04.01.2016 | Serie HR-Trends 2016

Flüchtlinge: Weichen stellen für die Integration in den Arbeitsmarkt

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Auch 2016 wird die Flüchtlingsthematik eine große Rolle spielen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Jahr 2015 war bestimmt von Schlagzeilen zur Flüchtlingskrise. Auch im kommenden Jahr warten viele Herausforderungen. Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt wird dabei eine zentrale Rolle spielen - und wird somit auch eine Aufgabe für HR werden.

Nicht ohne Grund wurde der Begriff „Flüchtlinge“ zum Wort des Jahres 2015 gewählt. Selten hat ein Thema so lange und intensiv die Schlagzeilen bestimmt wie die Flüchtlingsproblematik. Knapp eine Million Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. 2016 wird zwar ein Rückgang der Flüchtlingszahlen erwartet, die Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Die zentrale Frage dabei ist, ob und wie es gelingt die vielen Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die Hoffnung auf Fachkräfte

Viele Unternehmen haben die Hoffnung, dass die Flüchtlinge die Lösung für den oft beschworenen Fachkräftemangel sein könnten. Engpässe gibt es vor allem in den Berufsfeldern Metallerzeugung, Metallbau, Verkehr, Logistik, in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, Mechatronik sowie in der Energie- und Elektrotechnik.
Inwieweit die Flüchtlinge hier schnell Abhilfe leisten können, ist jedoch äußerst fragwürdig. So rechnen führende Wirtschaftsinstitute in ihrer Herbstprognose damit, dass 2015 lediglich 89.000 Asylsuchende Zugang zum Arbeitsmarkt finden. 2016 könnte die Zahl auf 295.000 steigen. Auch das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) geht davon aus, dass der Weg in den Arbeitsmarkt für die meisten Flüchtlinge sehr lang ist – und die Arbeitslosenzahlen zunächst steigen werden.
Diesen ernüchternden Einschätzungen schließt sich im Großen und Ganzen auch die Politik an. „Die Erwartungen, dass es Flüchtlinge nach ein bis zwei Jahren geschafft haben, ist zu hoch. Das dauert länger als wir alle erwarten“, sagt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Und auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer mahnt: „Flüchtlingsmigration kann keine qualifizierte, geregelte Zuwanderung ersetzen. Flüchtlinge können und werden unser Fachkräfteproblem allein nicht lösen.“

Engagement von Unternehmen jeglicher Größe

Unabhängig von allen Prognosen, gehen viele Unternehmen mit Initiativen zur Integration und Beschäftigung von Flüchtlingen voran. Nicht nur die großen Player wie Daimler, Siemens oder die Deutsche Bahn leisten Anschubhilfe, auch mittelständische und kleine Betriebe engagieren sich. Praktikaprogramme, Qualifizierungsmaßnahmen und Sprachkurse gehören dabei zum Angebot. Die Unternehmen sind nicht nur aus Eigennutz aktiv, sondern auch aus sozialen Motiven im Sinn einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung.

Geringe Qualifikationen und mangelnde Sprachkenntnisse

Zwei große Hindernisse für die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt sind das geringe Qualifikationsniveau und die fehlenden Sprachkenntnisse der Asylsuchenden. Noch gibt es keine repräsentativen Daten zur Qualifikation, Experten gehen jedoch davon aus, dass die berufliche Qualifikation der Flüchtlinge deutlich geringer ist als im Durschnitt der Migranten oder der einheimischen Bevölkerung. Das IAB rechnet damit, dass mehr als zwei Drittel der Asylbewerber keine abgeschlossene Ausbildung haben, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt zählt. Problematisch ist auch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, die viel Zeit in Anspruch nimmt.

Rechtlich-bürokratische Hürden

Einer Umfrage des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) zufolge nehmen zwei Drittel der HR-Manager die gesetzlichen Rahmenbedingungen als Integrationshemmnis wahr. Die Personalverantwortlichen kritisieren insbesondere die langen Wartezeiten bis zur Klärung des Aufenthaltsstatus und die schwierige Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) fordert von der Politik schnelle Klarheit über den Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge. Letztlich seien die Unternehmen nur bereit in die Aus- und Weiterbildung zu investieren, wenn nicht die Abschiebung drohe. Zudem wird von Arbeitgeberseite eine Ausweitung der staatlichen Sprachkursprogramme gefordert.

Großes Ausbildungspotenzial

Ein Faktor, der trotz all der Probleme und Unklarheiten Anlass zur Zuversicht gibt, ist das junge Alter der vielen Flüchtlinge. So ist die Hälfte der Asylsuchenden unter 34 Jahre alt, 30 Prozent sogar unter 18 Jahre. Hier besteht ein großes Ausbildungspotenzial, das ausgeschöpft werden muss. Damit die Weichen rechtzeitig gestellt werden, bedarf es einem funktionierenden Zusammenspiel zwischen Politik, Wirtschaft, Bundesagentur für Arbeit und weiteren beteiligten Akteuren.

Mehr zu den rechtlichen Voraussetzungen bei der Beschäftigung von Flüchtlingen sowie Praxisbeispiele für Unternehmensinitiativen und zur Rekrutierung von Flüchtlingen können Sie in der aktuellen Ausgabe des Personalmagazins (01/2016) lesen.

Schlagworte zum Thema:  Flüchtlinge, Arbeitsmarkt, Fachkräfte, New Work, Industrie 4.0, Digitalisierung

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