Sechs Ansätze für lokales Recruiting
Regionalität hat große Bedeutung für das Recruiting, denn die Bereitschaft, für einen neuen Job den Wohnort zu wechseln, ist gering. Bereits vor sechs Jahren hat das Regionalportal Meinestadt.de herausgefunden: 88 Prozent der befragten Fachkräfte suchen in einem Radius von bis zu 49 Kilometern nach einer neuen Stelle, knapp zwei Drittel davon sogar nur bis 29 Kilometer. Aktuellere Studien deuten darauf hin, dass sich an dieser Haltung nichts geändert hat. Regionale Jobbörsen spielen bei der Stellensuche eine große Rolle, bestätigt die Umfrage "Marke und Medien" von Softgarden von 2024: Über 60 Prozent der Befragten geben an, dass sie passende Jobangebote in regionalen Portalen finden.
Nun könnte man sagen, dass Menschen, die in Handwerks-, Versorgungs- und Pflegeberufen arbeiten, besonders heimatverbunden und umzugsscheu sind und dass gerade diese Personengruppen an den zitierten Umfragen teilgenommen haben. Aber nein. Für die Softgarden-Studie wurden über 5.000 Bewerberinnen und Bewerber befragt. 46 Prozent davon haben einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss.
Heimatverbundenheit ist offenbar nicht an bestimmte Berufsgruppen gekoppelt. Das bestätigt eine Umfrage von Uni Now. Die Campus-App fand Ende 2024 heraus, dass selbst bei Studierenden der Drang in die weite Welt nicht groß ist. 43 Prozent der über 7.000 Befragten sind für ihr Studium nicht umgezogen, weitere 22 Prozent haben nur innerhalb ihres Bundeslands den Wohnort gewechselt. Auch nach dem Studium planen sechs von zehn Studierenden, im gleichen Bundesland zu bleiben.
Argumente fürs Lokale
Trotz des Trends zu Remote Work sind viele Tätigkeiten weiterhin nur vor Ort möglich. Insbesondere für standortgebundene Stellen erweist sich eine lokale Recruitingstrategie als sinnvoll. Aber auch bei anderen Jobs sprechen viele Argumente für (zusätzliches) lokales Recruiting, denn die Menschen reagieren positiver auf Botschaften aus ihrer Region. Das ist sogar wissenschaftlich belegt. Darüber hinaus gilt: Unternehmen, die lokal sichtbar sind, können ihr Image als Arbeitgeber gezielt aufbauen und stärken. Das alles spricht für lokales oder regionales Recruiting – je nach Zielgruppe kombiniert mit überregionalen oder berufsspezifischen Kanälen.
Aber wie können Arbeitgeber Stellensuchende in ihrer Region ohne große Streuverluste auf sich aufmerksam machen? Die Möglichkeiten sind vielfältig. Einige Beispiele:
Regionale Jobportale und Medien
Der Klassiker für das Recruiting im Umkreis sind regionale Jobportale und Medien. Hierzu zählen Jobbörsen, die eine bestimmte Region in ihrem Namen tragen, etwa Karriere Südwestfalen oder Oberfrankenjobs.de. Es gibt auch Jobbörsen wie Regio-Jobanzeiger – ein Netzwerk von 75 regionalen Stellenmärkten, das Stellenanzeigen zusätzlich programmatisch regional über mobile Apps, Social Media, Display-Netzwerke und Partner-Jobbörsen, Fachstellenmärkte und Business Netzwerke vermarktet. Nach einem etwas anderen Prinzip arbeitet das Jobportal Jobware, das ein Netzwerk von über 500 Portalen pflegt, darunter finden sich auch viele regionale Platzhirsche. Darüber hinaus können Arbeitgeber ihre Stellenanzeige in Social Media über ausgesuchtes Targeting an passende Personen ausspielen oder auf Spotify in einer bestimmten Region zum Klingen bringen.
Gedruckte Tageszeitungen
Natürlich besteht auch weiterhin die Möglichkeit, Anzeigen in lokalen Printmedien zu schalten. Dieser Recruitingkanal sollte nicht übersehen werden, denn vor allem Stellen für Wissenschaftler aber auch Ausbildungsplätze werden häufig in Tageszeitungen gesucht. Index Research hat im vergangenen Jahr den Print-Stellenmarkt untersucht und herausgefunden, dass vor allem die Berufsgruppe Gesundheit, Medizin und Soziales in Print ausgeschrieben wird, auch Stellen in Bauwesen, Handwerk, Umwelt und Sekretariat, Office Management und Verwaltung werden relativ häufig in Printmedien inseriert. Index kam aber auch zu dem Ergebnis, dass 2024 nur noch halb so viele Stellenanzeigen in Printmedien veröffentlicht wurden als fünf Jahre zuvor.
