Peter Zens führt den Gertrudenhof in Hürth bei Köln. Eine Aufgabe, mit der er unter erheblichem Druck steht. Bis 2040 rechnet die DZ Bank mit einer Halbierung der Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe. In einer solchen Zeit,In einer solchen Zeit braucht es einen „Zukunfts-Bauer“, wie sich Peter selbst beschreibt. Damit wird bereits klar, dass es ihm um mehr geht als um die Bewirtschaftung seines eigenen Hofes.
Peter beschäftigt sich neben seiner sehr konkreten Arbeit vor Ort mit der Frage, wie Ernährungssysteme so gestaltet werden können, dass sie regional verankert sind und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig bleiben.
Landwirtschaft im Gefüge von Beziehungen
Peter Zens pflegt ein Verständnis von Landwirtschaft, das sich weniger über einzelne Maßnahmen oder Betriebsentscheidungen definiert, sondern über die Beziehungen, in denen sein Betrieb steht – und über die Strukturen, die diese Beziehungen entweder ermöglichen oder blockieren.
Die Erfahrung, dass viele gut gemeinte Ansätze an genau diesen Strukturen scheitern, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit.
Regionale Hubs als fehlendes Bindeglied
Was Peter als regionales Hub-Modell bezeichnet, bündelt landwirtschaftliche Produktion über mehrere Betriebe hinweg, organisiert erste Verarbeitungsschritte in räumlicher Nähe zu den Höfen und schafft gleichzeitig verlässliche Abnahmebeziehungen, etwa zu Großküchen, Kantinen oder kommunalen Einrichtungen, die auf konstante Mengen und planbare Qualität angewiesen sind.
Mit diesem Thema ist Peter schon lange unterwegs und gibt nicht auf, dafür zu werben. Auch wenn er immer wieder Gegenwind und Rückschläge in Kauf nimmt. Er adressiert Fragen der öffentlichen Beschaffung, die Rolle von Kommunen, Förderlogiken und politische Rahmenbedingungen und sucht Wege, um regionale Strukturen zu stärken. Mit der Idee der regionalen Hubs könnte unser Essen besser und unsere Landwirtschaft nachhaltiger werden.
Biodiversität als Verantwortung im System
Ein zentraler Teil seines Engagements zeigt sich auch in seiner Rolle als Vorstandsmitglied bei Food for Biodiversity, einer Initiative, die Unternehmen entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette zusammenbringt, um Biodiversität systematisch zu fördern.
Auf betrieblicher Ebene zeigt sich das in der Gestaltung seiner Flächen, in der Vielfalt der Kulturen und in der bewussten Integration von Strukturen, die Lebensräume schaffen und ökologische Zusammenhänge stärken. Im Großen heißt es, dass Biodiversität in Lieferketten, Beschaffungsprozessen und unternehmerischen Entscheidungen verankert wird. Gerade diese Verbindung zwischen konkreter Praxis und institutioneller Verankerung verleiht seinem Ansatz eine Tiefe, die über einzelne Maßnahmen hinausgeht.
Auch das ein Grund, warum Peter von Dr. Myriam Rapior als Treiber des Wandels vorgeschlagen wurde. Myriam sagt über ihn:
Peter Zens sprüht vor Energie. Es ist unglaublich, wie viele Dinge dieser Mensch anpackt und wie zukunftsorientiert er denkt. Er redet nicht lang daher, sondern er handelt und motiviert andere, auch ins Handeln zu kommen.
Ein Ort, der sich vielseitig stabilisiert
Auch Peters Hof selbst verändert sich ständig. Besonders während der Corona-Zeit, in der Begegnungen auf Außenräume angewiesen waren, hat sich der Gertrudenhof quasi neu erfunden. Der Gertrudenhof ist nun Erlebnisbauernhof und Bildungsort, an dem Landwirtschaft erlebbar wird, an dem Menschen zusammenkommen, feiern und einen Zugang zu dem finden, was sonst oft abstrakt bleibt. Und das schon für die Jüngsten, die hier erfahren, wo Lebensmittel herkommen und welche Zusammenhänge hinter ihnen stehen.
Was in Hürth entsteht, bleibt dadurch kein Einzelfall, sondern entwickelt sich zu einem Modell, das für andere Regionen anschlussfähig ist, weil es weniger auf spezifischen Bedingungen beruht als auf einem Prinzip, das übertragbar ist: die bewusste Verbindung von Produktion, Verarbeitung und Verteilung in einem regionalen Kontext, der sowohl ökonomisch als auch sozial trägt. Und nicht zu vergessen, der Freude am Tun und der Leidenschaft für Verbindungen.
Mer blieve Jecke! (auf hochdeutsch: wir bleiben Jecken)
Ich habe Peter vor über zehn Jahren im Ernährungsrat Köln kennengelernt. Für mich war er jemand, der anpackt und tief in der Region verwurzelt ist. Ich selbst war eher denkend und international unterwegs. Heute wirkt diese Unterscheidung deutlich weniger eindeutig, weil Peter die großen wie die kleinen Kontexte gleichermaßen prägt. Er wirkt über bundesweite Initiativen und politische Diskurse, immer natürlich mit dem sehr konkreten Hintergrund, der ihn auszeichnet. Und jeck sind wir dabei beide geblieben. Kommt einmal um die Karnevalszeit auf den Gertrudenhof, dann wisst IhrIhr, was ich meine.
Wandel entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen und beginnen, Chancen zu nutzen, das Neue erlebbar zu machen – und damit nicht aufhören, nur weil das Wetter gerade nicht das Beste ist.