CSRD-Datenanalyse

Sozial rauf, Umwelt hält: Wohin sich die Berichtspraxis 2025 verschob

Die verbreitete Sorge lautet, dass sich die Unternehmen unter dem Druck der Regulierungsdebatte aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung zurückziehen. Über die 368 Unternehmen, die sowohl 2024 als auch 2025 berichten, zeigt sich das Gegenteil. Es gibt keinen allgemeinen Rückzug, sondern eine Verschiebung: Sozial- und Governance-Angaben werden deutlich häufiger offengelegt, die Umweltkennzahlen halten ihr Niveau.

Menschen reden miteinander

Ein Jahresvergleich über alle Berichte hinweg ist tückisch, weil sich die Stichprobe von Jahr zu Jahr ändert, andere Unternehmen, andere Größen, andere Branchen. Deshalb stützt sich dieser dritte Teil auf das Panel: 368 Unternehmen, die in beiden Berichtsjahren enthalten sind. Bei ihnen lässt sich dieselbe Firma 2024 gegen 2025 stellen. Legt sie ein Feld neu offen, zählt das als Zugewinn, fällt es weg, als Verlust. Aus der Differenz ergibt sich, wohin sich die Praxis tatsächlich bewegt, unabhängig davon, wer im jeweiligen Jahr zufällig im Sample ist.

Sozial und Governance legen deutlich zu

Auf der einen Seite steht ein klarer Aufwärtstrend. Den Gender Pay Gap legen netto 28 Unternehmen mehr offen als im Vorjahr, die Board-Diversität 24, die Unfallkennzahlen sogar 30 und die Fluktuation 14. Alle vier Bewegungen sind statistisch belastbar.

Fiegenbaum Verschiebung CSRD-Offenlegungspraxis

Das folgt der Logik der ersten verpflichtenden Berichtsrunde. Gerade die sozial- und governancebezogenen Angaben, die vorher häufig fehlten, holen auf. Die Unternehmen lernen, diese Felder zu füllen, und sie tun es firmenintern, Jahr für Jahr.

Die Umwelt hält, von Rückzug keine Spur

Auf der anderen Seite tut sich wenig. Wasser und Recycling bleiben firmenintern praktisch unverändert, die Unterschiede sind nicht signifikant. Einzig beim Abfall zeigt sich ein moderater Rückgang. Von einem breiten Rückzug bei den Umweltkennzahlen, wie ihn die Debatte gern unterstellt, ist in den Daten nichts zu sehen.

Damit ist die Entwicklung keine Schere, bei der die eine Seite steigt und die andere fällt. Es ist eine einseitige Verschiebung nach oben bei Sozial und Governance, während die Umwelt auf ihrem Niveau bleibt.

Was der Trend für die Datennutzer bedeutet

Für alle, die mit diesen Daten arbeiten, Investor:innen, Einkauf und Regulierung, ist die Richtung oft aufschlussreicher als das Niveau. Bemerkenswert ist dabei ein Zusammenhang zum ersten Teil: Gerade die sozial- und governancebezogenen Felder, die dort als Lücke auffielen, sind dieselben, die jetzt aufholen. Von Jahr zu Jahr wird der Vergleich auf der Sozial- und Governance-Seite also belastbarer, weil mehr Unternehmen dieselben Angaben machen. Die Umweltkennzahlen bleiben derweil eine bekannte Größe, weder Aufbruch noch Rückzug. Praktisch heißt das vor allem eines: Eine im Jahr 2025 fehlende Sozialangabe ist kein Indiz für einen Rückzug, der Trend zeigt klar in die andere Richtung.

Verhalten, nicht Vorschrift

Eine Einordnung zum Schluss. Gemessen ist hier das Verhalten, also was Unternehmen freiwillig oder aus Routine offenlegen. Das ist etwas anderes als die Frage, was künftig überhaupt verlangt wird. Wenn Sozial und Governance zulegen und die Umwelt hält, dann liegt das an den Unternehmen selbst, nicht an einem allgemeinen Nachlassen der Praxis. Ob das so bleibt, hängt auch davon ab, welche Angaben gefordert bleiben. Das ist eine eigene Frage, und sie sollte mit dieser nicht vermischt werden.

Zur Methodik und ihren Grenzen

Verglichen werden die 368 Unternehmen, die in beiden Berichtsjahren im Sample sind, firmenintern Feld für Feld. Die Netto-Veränderung ist die Zahl der Unternehmen, die eine Angabe neu offenlegen, minus der Zahl derer, die sie aufgeben, geprüft mit dem McNemar-Test. Belastbar sind die Bewegungen bei Unfällen, Gender Pay Gap und Board-Diversität (p kleiner als 0,01) sowie bei der Fluktuation (p kleiner als 0,05). Der Abfall-Rückgang ist nur schwach abgesichert (p kleiner als 0,10), Wasser, Recycling und Umsatz sind nicht signifikant. Und es gilt dieselbe Einschränkung wie in den ersten beiden Teilen: Absolute Niveaus sind mit Vorsicht zu lesen, belastbar ist die Richtung der Veränderung.

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