Studie zu betrieblichem Hitzeschutz

Europas Unternehmen unterschätzen das Hitzerisiko


Hitze am Arbeitsplatz

Eine neue Umfrage von GLS Investments und KLUG unter 22 börsennotierten Unternehmen offenbart: Trotz wachsender klimabedingter Hitzerisiken fehlt es vielen Großunternehmen an systematischem Hitzeschutz. Das Thema gewinnt als ESG-Faktor an Bedeutung – und Investoren fordern jetzt konkretes Handeln.

Hitze am Arbeitsplatz ist längst kein Randthema mehr – doch in der betrieblichen Praxis spiegelt sich diese Erkenntnis noch nicht ausreichend wider. Das zeigt eine Umfrage, die GLS Investment Management im Rahmen des europäischen Investorennetzwerks Shareholders for Change (SfC) gemeinsam mit der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) durchgeführt hat. Befragt wurden 22 börsennotierte Unternehmen aus dem Anlageuniversum der GLS, die zusammen einen Jahresumsatz von über 200 Mrd. Euro erzielen. Im Fokus standen Branchen mit besonders hoher Hitzeexposition, darunter die Energie- und Logistikwirtschaft.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Nur 43 Prozent der befragten Unternehmen erfassen die Auswirkungen von Hitze am Arbeitsplatz systematisch – etwa über anonyme Rückmeldungen zu Hitzebelastungen. Rund 30 Prozent verfügen bislang über keinerlei systematische Hitzeschutzpläne. Dabei schätzen viele Unternehmen ihre eigenen Maßnahmen als ausreichend ein – eine Selbstwahrnehmung, die laut den Studienautoren von der Realität abweicht.

Einzelmaßnahmen weit verbreitet – Systemansatz fehlt

Positiv zu vermerken ist, dass alle befragten Unternehmen nach eigenen Angaben technische und bauliche Maßnahmen zum Schutz ihrer Beschäftigten umgesetzt haben. Klimaanlagen sind dabei das am häufigsten genannte Instrument; naturbasierte Lösungen wie Fassaden- oder Dachbegrünung kommen seltener zum Einsatz. Darüber hinaus sind Maßnahmen wie die Bereitstellung von Getränken, hitzeadaptierte Kantinenangebote und flexible Arbeitszeitmodelle weit verbreitet.

Einige Vorreiterunternehmen zeigen jedoch, was strukturierter Hitzeschutz leisten kann: Sie erfassen Hitzerisiken systematisch, identifizieren vulnerable Beschäftigtengruppen – etwa ältere Mitarbeitende oder Personen mit Vorerkrankungen –, bewerten Arbeitsorte nach ihrem Hitzestress-Potenzial und überprüfen Schutzmaßnahmen kontinuierlich. Damit erfüllen sie die Anforderungen, die Arbeitsschutz- und Gesundheitsbehörden sowie internationale Institutionen an ein professionelles Hitzerisikomanagement stellen.

Hitze als unterschätzter ESG-Faktor

Die wirtschaftliche Relevanz des Themas ist erheblich. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stuft Hitze als das größte Gesundheitsrisiko der Klimakrise ein und schätzt, dass weltweit mehr als 2,4 Mrd. Erwerbstätige – über 70 Prozent der globalen Arbeitnehmerschaft – besonders stark exponiert sind.

Allein in Deutschland verursacht ein einziger Hitzetag mit Temperaturen über 30 °C Produktivitätsverluste in Höhe von geschätzt 431 Mio. Euro.

Für nachhaltig orientierte Investoren gewinnt Hitzeschutz damit als materieller ESG-Faktor an Bedeutung. Richard Buch, Senior Analyst im sozial-ökologischen Research der GLS Investments, betont: „Hitze ist nicht nur ein Gesundheits- und Klimathema, sondern betrifft auch maßgeblich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Ein systematisches Hitzerisikomanagement ist vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels unerlässlich – es schützt Menschen und stärkt Unternehmen zugleich.“

Auch Felix Bittner, Projektleiter bei KLUG, unterstreicht die strategische Dimension: „Betrieblicher Hitzeschutz ist ein zentraler Baustein einer ganzheitlichen Resilienzstrategie, die gleichzeitig Vorteile für Gesundheit, Klima, Umwelt und Wirtschaftlichkeit bietet.“

Drei Forderungen an Unternehmen

Aus der Studie leiten SfC und GLS Investments drei konkrete Anforderungen an Unternehmen ab:

  1. Hitzestress systematisch erfassen und bewerten:
    Hitzeexposition muss explizit in betriebliche Risikobewertungen integriert werden – inklusive Temperaturmonitoring und der Identifikation vulnerabler Beschäftigtengruppen.
  2. Klare Verantwortlichkeiten und wirksame Schutzmaßnahmen etablieren:
    Hitzeschutz braucht Zuständigkeiten auf Managementebene sowie strukturierte Hitzeschutzpläne, die technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen kombinieren.
  3. Beschäftigte einbeziehen, informieren und befähigen:
    Frühwarnsysteme, regelmäßige Schulungen und transparente Kommunikation sind unverzichtbar, damit Mitarbeitende bei extremer Hitze effektiv geschützt werden können.

Die Umfrageergebnisse und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen werden aktuell auf dem Jahrestreffen von Shareholders for Change diskutiert, das in diesem Jahr erstmals von der GLS Investments an ihrem Bochumer Hauptsitz ausgerichtet wird. Mit dem internationalen Heat Action Day am 2. Juni und dem nationalen Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 rückt das Thema zeitgleich verstärkt in den öffentlichen Fokus.


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