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09.03.2015 | Serie Kolumne Talent Management

Geringe Mobilität von Talenten nutzen

Serienelemente
Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Häufig gibt es Umfragen dazu, ob Arbeitnehmer für den Job umziehen würde. Oft wird dies verneint - was dann für Arbeitgeber im Fachkräftemangel als bedrohlich gilt. Doch Kolumnist Martin Claßen zerstreut die Bedenken heute. Er zeigt, wie nützlich die geringe Mobilität sein kann.

Düsseldorf – New York – Madrid – Tokyo – São Paulo – Shanghai – München. Dies sind typische Stationen eines Talents auf dem Weg vom Traineeprogramm in obere Führungsetagen.

Düsseldorf – Wanne-Eickel – Castrop-Rauxel – Oer-Erkenschwick sind Lebensorte eines weniger aufstiegsorientierten Arbeitnehmers mit derselben lokalen Herkunft.

Einsam und immer unterwegs

Bevor nun einige Wanneeickeler, Castroprauxelianer oder Oererkenschwickser ihren Kommentar zu dieser Kolumne schreiben: Ja, auch in ihrer Heimat kann man leben und lieben. Aber eben keine berufliche Karriere machen.

Immerhin sind laut einer Forsa-Befragung 49 Prozent der Deutschen bereits einmal wegen ihrer Beziehung umgezogen und nur 26 Prozent wegen des Berufs. Besonders mobil sind Männer aus norddeutschen Kleinstädten - was sollen die da auch machen? Allerdings verlässt nur jeder zehnte Deutsche die Grenzen seiner Herkunft und lebt mehr als 200 Kilometer vom Geburtsort entfernt.

Bei mir sind es übrigens exakt 367,19 Luftlinienkilometer. Wobei für mehr als zwei Drittel davon meine Eltern verantwortlich waren.

Drei Erkenntnisse für das Talent Management

Dieses Studienergebnis hat aus drei Gründen mit Talent Management zu tun. Erstens: Ein Talent von heute muss in unserer globalen Welt ultramobil sein, mit internationalem Radius und permanentem Standby. Das bedeutet Liebespech für so manches Double Career Couple". Eine Wochenendbeziehung zwischen Dubai und Mexico City ist trotz Direktflug reisetechnisch etwas aufwendig, glauben Sie mir. Whatsapp ersetzt nur bedingt "Realtouch".

Zweitens: Viele regionale Arbeitgeber können ihre Rekrutierungsaktivitäten auf einen engen Umkreis beschränken. Vermutlich gibt es in der Nähe genügend bodenständige Talente für den Eigenbedarf. Demgegenüber wäre der Aufwand in fernen Gewässern zu fischen unverhältnismäßig groß. Zumal ein dort gefangener Goldfisch mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit bald wieder durch die Maschen flutscht. Denn einmal mobil heißt oftmals für ziemlich lange Zeit unterwegs und ohne feste lokale Verankerung.

Drittens sollten sich Unternehmen gegenüber einem bislang noch dramatisch unterentwickelten Instrument im Talent Management offen zeigen: "TLC Enhancing", wobei das Akronym für "Temporary Life Companion" und damit Lebensabschnittspartner steht. Wenn es Unternehmen gelingt, an den wichtigsten Standorten auf diesem Globus einen interessanten Partnermarkt aufzubauen und ihren Talenten die Möglichkeit zur Teilnahme an Kennenlernereignissen bietet, dann wäre ihr Vorsprung auf dem Arbeitsmarkt garantiert. Man munkelt in der Szene, dass in manchen deutschen Großstädten "Ü30"-Parties von dortigen Konzernen gesponsert werden. Das glaube ich nun nicht. Etwas mehr Fantasie ist beim "TLC Enhancing" schon nötig. Wie machen Sie dies eigentlich?

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Haufe Online Redaktion

Talent Management, Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeiterbindung

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