30.01.2013 | Serie Kolumne Stellenmärkte

Die Bewerbung wird digital und sozial

Serienelemente
Daniela Furkel, Chefreporterin Personalmagazin
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Fachkräftemangel mischt die Stellenmärkte auf. Was sich auf dem Markt tut, beobachtet unsere Expertin Daniela Furkel. In ihrer monatlichen Kolumne bewertet sie die Trends. Heute: Der Wandel von der Bewerbungsmappe zu neuen, digitalisierten Bewerbungsformen ist mittlerweile Realität.

Liebe Arbeitgeber, wie sehen Ihre Stellenanzeigen heute aus? Mit dieser Frage meine ich nicht die Beschreibung von Aufgabengebieten und Tätigkeiten, die Präsentation Ihres Unternehmens und die Bildauswahl, die Sie für Ihre Stelleninserate wählen, sondern das, was am Ende der Inserate steht: Schreiben Sie dort "Bitte senden Sie Ihre schriftliche Bewerbung an …." oder schreiben Sie "Klicken Sie hier für Ihre Online-Bewerbung"?

Wahrscheinlich letzteres. Denn bereits vor gut einem Jahr stellte der Hightech-Verband Bitkom fest: In Deutschland wünschen mehr Arbeitgeber eine Online-Bewerbung per Internet als eine Bewerbungsmappe per Post. Damit hatte sich erstmals die Präferenz von der Online- zur Print-Bewerbung umgekehrt. Und seitdem ist die Entwicklung hin zum digitalisierten Bewerbungsprozess nicht stehengeblieben.

Die Hemmschwelle für Bewerber abbauen

Nun zeichnet sich eine weitere Entwicklung ab: Immer häufiger findet man im Business-Netzwerk Xing Stellenanzeigen, die einen Button "Interesse bekunden" tragen. Wer diesen Button anklickt, kann sein Interesse an der ausgeschriebenen Stelle ausdrücken – ohne formale Bewerbung. Der Einsteller dieses Stellenangebots erhält automatisch eine Benachrichtigung und kann Kontakt zum Kandidaten aufnehmen, wenn ihm dessen Profil ebenfalls zusagt. So erspart es sich der Bewerber zunächst, aufwändig ein Online-Bewerbungsformular auszufüllen, Unterlagen einzuscannen und hochzuladen – ohne die Gewissheit, dass er mit seinen Kenntnissen, Fähigkeiten und bisherigen Stationen wirklich für das Unternehmen passen könnte.

Der Vorteil für den Kandidaten liegt auf der Hand: Er kann im ersten Schritt der Kontaktaufnahme viel Zeit und Arbeit einsparen, nimmt doch das detaillierte Ausfüllen mancher Online-Bewerbungsformulare bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch. Manchmal dauert es sogar länger – wegen Softwarefehlern oder zusammenbrechender Internetverbindungen. Entsprechend gestaltet sich der Vorteil für das Unternehmen: Die Hürde, eine Bewerbung abzugeben, wird abgebaut. In Zeiten des Fachkräftemangels kann das ein entscheidendes Kriterium sein, um im Wettbewerb um die Talente zu bestehen. Erst wenn sich Unternehmen und Bewerber einig sind, dass sie gut zusammenpassen könnten, erfolgt die ausführliche Bewerbung.

Strukturierte Daten aus dem Business-Netzwerk

Und seit kurzem gibt es eine weitere Neuerung: Auch diese erleichtert es den Bewerbern, Kontakt zu interessanten Unternehmen aufzunehmen, aber gleichzeitig stellt sie den Unternehmen schon im ersten Schritt der Kontaktaufnahme aussagekräftige Daten für ihre Bewerbermanagement-Systeme zur Verfügung. Das US-amerikanische Business-Netzwerk Linkedin ermöglicht bereits seit 2011, dass die Anbieter von Recruiting- und Bewerbermanagement-Lösungen in ihrer Software eine automatische Übernahme von Daten aus dem Netzwerkprofil eines Kandidaten integrieren. Dessen Einverständnis natürlich vorausgesetzt. Seit Mitte 2012 ist eine solche Schnittstellenfunktion auch beim auf den deutschen Sprachraum fokussierten Business-Netzwerk Xing möglich.

Die Idee, die dahinter steckt: In einem Profil auf Xing oder Linkedin sind Daten zu Ausbildung und früheren Tätigkeiten strukturiert vorhanden. Außerdem werden diese Profile von den meisten Nutzern aktuell gehalten. Warum also sollten sich die Kandidaten stets aufs Neue die Mühe machen, die unterschiedlichen Online-Bewerbungsformulare auszufüllen, wenn sie alle Daten sowieso schon gut gegliedert und aktualisiert vorliegen haben und diese mit einem Klick in das Online-Formular überspielen können? Eine Reihe von Software-Anbietern haben diese Möglichkeit mittlerweile in ihre Bewerbermanagement-Lösungen integriert. Mehr dazu lesen Sie in der März-Ausgabe der Zeitschrift "Personalmagazin".

Wie sehen Sie die Zukunft der Personalgewinnung?

Was ich an dieser Stelle erzählen möchte: Es funktioniert wirklich! Vielleicht werden jetzt einige Unternehmen sich wundern, weshalb ich plötzlich in ihren Bewerberpools für Jungingenieure oder IT-Spezialisten auftauche. Aber es war mir wichtig, diese Möglichkeit der Bewerbung zunächst einmal auszuprobieren, bevor ich darüber schreibe. Ich habe also die Daten aus meinem Xing-Profil in einige Bewerbungsformulare übertragen lassen – ohne Probleme. Auch händisches Nacharbeiten war in den meisten Fällen unnötig. Viele Grüße an dieser Stelle auch an die Kollegen von Haufe Umantis: Nein, ich will die Stelle als "Senior Java Web Developer (m/w) - Brilliant Geek" nicht wirklich antreten. Aber vielen Dank für die Möglichkeit, das Bewerbungsformular auszuprobieren. Alles hat gut funktioniert.

Es ist wirklich beeindruckend, wie stark sich der Recruiting- und Bewerbungsprozess in den vergangenen Jahren gewandelt hat. Meiner Meinung nach ist damit aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Technisch ist noch vieles möglich. Die Frage ist nur, was sich bei Bewerbern und Unternehmen durchsetzen wird. Deshalb würde mich Ihre Meinung interessieren: Wie sehen Sie die Zukunft der Personalgewinnung?

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu dieser Kolumne? Dann schreiben Sie an

personal-kolumne@haufe.de.

Hinweis: Wenn Sie sich einen Überblick über Stellenmarkt- und Jobbörsenanbieter verschaffen wollen, nutzen Sie unseren Anbietercheck Stellenmärkte: www.anbietercheck.de/stellenmaerkte.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Stellenmarkt, Jobbörse

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