Lokale Netzwerke
Alltagsnahe Kanäle, in denen Menschen sich über Events in ihrer Region informieren, nach Wohnungen oder neuen Bekanntschaften suchen oder getragene Kinderkleidung weiterverkaufen, können gut für lokales Recruiting genutzt werden. Ein Beispiel ist Meinestadt.de. Das Portal bietet neben Immobilien- und Kfz-Anzeigen auch einen großen Jobmarkt. Ein weiteres Beispiel ist die Nachbarschaftsplattform Nebenan.de, die nach eigenen Aussagen neue Zielgruppen "direkt im Alltag der Menschen" erreicht. Im Gegensatz zu klassisch, nach Anzeigenrubriken aufgebauten Portalen steht hier der Alltagsbezug im Vordergrund, mit Fragen nach Hundesittern und Tapezierhilfen, Tauschangeboten und Privatverkäufen. Unternehmen aus der Region können sich mit Firmenprofilen darstellen und Jobanzeigen schalten.
Jobmessen in der Region
Viele Jobmessen und Karriereevents sind regional ausgerichtet. Anbieter wie Einstieg, Jobmesse, Stuzubi oder Staufenbiel Institut organisieren über das Jahr verteilt in zahlreichen deutschen Städten Events mit unterschiedlichen Konzepten und Zielgruppen (Azubis, Hochschulabsolventen, erfahrene Fachkräfte, Frauen, Medizinberufe et cetera) an. Andere Veranstaltungen sind rein auf einen Standort festgelegt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Hochschulveranstaltungen zum Berufseinstieg nach dem Studium. Doch Jobmessen finden vornehmlich in Großstädten und an Hochschulstandorten statt. Ländliche Regionen mit hohem Personalbedarf fehlen meist auf den "Jobmessen-Tourplänen". Hier bietet es sich an, allein oder zusammen mit anderen Arbeitgebern ein eigenes Event auf die Beine zu stellen, eventuell speziell zur Azubi-Suche oder auf eine bestimmte Branche fokussiert.
Google Ads und Social Media
Ein Vorteil des World Wide Web ist, dass sich Anzeigen räumlich sehr gut eingrenzen lassen, zum Beispiel durch Ortsangabe oder Umkreis-Definition. Das ist mit Google Ads möglich, aber auch Anzeigen in Social Media können via Geotargeting auf bestimmte Standorte und Zielgruppen begrenzt werden. Wichtig ist, dass die Anzeigen auf eine professionelle Webseite mit passender Stellenanzeige weiterleiten. Bei größerem Recruiting-Volumen oder mehreren Standorten empfiehlt es sich, dies an einen professionellen Dienstleister auszulagern, der die Ausspielung der Anzeigen steuert und dafür sorgt, dass an den jeweiligen Standorten die regionalen Besonderheiten beachtet werden.
Klassische Außenwerbung
Außenwerbung in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Tankstellen oder auf Plakaten an frequentierten Plätzen kann sehr erfolgreich sein. Denn erstens wird die Bekanntheit der Arbeitgebermarke allgemein gesteigert und zweitens können Menschen, die nicht aktiv nach einer neuen Stelle suchen, angesprochen werden. Doch außer der Wahl geeigneter Standorte sind viele weitere Faktoren zu beachten, vom Design bis zur Umsetzung und Montage. Deshalb empfiehlt es sich, einen auf diese Werbeform spezialisierten Dienstleister wie Stellenpakete.de oder 1-2-3-Plakat.de zu setzen.
Damit lokales Recruiting funktioniert
Es gibt noch viele weitere Kanäle für lokales Recruiting, zum Beispiel Recruiting-Spots im Lokalradio oder -TV. Große Fernsehsender wie RTL, Pro Sieben oder Sat.1 ermöglichen es zudem, Werbespots gezielt in bestimmten Regionen auszuspielen. Darüber hinaus empfiehlt sich zum Beispiel Sport-Sponsoring sowie eine gute Pressearbeit, um auch als Unternehmensmarke in den Köpfen der Menschen in der Region präsent zu sein. Auch Mitarbeiterempfehlungsprogramme können lokal/regional konzipiert werden.
Für welche Kanäle sich ein Unternehmen entscheidet: Wichtig ist, dass es sich im Vorfeld über seine Zielgruppe im Klaren ist: Welche Menschen in der Region eignen sich für die offenen Stellen? Welche Vorlieben haben sie? Welche Events besuchen sie? Welche Netzwerke und Social Media nutzen sie? Wie wollen sie angesprochen werden und welche Bewerbungsform bevorzugen sie? Ist ein Unternehmen an mehreren Standorten tätig, gilt es, diese Fragen für jede Region separat zu beantworten, denn die regionalen Besonderheiten können sich selbst bei direkt benachbarten Städten stark voneinander unterscheiden.
Praxisbeispiele |
Social Recruiting am Standort |
Fachkräfte aus der Nachbarschaft |
Kontakte knüpfen im Pop-up-Store |
Dieser Beitrag ist erschienen in Personalmagazin 11/2025. Als Abonnent haben Sie Zugang zu diesem Beitrag und allen Artikeln dieser Ausgabe in unserem Digitalmagazin als Desktop-Applikation oder in der Personalmagazin-App.
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