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17.10.2012 | Serie Kolumne E-Learning

Von der Massenschluckimpfung zum "Blended Learning"

Serienelemente
E-Learning-Expertin Gudrun Porath
Bild: Haufe Online Redaktion

Was tut sich auf dem E-Learning-Markt? Welche neuen Trends und Angebote gibt es? Unsere E-Learning-Expertin Gudrun Porath beleuchtet in ihrer monatlichen Kolumne das Thema "E-Learning" für Sie. Heute: Warum Präsenzseminar plus E-Learning immer noch die beste Formel ist.

Wenn Mitarbeiter sich vor allem Gedanken machen, wie sie ein Web-Based-Training (WBT) möglichst schnell absolvieren und überlisten können, dann läuft etwas schief. Verhaltensänderungen sind auch mit tausend Klicks kaum zu erreichen.

Studie zeigt Unwillen der Mitarbeiter beim E-Learning

In einer Studie stellte das Beratungsunternehmens Comteam AG aus Gmund am Tegernsee kürzlich fest, dass die Mitarbeiter deutscher Unternehmen nur widerwillig E-Learning-Programme zu Compliance- oder Corporate-Governance-Themen absolvieren. Von den befragten 450 Führungskräften mussten im letzten Jahr 60 Prozent mindestens einmal ein entsprechendes E-Learning-Programm durcharbeiten und Testaufgaben lösen.

Dabei hätte sich gezeigt, dass Ausfüllen keineswegs Anwenden bedeute: Knapp 60 Prozent der Betroffenen dächten nicht daran, ihr Verhalten gewissenhaft an sich ständig verschärfende Vorschriften anzupassen. Die Erfahrung zeige, dass Mitarbeiter spezielle Taktiken entwickelten, um mit möglichst geringem Aufwand die Anforderungen des jeweiligen E-Learning-Programms zu erfüllen und den Test mit der notwendigen Punktzahl zu bestehen.

Dass dies toleriert werde, verdeutliche die Bedeutung der Sache für die Unternehmen: E-Learning diene nur der juristischen Absicherung und Rechtfertigung im Sinne von "Wir haben unsere Mitarbeitenden ja entsprechende Programme durchlaufen lassen".

Nachhaltigkeit ist nicht nur eine Frage der spielerischen Elemente

E-Learning nach dem Prinzip "Massenschluckimpfung" ist also offensichtlich nicht wirklich wirksam. Man kann die Medizin natürlich versüßen, durch interaktive, spielerische  Elemente und Videos zum Beispiel. Dann macht es sogar Spaß, sich durch das Programm zu klicken, wie Berater Dr. Jochen Robes von HQ aus Wiesbaden feststellt. Manchmal wird man auch dafür ausgezeichnet, wenn die administrativen, technischen Prozesse im Hintergrund sehr gut laufen, wie die IMC AG, Saarbrücken, mit ihrem Brandon Hall Award in Silber für das Compliance Training bei einer Versicherung. Für nachhaltige Wirksamkeit ist das aber noch keine Lösung.

Die bringt erst ein Gesamtkonzept, ist Christian Wachter, Leiter Vertrieb bei IMC, überzeugt. Zu dem gehören vor allem Präsenzveranstaltungen. Wenn die WBTs dann auch noch interaktiv sind, um Videos und unternehmensrelevante Fallbeispiele ergänzt, umso besser. Unschlagbar aber ist die Aufwertung eines E-Learning-Kurses durch eine ansprechende Präsenzveranstaltung. Das Zauberwort heißt also nach wie vor "Blended Learning", wenn es um nachhaltige E-Learning-Angebote geht. Compliance Trainings sind da nur ein Beispiel unter vielen.

"Blended Learning" erscheint Ihnen nicht "sexy", nicht "social" oder "Gamification" genug? Niemand will diese Elemente ausschließen, aber die Wirkung einer begleitenden Präsenzveranstaltung ist dadurch nicht zu ersetzen. Immer noch.

Hinweis: Sie wollen sich einen Überblick über E-Learning-Anbieter verschaffen? Dann nutzen Sie unseren Anbietercheck E-Learning-Software.

Haufe Online Redaktion

Blended Learning, E-Learning, Software, Personalentwicklung

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