27.01.2016 | Serie HR-Trends 2016

Betriebliches Gesundheitsmanagement - was für HR 2016 gilt

Serienelemente
Mehr Geld, mehr Professionalität, mehr Technik - das sind die Trends im BGM 2016.
Bild: Haufe Online Redaktion

Drei Veränderungen bewegen das betriebliche Gesundheitsmanagement 2016: Mehr Unterstützung von den Krankenkassen durch das neue Präventionsgesetz, mehr Professionalität durch unternehmensinterne Qualitätsansprüche und mehr Technik durch Wearables und Gesundheitsplattformen.

Das 2015 verabschiedete Präventionsgesetz wird 2016 erst richtig Fahrt aufnehmen. Durch das Gesetz wurde das 5. Sozialgesetzbuch, in der die gesetzliche Krankenversicherung geregelt ist, in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung erneuert. Seit Januar 2016 stehen für Maßnahmen nun statt bisher drei Euro je Versicherten sieben Euro zur Verfügung, davon sollen mindestens zwei Euro für die betriebliche Gesundheitsförderung verwendet werden. Neben den verbesserten finanziellen Möglichkeiten sollen auch die Akteure der jeweiligen Sozialversicherungssysteme, insbesondere die der Gesundheitsförderung und des Arbeitsschutzes, enger zusammenarbeiten und dem Unternehmen effektive Maßnahmen anbieten.

Mehr Geld und neue Möglichkeiten durch das Präventionsgesetz

Die Unternehmen werden 2016 spüren, dass sowohl Krankenkassen als auch Berufsgenossenschaften verstärkt auf sie zugehen werden, um die Aktivitäten der Prävention und Gesundheitsförderung zu unterstützen. Spannend wird sein, ob diese auch die Zielgruppe der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) erreichen und ob die Krankenkassen zielführende und nutzbringende Maßnahmen im Sinne des Präventionsgesetzes und der Gestaltungsrichtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung anbieten werden.

BGM wird professioneller

Immer mehr Unternehmen bieten Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitergesundheit an, oftmals durch Unterstützung der Krankenkassen. Dabei handelt es sich aber überwiegend um Einzelmaßnahmen wie Gesundheitstage und Präventionsprogramme zu verschiedenen Themen, beispielsweise zur Rückengesundheit oder Raucherentwöhnung. Während mittlere und größere Firmen darüber hinaus auch Strukturen schaffen, Gesundheitsanalysen durchführen und -zirkel bilden, haben insgesamt nur die wenigsten Unternehmen ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt. Doch dies wird sich ändern.

Die Geschäftsführung fordert zunehmend eine Kosten-Nutzen-Darstellung der angebotenen Maßnahmen und erwartet von der Gesundheitsförderung die Senkung der Krankenstände sowie den Erhalt der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit als Beitrag zur Produktivität. Darüber hinaus wünscht man sich motivierte, engagierte und flexible Mitarbeiter und möchte als Arbeitgeber attraktiv sein, um den War for Talent zu gewinnen. Die Erreichung dieser Ziele erfordert ein Managementsystem, ein Umdenken in der Führungsarbeit sowie die Gestaltung sicherer, gesundheitsförderlicher und altersgerechter Arbeitsbedingungen.

Für das Personalmanagement kommen somit neue Aufgaben hinzu, gleichzeitig steigt die Kompetenzanforderung zur Organisation und Steuerung eines solchen Systems. Folglich müssen Unternehmen ihr Maßnahmen, sowohl ihre eigenen als auch die der durch Kassen angebotenen, hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihres Nutzens im Hinblick auf die Erreichung der Ziele überprüft werden. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Qualität im BGM sowohl in den Angeboten als auch bei den Akteuren erhöht werden muss.

Die Digitalisierung nimmt zunehmend Einfluss auf das BGM

Industrie 4.0 und  Arbeitswelt 4.0 sind Begriffe, die unsere zunehmende Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung kennzeichnen. In Sachen Gesundheit erleben wir dies durch tragbare Sensoren, in der Regel am Handgelenk in Form eines Armbandes oder einer Uhr sowie durch die Nutzung von Apps, die uns anzeigen, wie viel wir uns bewegen, wie lange wir geschlafen haben und vieles mehr. Das Smartphone wird zum Gesundheitscoach, welcher uns kontrolliert, motiviert und uns in Sachen Bewegung, Ernährung und Stress informiert und schult. Durch diese Systeme können auch im Rahmen eines BGM Mitarbeiter erreicht und auf dem Weg zu einer gesünderen Lebensführung begleitet werden.

Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitsmanagement

Gleichzeitig bieten sie auch die Möglichkeit, Mitarbeiter zur Arbeitszufriedenheit, zur Führungsbewertung oder zu den Arbeitsbedingungen zu befragen. Damit wäre es möglich, in kürzeren Abständen eine Mitarbeiterbefragung in Form eines Stimmungsbarometers durchzuführen und somit weiche Kennzahlen zu generieren. Neben diesen personenbezogenen Systemen entstehen immer mehr Gesundheitsnetzwerke, die den Unternehmen und ihren Beschäftigten ihre Leistungen über eine Onlineplattform anbieten können. Über diesen Weg können Mitarbeiter außerhalb der Arbeitszeit und in ihrer Wohnortnähe durch das Unternehmen ermöglichte Präventionsangebote in Anspruch nehmen.

2016 werden immer mehr solcher Systeme und Produkte auf den Markt kommen, die einerseits Chancen bieten, aber auch risikobehaftet sind. Obwohl Mitarbeiter in sozialen Netzwerken viele persönliche Informationen preisgeben, bestehen dennoch Ängste bzgl. der Nutzung dieser Systeme im betrieblichen Umfeld. Zudem sind solche digitalen Angebote auch generationsabhängig. Während die Generationen Y und Z mit dem Smartphone aufgewachsen sind, fällt der Babyboomer-Generation der Umgang mit diesen Systemen schwer. Hier gilt es Vertrauen zu schaffen und Mitarbeiter zum Mitmachen zu motivieren.

Autor: Oliver Walle ist Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie

 

 

Schlagworte zum Thema:  Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsmanagement, Digitalisierung, New Work, Industrie 4.0

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