Deutscher Umweltpreis der DBU 2026

Deutsche Bundesstiftung Umwelt zeichnet Klimajuristin und Membranfilter-Pionier aus

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) verleiht ihren Umweltpreis in diesem Jahr an zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen wegweisende Persönlichkeiten: eine streitbare Umweltjuristin und einen innovativen Ingenieur aus dem Bereich Abwasserreinigung. Was sie verbindet, ist der Anspruch, den Umweltschutz mit konkreten, wirksamen Mitteln voranzutreiben.

Deutscher Umweltpreis DBU 2026

Zwei Preisträger, ein gemeinsames Ziel

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnet 2026 die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen und den Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul mit dem Deutschen Umweltpreis aus. Der Preis ist mit insgesamt 500.000 Euro dotiert und zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Überreicht wird er am 25. Oktober von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Festakt in Aachen. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde würdigt beide Preisträger als Persönlichkeiten, die „innovative Pionierarbeit leisten und den Umweltschutz voranbringen“.

Roda Verheyen: Recht als Instrument für Klimagerechtigkeit

Roda Verheyen, 1972 in Düsseldorf geboren und in Hamburg aufgewachsen, hat Jura in Hamburg, London und Oslo studiert und ist seit 2006 als Anwältin tätig. Ihre Schwerpunkte liegen im Umwelt- und Planungsrecht, im öffentlichen Baurecht sowie im Völkerrecht. Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt sie sich dafür ein, rechtliche Vorgaben zum Klima- und Umweltschutz konsequent durchzusetzen – auf nationaler wie internationaler Ebene.

Verheyen versteht sich nicht primär als Klägerin, sondern als „Möglichmacherin“: Sie tritt als Sachverständige auf, berät Politik und Zivilgesellschaft, erarbeitet Gesetzesinitiativen und verfasst wegweisende Klagen. Eine ihrer bekanntesten Leistungen war ihre zentrale Rolle beim Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts von 2021, in dem das Gericht ihrer Argumentation folgte, dass unzureichender Klimaschutz die Freiheitsrechte künftiger Generationen verletzt. Darüber hinaus erzielte sie einen grundlegenden Präzedenzfall zur Haftbarkeit von Emissionsverursachern für Klimafolgeschäden.

Hoher Wissenschaftsbezug von Verheyens Arbeit

Verheyens Ansatz ist ausdrücklich wissenschaftsbasiert: Die enge Verknüpfung juristischer Arbeit mit aktuellen Erkenntnissen der Klima- und Umweltforschung gilt als Markenzeichen ihrer Praxis. Als Mitgründerin und Vorständin von „Green Legal Impact“ unterstützt sie zudem zivilgesellschaftliche Gruppen dabei, das Recht effektiv für Umwelt- und Klimaschutz zu nutzen. Bonde hebt hervor, dass Verheyen nicht nur juristisch wirksam agiert, sondern komplexe Sachverhalte auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht – und damit für eine neue Generation von Umweltjuristinnen und -juristen Vorbildcharakter hat.

Klaus Vossenkaul: Von der Garage zur Großkläranlage

Dr. Klaus Vossenkaul steht für eine andere Art von Pionierarbeit: technologische Innovation im Bereich der Abwasserreinigung. 2012 gründete er gemeinsam mit Verfahrenstechnik-Ingenieur Dirk Volmering das Unternehmen Membion in einem ehemaligen Webereigebäude in Roetgen bei Aachen – buchstäblich als Garagenfirma. Heute beschäftigt das Unternehmen 40 Mitarbeitende und hat eine Technologie entwickelt, die das Potenzial hat, die Abwasserreinigung grundlegend zu verändern.

Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung der Membranbioreaktor(MBR)-Technologie. Das Ergebnis sind Hohlfasermembranfilter: etwa 1,60 Meter lange Röhrchen aus vier Kunststoffen, die mit feinsten Poren ausgestattet sind und aus Klärschlamm kristallklares Wasser filtrieren. Die Filter entfernen nicht nur Mikroplastik und Krankheitserreger, sondern auch multiresistente Keime sowie – in Kombination mit Aktivkohle – Arznei- und Kosmetikmittelrückstände. Vossenkauls entscheidende Leistung bestand darin, die ohnehin schon technisch und ökologisch überlegene MBR-Technologie so weiterzuentwickeln, dass sie nun auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig ist – unter anderem durch den patentierten „JetSplash“-Mechanismus zur energieeffizienten Membranspülung, einer von insgesamt 28 Patenten.

Marktreife und regulatorischer Rückenwind

Die Praxistauglichkeit der Membion-Technologie ist bereits belegt: Sie wird unter anderem beim weltgrößten Pommes-Produzenten McCain industriell eingesetzt und bildet das technische Herzstück der derzeit im Bau befindlichen größten deutschen Membran-Kläranlage in Wolfsburg-Stahlberg. Bonde bezeichnet die Lösung als „GreenTech made in Germany mit dem Zeug zum Exportschlager“.

Zusätzlichen Schub liefert die EU-Kommunalabwasser-Richtlinie (KARL), die bis Ende Juli 2027 für größere Kläranlagen und solche in Risikogebieten eine vierte Reinigungsstufe gegen Mikroschadstoffe vorschreibt. Von den bundesweit rund 8.700 Kläranlagen stehen damit Hunderte vor einem technologischen Umbruch – ein erhebliches Marktpotenzial, auf das Membion mit vollautomatisierter Produktion und einem modularen Baukastensystem vorbereitet ist.

Ein Preis, zwei Dimensionen des Umweltschutzes

Der Deutsche Umweltpreis der DBU wird 2026 zum 34. Mal verliehen. Die diesjährige Vergabe an Verheyen und Vossenkaul steht sinnbildlich für die Bandbreite der Ansätze, mit denen Umwelt- und Klimaschutz in der Praxis vorangebracht werden kann: durch juristische Durchsetzungsstärke auf der einen und technologische Innovationskraft auf der anderen Seite.

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Deutscher Nachhaltigkeitspreis wird europäisch – Bewerbungsfrist bis 14. September verlängert

Bewerbung für Deutschen Preis für Unternehmensengagement jetzt möglich

ICV - Péter-Horváth Green Controlling Preis 2027: Teilnahme an Ausschreibung ab sofort möglich


Schlagworte zum Thema:  Klimaschutz , Award , Umweltschutz
0 Kommentare
Sie haben noch keinen Text eingegeben.
Noch keine Kommentare - teilen Sie Ihre Sicht und starten Sie die Diskussion