14.08.2013 | Serie Kolumne Stellenmärkte

Nach dem Urlaub beginnt die Jobsuche

Serienelemente
Daniela Furkel, Chefreporterin Personalmagazin
Bild: Haufe Online Redaktion

Recruiter müssen die aktuellen Trends auf dem Stellenmarkt kennen. Was sich dort tut, beobachtet unsere Expertin Daniela Furkel. In ihrer monatlichen Kolumne bewertet sie die Trends. Heute: Die Urlaubszeit nutzen, um das Unternehmen attraktiv für Jobsuchende zu machen.

Während die südlichen Bundesländer noch mitten im Sommerurlaub sind, gehen in anderen Bundesländern die Schulferien bereits zu Ende und viele Arbeitnehmer kehren schon wieder an ihre Arbeitsplätze zurück. Mitte September wird es dann auch im letzten Ferien-Bundesland Bayern soweit sein: Die Beschäftigen kommen nach zwei, drei oder sogar vier Wochen Urlaub zurück ins Büro und leiden unter den Arbeitsstapeln, die sich in ihrer Abwesenheit angesammelt haben. Der Erholungseffekt ist meist schon innerhalb der ersten Arbeitswoche wieder verschwunden, fand die Psychologin Jessica de Bloom heraus. Bei Frauen verpufft der Urlaubseffekt sogar noch schneller als bei Männern, so die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage.

Was bedeutet das für die Personalgewinnung? Nach dem Sommerurlaub steigt der Anteil der Personen, die sich aktiv nach einer neuen Stelle umsehen, rapide an. Das bestätigt auch Georg Larch von der Karriere-Plattform Experteer: "Den größten Schub an Anmeldungen verzeichnen wir immer direkt nach der Urlaubszeit."

Im Urlaub werden Karrierepläne geschmiedet

Für diesen Effekt sind vermutlich folgende Ursachen verantwortlich: Viele Arbeitnehmer haben im Urlaub endlich einmal Zeit nachzudenken, was sie an ihrer aktuellen Tätigkeit stört und in welche Richtung sie sich weiterentwickeln wollen. Am Strand oder im Garten lesen sie endlich wieder einmal ein Buch zum Selbstmanagement oder zur Karriereplanung und fassen den Vorsatz, sich beruflich weiterzuentwickeln. Die Rückkehr an den mit Arbeitsstapeln überhäuften Schreibtisch bestärkt diesen Vorsatz und lässt Taten wie die Anmeldung in Karriereportalen oder Business-Netzwerken und die Suche nach passenden Stellenausschreibungen folgen.

Wenn die Anzahl an Stellensuchenden Ende August und Anfang September zunimmt, sollten die Arbeitgeber natürlich dafür gewappnet sein. Diejenigen Personalabteilungen, die gerade mit Mindestbesetzungen versuchen, die alltägliche Arbeit so gut wie möglich zu bewältigen, werden momentan kaum die Kapazitäten finden, sich zusätzlich mit einer Optimierung der Personalgewinnung zu beschäftigen. Aber es gibt auch Unternehmen, bei denen in der Urlaubszeit das Tagesgeschäft ruht oder nahezu stillsteht. Diese Firmen haben nun die große Chance, Projekte wie einen Arbeitgeberauftritt in einem Business-Netzwerk anzugehen. Oder sich eingehender mit der proaktiven Mitarbeitersuche, dem so genannten "Active Sourcing", zu beschäftigen.

Immer mehr Arbeitgeber werden aktiv

Aktuelle Zahlen belegen: Die proaktive Mitarbeitersuche nimmt immer stärker zu. So berichtete das Business-Netzwerk Xing kürzlich davon, dass der Umsatz im Bereich E-Recruiting im zweiten Quartal 2013 um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen war. Wichtiger Treiber ist die Lösung "Xing-Talentmanager", die Ende 2012 auf den Markt gebracht wurde und von der seitdem mehr als 2.000 Lizenzen an Unternehmenskunden verkauft wurden. Auch das internationale Business-Netzwerk Linkedin kann mit ähnlichen Entwicklungen aufwarten. So nahm der Umsatz mit den "Talent Solutions" im zweiten Quartal 2013 um 69 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2012 zu und macht mittlerweile 56 Prozent der Erträge aus.

Auch Experteer, das im Gegensatz zu Xing und Linkedin kein Business-Netzwerk ist, sondern eine Plattform, auf der karriereorientierte Spitzenkräfte, Recruiter und Headhunter zusammenfinden, verzeichnet eine Zunahme der proaktiven Suche durch die Recruiter. "Die Anzahl der registrierten Recruiter aus Unternehmen ist die am schnellsten wachsende Zielgruppe bei uns", sagt Senior Marketing Director Georg Larch. "Mehr als 80 Prozent der bei Experteer registrierten Kandidaten wollen auch von Unternehmen angesprochen werden. Dazu haben sich in einem Jahr über 800.000 Kandidaten entschlossen, ihren Lebenslauf sichtbar zu stellen."

Gut geplantes Vorgehen nötig

Eine aktuelle Umfrage von Linkedin bestätigt den Trend zum "Active Sourcing": 37 Prozent der befragten Recruiting-Beauftragten in Deutschland sagten, dass Online-Business-Netzwerke zu den wichtigsten Quellen für hochqualifizierte Mitarbeiter zählen. Noch 2012 war dieser Kanal für weniger als ein Viertel der Personalbeschaffer relevant und musste sich klar den Online-Stellenbörsen (2012: 60 Prozent, 2013: 34 Prozent) und der eigenen Karrierewebseite (2012: 32 Prozent, 2013: 29 Prozent) geschlagen geben.

Zugegeben: Es gibt auch Studien, die besagen, dass es in der Praxis noch Schwachstellen beim Recruiting über soziale Netzwerke gibt. So reagieren Bewerber zunehmend verärgert über unqualifizierte Jobangebote über soziale Netzwerke. Aber: Die Tatsache, dass Arbeitgeber mehr Aktivität bei der Rekrutierung zeigen müssen, ist nicht zu leugnen. Dass sie ihre Aktionen geplant und überlegt durchführen sollten und dass sie bei der Ansprache von Kandidaten gewisse Regeln beachten sollten – das steht auf einem anderen Blatt. Und demnächst im Personalmagazin.

Hinweis: Wenn Sie sich einen Überblick über Stellenmarkt- und Jobbörsenanbieter verschaffen wollen, nutzen Sie den Anbietercheck Stellenmärkte: www.anbietercheck.de/stellenmaerkte.

Schlagworte zum Thema:  Stellenmarkt, Stellenanzeige, Jobsuche, Active Sourcing, Jobbörse, Recruiting

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