04.01.2017 | Serie Kolumne Recruiting

Ausblick 2017: Und täglich grüßt das Murmeltier

Serienelemente
Henner Knabenreich, Berater und Blogger, denkt über die Zukunft des Recruiting nach. Heute zeigt er, was sich 2017 dringend ändern muss.
Bild: Christof Mattes

Auch im neuen Jahr werden es Recruiter wieder schwer haben, die passenden Kandidaten für ihre Vakanzen zu finden: Der DIHK prognostiziert 2017 einen Mangel an qualifizierten Bewerbern. Wie und warum HR und Unternehmenslenker dieses Jahr umdenken müssen, verrät Kolumnist Henner Knabenreich.

Das Jahr 2016 ist gegessen – dem ein oder anderen wird wohl trotzdem auch einige Tage nach Weihnachten noch der Weihnachtsbraten schwer im Magen liegen. Schwer im Magen liegen wird Unternehmenslenkern sowie Recruitern 2017 auch der Fachkräftemangel. Denn der wird uns zumindest medial und durch etwaige Studien und Erhebungen unterstützt auch ins neue Jahr begleiten.

DIHK-Arbeitsmarktreport: Fachkräftemangel droht auch 2017

Gerade erst wurde der DIHK-Arbeitsmarktreport 2016 veröffentlicht. Und wertet man die Schlagzeilen der einschlägig bekannten Gazetten aus, droht der Fachkräftemangel auch 2017. Klingt irgendwie ein bisschen nach "Und täglich grüßt das Murmeltier". So titelt beispielsweise die FAZ schlagzeilenträchtig "Fachkräftemangel wird zum Geschäftsrisiko" und berichtet, dass "deutsche Unternehmen immer größere Schwierigkeiten haben, ihren Bedarf an Fachkräften zu decken".

So beklagten mittlerweile "40 Prozent der Unternehmen einen Fachkräftemangel." Auch sei das Risiko, keine passenden Arbeitskräfte zu finden, deutlich gewachsen. Beinahe jeder zweite Betrieb sehe darin wiederum "eines der Hauptrisiken für seine zukünftige Geschäftstätigkeit".

Personalmarketing-Budgets erhöhen – und raus aus der Opferrolle

Starker Tobak, oder? Können also bald viele Unternehmen dicht machen? Klar, wenn sie so weitermachen wie bisher, können sie das. Vielleicht wird ja dieser zunehmende Druck endlich einmal in den Unternehmenschefetagen dazu führen, verstärkt in Personalmarketing-Budgets zu investieren. Zudem muss HR natürlich raus aus der Opferrolle. Denn wer nicht für seine Rechte (und Notwendigkeiten) kämpft, den nimmt man auch nicht ernst.

Abgesehen davon bleibt tatsächlich die Frage, ob dem immer wieder gerne medial ausgeschlachteten Thema bei den Unternehmenslenkern die notwendige Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird. Denn so wie bei "Und täglich grüßt das Murmeltier" passiert wohl wie immer das Gleiche. Oder anders gesagt: Es ändert sich nichts.

Keine Agenda ohne Digitalisierung – ein Zeichen des Wandels?

Oder vielleicht doch? Schließlich machte sich vor wenigen Jahren noch kein Mensch Gedanken um das Thema "Digitalisierung". Und allein dieses Wort hat offenbar eine überirdische Macht. Keine Agenda ohne Digitalisierung. Das Problem dabei ist nur, dass keiner so wirklich begreift, was das alles für ein Unternehmen bedeutet.

Natürlich darf auch dieses Thema im oben genannten DIHK-Arbeitsmarktreport nicht fehlen. Und so erwarten 18 Prozent "digitalisierungsbedingt einen steigenden Fachkräftemangel insbesondere bei IT und technischen Qualifikationen".

E-Recruiting, HR-Analystics & Co.: keine Option, sondern Pflicht

Dass die uns so vollkommen überraschend ereilende Digitalisierung (analog des uns vollkommen überraschend ereilenden demografischen Wandels) vor neue Herausforderungen stellt, ist klar.
Klar sollte aber auch sein, dass jeder von uns an seinen digitalen Kompetenzen arbeiten muss, um bestehen zu können. Deutschlands Vorzeige-HR-Provozierer Thomas Sattelberger unterstellt Deutschlands Personalern allerdings bislang sogar digitale Inkompetenz.

Sich mit Methoden wie Active Sourcing auseinanderzusetzen, mit Website Analytics, mit Suchmaschinenoptimierung und effizienten E-Recruiting-Systemen und vielem mehr ist also nicht nur Option, sondern Pflicht. Denn auch misslungene Bewerbungsprozesse führen dazu, dass Bewerber Ihnen ihr Hinterteil zeigen und sich einem Arbeitgeber zuwenden, der es verstanden hat, dass Bewerber keine lästigen Bittsteller sind.

Karrierewebsites ohne Job-Hinweise: Dummheit oder Ideenmangel?

Teil des Problems ist auch die mangelnde Ansprache bestimmter Berufsgruppen an sich. So beklagt beispielsweise die Logistikbranche schlagzeilenträchtig in Szene gesetzt, dass es einen Fachkräftemangel bei den Paketzustellern gäbe – und der noch steigen werde.

Abgesehen von den Hungerlöhnen, die dort gezahlt werden, ist es aber mit dem Einfallsreichtum dieser Unternehmen nicht weit her: Auf keiner der (Karriere-)Websites der großen Logistik-Dienstleister finden Sie einen Hinweis auf bestimmte Jobs. Oder wie wäre es mit einem plakativen Hinweis auf einem solchen Zusteller-Auto? Ist es Dummheit? Ideenmangel?

Ach nein, Fachkräftemangel. Wenn Unternehmen weiterhin nicht alle Hebel in Bewegung setzen und am Ideenmangel arbeiten, wird auch 2017 täglich das Murmeltier grüßen.

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Henner Knabenreich ist Geschäftsführer der Knabenreich Consult GmbH. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihres Arbeitgeberauftritts. Zudem ist er Initiator von personalblogger.net und betreibt den Blog personalmarketing2null.de.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Personalmarketing, Digitalisierung, HR-Software, Online-Recruiting, Rekrutierung

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