„Wir müssen auf das Feuer zu rennen.“ Dieser Satz geistert mir seit Tagen im Kopf herum.
Gemeint war er von der Person, die ihn bei einer Veranstaltung äußerte, als klarer Karriere-Tipp: Künstliche Intelligenz hat enorme Potenziale und auch enorme Risiken. Doch wer sich den Potenzialen aufgrund der Risiken nicht öffnet, wird eher früher als später abgehängt. Die Entwicklung sei nicht mehr aufzuhalten und wir müssen darauf hoffen, dass sich irgendjemand da draußen um die Risiken kümmert, während wir selbst „auf das Feuer zu rennen.“
In diesem Moment leuchtete mir das total ein. Wir müssen mutig sein, übersetzte ich für mich. Wir müssen uns was Neues trauen. Genau meine Rede!
Und doch schwelte die Metapher weiter in meinem Unterbewusstsein. Wäre da ein Feuer, vielleicht das erste Feuer der Menschheitsgeschichte – eine revolutionäre Entdeckung! – würde ich darauf zu rennen? Wäre das wirklich ein guter Tipp?
Tatsächlich ist die Ausdrucksweise nämlich viel zutreffender, als möglicherweise intendiert. Die Datencenter, die wir für den Betrieb von KI benötigen, verbrauchen Unmengen an Strom. Gepaart mit einem hohen Gaspreis und kalten Temperaturen war das bspw. ein Grund, warum in den USA die Kohleverstromung 2025 wieder angestiegen ist und sich die bisher abzeichnende Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen wieder umkehrt.
Marshmallows oder Steine?
Künstliche Intelligenz heizt das Klima an. Sie ist buchstäblich brandgefährlich. Was sollen wir also tun? Wahrscheinlich genau das gleiche, was wir mit einem echten Feuer auch tun würden, oder?
Im Idealfall rennen wir schnurstracks darauf zu – und wenn wir es nicht löschen können, halten wir ausreichend große Steine bereit, um es in ein Lagerfeuer zu verwandeln! Und dann, erst dann (!) packen wir die Marshmallows aus und lassen es uns gut gehen.
Die Propheten der KI versprechen uns aktuell, dass jede:r ein paar Marshmallows wird brutzeln dürfen – wenn wir denn schnell genug gerannt sind. Doch was, wenn keiner die Steine platziert hat, bevor das Feuer außer Kontrolle geraten ist?
Niemand, der bei Verstand ist, denkt bei einem Waldbrand erstmal an die Marshmallows – außer vielleicht neoliberale Tech-Bros (& Sis).
Aber was mache ich nun selbst im Angesicht dieser Tatsachen? Klar, ich renne! Ich probiere aus. Ich lade herunter. Ich prompte und nutze und baue – unter anderem satirische Zeitungsartikel wie das Titelbild dieser Kolumne. Aber irgendwie fühlt es sich nicht ganz richtig an.
Denn wer hat eigentlich die Steine dabei? Wer sind die Menschen und Institutionen, die das Lauffeuer in ein Lagerfeuer verwandeln? Welche Möglichkeiten gibt es, um selbst ein paar Kiesel beizusteuern?
Und ihr? Seid ihr auch schon losgerannt? Wie geht es euch damit?