger Teil des Arbeitsschutzes

Kapitel

Die Verantwortlichen für Einkauf und Beschaffung nehmen eine wichtige Rolle im Arbeitsschutz ein. Neben den klassischen Aufgaben, wie Bestellungen bündeln, Mengenrabatte aushandeln und rechtzeitig bestellen, ergeben sich aus der Forderung nach sicheren und gesunden Arbeitsplätzen weitere Aufgaben. Einkäufer benötigen dazu Informationen zu Beschaffenheit und Mengen der benötigten Arbeitsmittel - auch über mögliche Ersatzstoffe.

Die Beschaffung ist auf Informationen von Arbeitsschutz und Bestellern angewiesen

In großen Unternehmen erhalten die Verantwortlichen in der Beschaffung ihre Bestellungen aus verschiedenen Abteilungen. Verantwortung für den Arbeitsschutz können sie nur dann übernehmen, wenn Aufgaben und Zuständigkeiten festgelegt und geeignete Kommunikation der Beteiligten im Unternehmen gewährleistet sind.

Gefährdungsbeurteilung vor Beschaffung neuer Stoffe

Gemäß § 7 Abs. 1 GefStoffV muss vor der Aufnahme von Tätigkeiten mit Gefahrstoffen eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Soll ein neuer Gefahrstoff im Unternehmen eingesetzt werden, muss vorab das Sicherheitsdatenblatt angefordert werden.

In den Prozess "Einsatz eines neuen Gefahrstoffes" müssen alle Beteiligten eingebunden werden, v. a. Leitung und Beschäftigte, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt sowie Verantwortliche in der Beschaffung. Die Zuständigkeiten sind so festzulegen, dass Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten gewährleistet werden. Verantwortliche in der Beschaffung können Sicherheitsdatenblätter anfordern und verwalten, da hier keine speziellen Fachkenntnisse erforderlich sind.

Die Überprüfung der Sicherheitsdatenblätter auf Vollständigkeit und Plausibilität, die Gefährdungsbeurteilung und das Festlegen von Maßnahmen erfordert dagegen Fachkunde.

Freigabe von Stoffen

Ein wichtiges Element im Beschaffungsprozess ist die Freigabe für den Einsatz eines neuen Gefahrstoffes. Erst wenn alle Beteiligten dem Einsatz zustimmen, kann der Gefahrstoff bestellt und eingesetzt werden. Das Freigabeformular enthält i. d. R. auch das Ergebnis der Prüfung, ob und welche Ersatzstoffe eingesetzt werden können.

Die folgende Tabelle zeigt, wie eine wirksame Zusammenarbeit aussehen kann:

Aufgabe/VerantwortlichBeschaffungArbeitsschutz: FASI und Betriebsarzt

Leitung (L)/

Beschäftigte (B)

Sicherheitsdatenblatt (SDB)

SDB anfordern

SDB überprüfen, u. a.:

Reichen die Informationen des SDB nicht aus, müssen weitere Informationen eingeholt ­werden

Möglicher Einsatz eines neuen GefahrstoffesVerfügbarkeit prüfenÜberprüfung der Einsatz­möglichkeit mithilfe des SDB unter Berücksichtigung der ­betrieblichen GegebenheitenEntscheidung über den Einsatz 
SubstitutionsprüfungSubstitution prüfen (vgl. TRGS 600)
GefährdungsbeurteilungIst keine Substitution möglich: Gefährdungsbeurteilung durchführen und Schutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der Arbeitsumgebung und des Arbeitsprozesses / -verfahrens festlegen und umsetzenBeteiligung und Information (B)
Freigabe (Formular)Stoff freigebenStoff freigebenStoff freigeben (L)
Bestellung

Vorab prüfen, ob Substanz mit ähnlichen Eigenschaften bereits verwendet wird, unter Rücksprache mit Arbeitsschutz und betroffener Abteilung

Konditionen aushandeln, Stoff in benötigten Mengen und geeigneten Gebinden beschaffen

Stoff bei Einkauf bestellen, dazu nötige Informationen liefern, z. B. geeignete Gebindegrößen für sichere Handhabung (L, B)
Betriebsanweisung und UnterweisungBetriebsanweisung erstellen und Unterweisung durchführenZugang zu Betriebsanweisungen und SDB, Teilnahme an Unterweisung (B)
GefahrstoffverzeichnisStoff erfassenSubstitutionsprüfung im Gefahrstoffverzeichnis dokumentieren
PSABei Bestellung von PSA Angaben im Sicherheitsdatenblatt beachtenEignungsprüfung, falls keine ausreichenden Angaben im SDBVor Aufnahme der Tätigkeit und jährlich, Unterweisung zum Umgang mit PSA (L/B)
Einsatz des neuen StoffesRegelmäßige Überprüfung der Aktualität der SDB, ggf. aktuelle Version anfordernRegelmäßige Überprüfung, ob es Arbeitsmittel oder -verfahren gibt, die keine oder geringere Gefährdung haben (Innovationen, Neuentwicklungen)

Tätigkeit mit Gefahrstoff darf aufgenommen werden (B)

Achtung: Beschäftigungsbeschränkungen (Mutterschutz, Jugendarbeitsschutz)

Tab. 1: Einsatz eines neuen Gefahrstoffs

Schlagworte zum Thema:  Gefahrstoff, Beschaffung

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