27.04.2012 | Top-Thema Beschaffung von Gefahrstoffen

Sicherheitsdatenblatt – das zentrale Informationsinstrument

Kapitel

Das Sicherheitsdatenblatt (SDB) ist die zentrale Informationsquelle für den gewerblichen Anwender gefährlicher Stoffe und Gemische (bisher: Zubereitungen). Es liefert im Wesentlichen Informationen darüber, um welchen Gefahrstoff es sich handelt, welche Gefährdungen bestehen und welche Maßnahmen geeignet sind, um Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Das SDB ist damit die Grundlage der Gefährdungsbeurteilung, zum Festlegen geeigneter Schutzmaßnahmen sowie für Betriebsanweisungen.

Das SDB liefert der Beschaffung notwendige Informationen, u. a.

  • Kontaktdaten des Lieferanten,
  • genaue Bezeichnung des Stoffes (Handelsname),
  • geeignete bzw. erhältliche Gebindegrößen.

Pflichten des gewerblichen Anwenders

Gewerbliche Anwender - nach REACH als "nachgeschaltete Anwender" bezeichnet - müssen Sicherheitsdatenblätter und sonstige Informationen zur Gefährdungsbeurteilung vom Lieferanten beschaffen (§ 6 Abs. 2 GefStoffV).

Anwender müssen die Sicherheitsdatenblätter auf Fehler, Mängel oder fehlende Angaben (z. B. Angaben zur Verwendung) hin überprüfen und ggf. ein neues, fehlerfreies und vollständiges Exemplar anfordern. Dies ist vor dem Hintergrund, dass Sicherheitsdatenblätter häufig Mängel aufweisen, besonders wichtig für eine zuverlässige Beurteilung möglicher Gefährdungen.

Für die Plausibilitätsprüfung können Gefahrstoffportale und -datenbanken genutzt werden. Da dies nur fachkundige Personen leisten können, ist hier eine enge Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen in Arbeitsschutz und Beschaffung erforderlich.

Praxis-Tipp

In der Praxis empfiehlt es sich, mind. alle 2 Jahre die aktuelle Version der Sicherheitsdatenblätter anzufordern, um stets auf dem aktuellen Stand zu sein.

Pflichten des Lieferanten

Lieferant kann nach REACH-Verordnung der Hersteller, Inverkehrbringer (Händler) oder Importeur von Stoffen und Gemischen sein. Er muss Sicherheitsdatenblätter kostenlos zur Verfügung stellen (Art. 31 Abs. 8 1907/2006/EG) bzw. übermitteln und zwar "spätestens bei der ersten Lieferung" oder "nach jeder Überarbeitung" (BekGS 220 "Sicherheitsdatenblatt"). Dies kann in Papierform oder elektronisch erfolgen. Das bloße Bereitstellen im Internet genügt nicht.

Sicherheitsdatenblätter müssen von einer fachkundigen Person erstellt und regelmäßig aktualisiert werden. Dies soll gewährleisten, dass sie fachlich richtig und vollständig sind (§ 6 Abs. 1 GefStoffV und Anlage 2 Nr. 1 BekGS 220 "Sicherheitsdatenblatt"). Anforderungen an die Fachkunde regelt Anlage 2 Nr. 2 BekGS 220. Wird ein Sicherheitsdatenblatt neu erstellt oder geändert, muss dies seit 1.6.2007 nach den Vorgaben der REACH-Verordnung erfolgen. Inhalt und Struktur legt Art. 31 i. V. m. Anhang II 1907/2006/EG fest.

Welche Auswirkungen hat die CLP-Verordnung?

Mit Umsetzung der CLP-Verordnung 1272/2008/EG (GHS) werden einige Gefahrstoffe neu eingestuft. Es empfiehlt sich daher, aktuelle Sicherheitsdatenblätter beim Lieferanten anzufordern.

Anschließen muss sich eine Überprüfung, ob bisher festgelegte Schutzmaßnahmen noch ausreichen, Betriebsanweisungen noch aktuell sind bzw. der Gefahrstoff ersetzt werden kann. Auch bei Neuformulierung von Produkten muss eine derartige Überprüfung durchgeführt werden.

Folgende Übergangsfristen sind zu beachten

  • Stoffe müssen in einer Übergangsphase vom 1.12.10 bis 31.5.2015 nach altem und neuem Recht eingestuft werden.
  • Für Gemische ist die Einstufung nach GHS-Verordnung ab 1.6.2015 zwingend, bis dahin dürfen sie nach altem oder neuem Recht eingestuft werden.

Schlagworte zum Thema:  Gefahrstoff, Beschaffung

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