16.11.2016 | Serie Kolumne Recruiting

Der Weg zum passenden Bewerber

Serienelemente
Henner Knabenreich, Berater und Blogger, stellt Recruiting-Trends vor. Diesmal: Mit gutem Sourcing, passender Technologie zum richtigen Bewerber.
Bild: Christof Mattes

Katzenfutter wird professioneller beworben als Arbeitsplätze, findet unser Kolumnist Henner Knabenreich – und fragt sich, warum sich viele immer noch so schwer tun beim Recruiting. Denn es gibt doch viele Wege zum passenden Bewerber. Welche das sind und wie innovative HR-Technologie den Weg ebnet.

Früher war alles ganz einfach. Man schrieb eine Stellenanzeige in der Zeitung aus und konnte sich vor Bewerbern kaum retten. Stellenanzeigen in der Zeitung sucht man mittlerweile fast schon mit der Lupe. Manche Bewerber auch. Aber ist das nun Fachkräftemangel oder doch eher Ideenmangel?

Fakt ist, der Arbeitsmarkt hat sich geändert – vom Arbeitgeber- hin zum Bewerbermarkt. Der Bewerber entscheidet, welchen Arbeitgeber er wählt. Unternehmen tun also gut daran, sich mit einem Arbeitgeberversprechen zu positionieren. Auch sonst hat sich einiges geändert: Wertevorstellungen, beispielsweise. Oder die Welt, in der wir leben. Und das Suchverhalten zukünftiger Mitarbeiter. Dass sich Arbeitgeber jetzt beim Bewerber bewerben müssen, haben bisher nur wenige Unternehmen erkannt.

Katzenfutter wird besser beworben als Arbeitsplätze

Verwunderlich ist es ja schon, dass Katzenfutter, Slip-Einlagen und WC-Reiniger professioneller und emotionaler beworben werden als die dafür erforderlichen Arbeitsplätze. Stehen doch Mitarbeiter – wenn man denn den vollmundigen Worthülsen auf Karriere-Websites Glauben schenken mag (so es denn eine gibt) – stets im Mittelpunkt und sind das wichtigste Kapital eines Unternehmens.

Und tatsächlich: Der Mitarbeiter ist das wichtigste Gut. Und dieses muss gehegt und gepflegt werden. Oder eben angelockt. Und das nicht ad hoc, sondern strategisch. Und mit ausreichend Ressourcen.

Dabei gilt es, den Bewerbern ein positives Bewerbererlebnis zu vermitteln, neudeutsch: "Candidate Experience". Dieser wertschätzende Umgang ist das A und O bei der Bewerberansprache und gilt vom Erstkontakt bis hin zur Einstellung.

Kein Weg geht vorbei an guten Stellenanzeigen und Karriere-Websites

Doch erst einmal muss der Kandidat überhaupt auf das Unternehmen aufmerksam werden. An der zielgruppenorientierten und Lust-auf-den-Job-machenden Stellenanzeige und einer auf die Bedürfnisse des Bewerbers abgestimmten Karriere-Website geht dabei kein Weg vorbei.

Aber nur auf diese Kern-Instrumente zu setzen, wäre zu wenig. Es gibt viele Wege und Mittel, die zum Kandidaten führen. Und diese werden immer mobiler. Mittlerweile werden Websites öfter über mobile als über stationäre Geräte aufgerufen.

Demzufolge geht der Weg zum Kandidaten weder an einer mobil optimierten Karriereseite noch an einer mobil optimierten Stellenanzeige vorbei.

Mobile Technologien für die Bewerberansprache: Chatten per Smoope

Apropos mobil: Sky Deutschland beispielsweise nutzt mobile Technologien für die Bewerberansprache. So chattet man dort über den Messenger Smoope mit dem Bewerber und tauscht Daten und Dokumente aus. Und was bei Sky geht, geht natürlich auch beim kleinen Mittelständler.

Auch die meistverbreitete Social-Media-App Snapchat wird mittlerweile von Unternehmen zur Kandidatenansprache genutzt. Unternehmen wie Rewe und Sixt nutzen das Tool, um Azubis auf das Unternehmen aufmerksam zu machen und in den Dialog zu treten. Ein interessanter Ansatz, mit der man insbesondere die jüngere Zielgruppe treffen kann. Hier sollte allerdings die geweckte Erwartungshaltung mit der Unternehmensrealität unbedingt übereinstimmen.

HR-Technologie für Cultural Fit und Mitarbeiterempfehlungen

Neue Technologien ermöglichen aber noch mehr. So vereinfachen Matching-Plattformen wie Talents Connect die Kandidatenauswahl, indem sie die Soft Skills des Bewerbers mit den Unternehmenswerten und/oder die im Anforderungsprofil genannten Kriterien abgleichen, Stichwort: "Cultural Fit". Schließlich geht es ja nicht um möglichst viele, sondern um die passenden Bewerber.

Einen deutlich geringeren Aufwand beim Recruiting bieten auch digitalisierte Mitarbeiterempfehlungsprogramme, wie beispielsweise Firstbird oder Talentry. Ersteres sogar in einer Freemium-Version.

Active Sourcing nutzen – und Kandidaten persönlich ansprechen

Und da die Mitarbeiterzufriedenheit in deutschen Unternehmen gemäß verschiedener Studien erschreckend niedrig ist und viele innerlich gekündigt haben, kann die Nutzung von Active-Sourcing-Technologien erfolgreich dazu genutzt werden, solche Kandidaten zu identifizieren und für eine neue Stelle zu begeistern.

Per Knopfdruck durchforstet beispielsweise Talentwunder Hunderte von Social Networks und Communities und ermittelt dank Matching-Technologie und Daten-Aggregation den passenden Mitarbeiter.

Nur die Ansprache muss der Mensch dann noch übernehmen. Da scheitert es jedoch leider oft noch an mangelnden Ideen und dem notwendigen Feingefühl.


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Henner Knabenreich ist Geschäftsführer der Knabenreich Consult GmbH. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihres Arbeitgeberauftritts. Zudem ist er Initiator von personalblogger.net und betreibt den Blog personalmarketing2null.de.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Personalmarketing, Employer Branding, Candidate Experience, HR-Software, Rekrutierung

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