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Wenn Klimaziele Märkte machen

Die Folgen des Klimawandels werden immer öfter in Euro und Cent beziffert. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Harvard-Studie: Auch Klimaziele haben ökonomische Folgen. Sie können Lieferanten zu Innovationen bewegen und ganze Wertschöpfungsketten verändern.

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Wer hätte gedacht, dass im altehrwürdigen Handelsblatt mal ein Artikel mit der Headline „Wie können wir durch einen Urlaub zu Fuß zum Klimaschutz beitragen?“ zu lesen sein würde? Aufhänger für den Selbstversuch des Redakteurs ist der Fakt, dass der Tourismus etwa neun Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht. 

Dass Klimathemen in dieser Form Eingang in ein Wirtschaftsmedium finden, ist wohl auf den Hitzesommer zurückzuführen. Erstmals hat wohl wirklich jede und jeder im Land am eigenen Leib gespürt, was Klimawandel bedeutet. Und erstmals werden die durch Brände, unterbrochene Lieferketten, Produktivitäts- und Ernteeinbußen entstehenden wirtschaftlichen Schäden in großer Breite und Tiefe öffentlichkeitswirksam diskutiert. Die Erkenntnis setzt sich durch: Der Klimawandel ist eine ökonomische Größe. 

Zustimmungswerte sind gesunken

Okay, die Bild-Zeitung platziert immer noch Texte wie „Warum der Klimaschutz unsere Freiheit gefährdet“, aber gegen einen gewissen Irrsinn ist wohl nichts zu machen. Immerhin scheint die Mehrheit der Bevölkerung sich von derartigem Stuss nicht beeinflussen zu lassen: Laut einer aktuellen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit am GFZ machen sich  80 Prozent der Menschen in Deutschland Sorgen wegen des Klimawandels, 54 Prozent fordern mehr staatliche Ausgaben für den Klimaschutz und 56 Prozent wünschen sich weitere Maßnahmen in der Energie-, Verkehrs- und Wärmewende. Allerdings gehört zur Wahrheit auch: Diese Zustimmungswerte sind im Vorjahresvergleich gesunken. Gründe dafür sind unter anderem Sorgen ums eigene Portemonnaie und schwindendes Vertrauen in die Umsetzungskompetenz der Politik.

Anne Meisiek, Co-Autorin der Studie, sagt einen Satz, der sich wohl eins zu eins auf die Perspektive von Unternehmen übertragen lässt: „Die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen hängt auch davon ab, dass die Bürger:innen sie als praktisch umsetzbar, wirtschaftlich sinnvoll und gerecht wahrnehmen. Daher brauchen wir eine Klimapolitik, die bezahlbare Alternativen, verlässliche Infrastruktur und Versorgungssicherheit bietet, gezielt fördert sowie die Lasten fair verteilt.“ Laut Studie fehlt der Mehrheit der Befragten „das Vertrauen, dass die Bundesregierung bei der Gestaltung des nachhaltigen Wandels im Interesse der Allgemeinheit handele“. Uff.

Ein Welleneffekt kann auftreten

Welche positiven Effekte es hingegen hat, wenn Klimaziele glasklar und unmissverständlich kommuniziert werden, belegt die  Untersuchung eines Forschungsteams rund um die Wissenschaftlerin Shirley Lu von der Harvard Business School . Die Ausgangsthese: Lieferanten zögern mit emissionsmindernden Innovationen, solange nicht klar ist, ob diese überhaupt nachgefragt werden. Die wichtigste Studienerkenntnis: Wenn Unternehmen Dekarbonisierungsziele verkünden, reagieren ihre Lieferanten und in einer Art Welleneffekt auch deren Wettbewerber. 

Damit wirkt ein Klimaziel also schon, bevor es vom Unternehmen selbst erreicht ist: Es signalisiert den Lieferanten, dass künftig Nachfrage nach klimafreundlicheren Produkten und Verfahren bestehen wird. (Mit Blick darauf, was gerade in der EU und in Berlin stattfindet, liegt aber auch der Umkehrschluss nahe: Wer ein Klimaziel kassiert, nimmt Investitionssicherheit.)

Wertschöpfungsketten können verändert werden

Ein positives Beispiel findet sich in Dänemark. Dort schlossen die Reederei Maersk und European Energy im Jahr 2021 einen Vertrag über die Lieferung von grünem Kraftstoff für das weltweit erste methanolfähige Dual-Fuel-Containerschiff. Das gab den entscheidenden Schub für den Bau der laut European Energy weltweit ersten Großanlage zur Herstellung von E-Methanol. Noch bevor der erste Spatenstich erfolgte, war die geplante Produktion der Anlage bereits durch Abnahmeverträge unter anderem mit Maersk, Lego, Novo Nordisk und Circle K abgesichert. 

Im Mai 2023 startete der Bau, im Mai 2025 wurde die Anlage offiziell eröffnet . Weitere sind in Planung. Und Maersk? Die weltweit zweitgrößte Containerschiff-Reederei betreibt inzwischen mindestens 21 methanolfähige Schiffe, weitere sollen folgen.

Das Beispiel zeigt in der Praxis, was Wissenschaftlerin Lu empirisch belegt: Unternehmen können mit der Formulierung ehrgeiziger Emissionsziele ganze Wertschöpfungsketten verändern. Und das ist doch mal eine gute Nachricht.

Eine gute Woche noch, und behalten Sie die Zukunft im Blick! 

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