Treiber des Wandels im Portrait

Benedikt Bösel – vom Investmentbanker zum Farm-Rebellen

Wie entsteht Wandel? Benedikt Bösel hat sein Leben in der Finanzwelt hinter sich gelassen, um auf dem Hof seiner Familie in Brandenburg neue Ansätze für eine nachhaltige Landwirtschaft zu entwickeln. Seinen Hof macht er zum Experimentierraum für nachhaltigen Wandel – und teilt seine Erfahrungen mit der Welt.

Treiber des Wandels - Benedikt Bösel

Benedikt hätte bleiben können, wo er war. Eine Finanz-Karriere, klare Logiken, bekannte Spielregeln. Ein Umfeld, in dem Entscheidungen kalkulierbar sind und Erfolg eindeutig messbar erscheint. Es gab keinen äußeren Anlass, diesen Weg zu verlassen.

Und doch kehrte er zurück auf den 3.000 ha großen landwirtschaftlichen Betrieb seiner Familie in Brandenburg. Nicht als Rückkehr in die Idylle, sondern als bewusste Hinwendung zu einem Ort, der Fragen stellt. Sandige Böden, wenig Wasser, ein Klima, das Fehler nicht lange verzeiht. Er übernahm die Aufgabe, mit Demut und Aufmerksamkeit herauszufinden, wo Wandel nötig ist und wo es sich lohnt an Bestehendem festzuhalten.

Benedikt Bösel zeigt, wie Wandel ganz praktisch entsteht. Er schafft reale Versuchsräume und nimmt sich zugleich die Zeit, darüber zu sprechen. Über den SPIEGEL-Bestseller „Rebellen der Erde“ und die Doku-Serie Farm Rebellion macht er seine Arbeit wirksam über den eigenen Ort hinaus.

Ein Ort, an dem gearbeitet wird

Mit Gut&Bösel entstand in Alt Madlitz kein abgeschlossenes Modell, sondern ein Raum, in dem ausprobiert wird. Böden werden aufgebaut, Systeme verändert, Zusammenhänge beobachtet. Landwirtschaft wird als lebendiges Gefüge verstanden, in dem Pflanzen, Tiere, Menschen und Zeit in Beziehung stehen.

Was diesen Ort besonders macht, ist seine Offenheit. Forschung, Praxis und Austausch greifen ineinander und mit seinem Team sucht Benedikt stetig nach neuen Erkenntnissen über die Zukunftsfähigkeit guter landwirtschaftlicher Praxis.

Über das Aushalten von Komplexität

Agroforstsysteme, Kompostwirtschaft, Weidemanagement, Waldumbau – all das gehört zu dieser Arbeit. Entscheidender ist jedoch die Haltung dahinter. Produktivität wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang. Vielfalt gilt nicht als Störgröße, sondern als Voraussetzung für Stabilität.

Natürlich hat er damit bereits ausreichend zu tun. Aber er nimmt sich auch die Zeit, um über seine Lernerfahrungen zu sprechen. Als wir beide Teil des Think Tank 30 waren, öffnete er seinen Betrieb für unsere ganze Gruppe. Nicht um zu erklären, sondern um gemeinsam zu denken. Wandel braucht Räume, in denen Ungewissheit erlaubt bleibt.

Eine prägende Spur

Inspiriert wurde Benedikt Bösel unter anderem von dem Agrarforscher Ernst Götsch, dessen Arbeit zur syntropischen Landwirtschaft sein Denken nachhaltig beeinflusst hat.

„Ernst Götsch hat mir gezeigt, dass Vielfalt stabilisiert. Systeme werden nicht widerstandsfähig, indem man sie vereinfacht, sondern indem man ihre innere Komplexität stärkt“, sagt Benedikt.

Und weiter?

Benedikt Bösel hätte bleiben können, wo er war. Dass er nun wieder in Brandenburg ist, war keine einmalige Entscheidung, sondern geht mit einer Verantwortung einher, die es für nachhaltigen Wandel braucht. Vielleicht ist genau das das Gemeinsame all jener, die positiven Wandel gestalten: Sie scheuen sich nicht vor der Verantwortung ihren Beitrag zu leisten, sie bleiben dran und sie machen all das in tiefer Verbundenheit. Verbundenheit mit ihrer Aufgabe, ihrem Wirkraum, aber auch mit Menschen, die sie stärken.

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