Gottwald/Mock, Zwangsvollst... / 3.2 Arbeits- und Dienstlöhne
 

Rz. 9

Zu den Arbeits- und Dienstlöhnen zählen alle wiederkehrenden oder einmaligen Bezüge, die als Gegenleistung für die persönlich erbrachte Arbeitsleistung gewährt werden. Maßgeblich ist in erster Linie die wirtschaftliche Abhängigkeit des Leistungserbringers, sodass es z. B. auf eine Unterscheidung zwischen Arbeitnehmer, Arbeiter oder Angestellter nicht ankommt.

 

Rz. 10

Zu Arbeits- und Dienstlöhnen zählen insbesondere:

  • Entgelte, welche bei Arbeitsunfähigkeit infolge unverschuldeter Krankheit weiter gezahlt werden (Zöller/Stöber, § 850 Rn. 6),
  • Urlaubsgeld (BAG, NJW 1966, 222),
  • Einkommen, welches nach beendetem Arbeitsverhältnis gezahlt wird, z. B. Sozialplanabfindungen nach § 112 BetrVG (BAG, NJW 1992, 1664; OLG Düsseldorf, MDR 1980, 63), gesetzliche Abfindungsansprüche nach §§ 9, 10 KSchG oder vertraglich vereinbarte Abfindungsansprüche (BAG, MDR 1980, 346 = DB 1980, 358 = NJW 1980, 800; LAG Hessen, AA 2013, 162; BAG, NZA 1997, 563 = NJW 1997, 1868 = KTS 1997, 314; BAG, ZIP 2014, 1938 = ZInsO 2014, 2038 = EBE/BAG 2014, 162 = NZI 2014, 870 = DB 2014, 2478 = MDR 2014, 1271 = DZWIR 2014, 545 = NZA 2014, 1155 = NZG 2014, 1353; BGH, Vollstreckung effektiv 2010, 145 = WM 2010, 1129 = ZInsO 2010, 1088 = ZIP 2010, 1186 = NZI 2010, 564; a. A. BFH, DZWIR 2010, 419 = ZVI 2010, 393 = BFH/NV 2010, 1856; Sächsisches FG, ZInsO 2010, 817; LG Bochum, ZInsO 2010, 1801 = ZVI 2010, 479 = VuR 2011, 24 = Verbraucherinsolvenz aktuell 2010, 93). Eine Abfindung ist eine nicht wiederkehrend zahlbare Vergütung i.S.v. § 850i ZPO (vgl. umfassend Hergenröder ZVI 2006, 173); sie wird nicht als Gegenleistung für die in einem bestimmten Zeitraum erbrachte Arbeitsleistung geleistet (BAG, NZA 1997, 563 = NJW 1997, 1868 = KTS 1997, 314).Abschlagszahlungen der kassenärztlichen Vereinigung (OLG Nürnberg, JurBüro 2002, 603),
  • Abschlagszahlungen der kassenärztlichen Vereinigung (OLG Nürnberg, JurBüro 2002, 603),
  • Bezüge von Vorstandsmitgliedern einer AG (BGH, NJW 1978, 756), Geschäftsführen einer GmbH (OLG Rostock, NJW-RR 1995, 173),
  • Entgelt in Form des Bedienungsgeldes des Kellners, das dieser für den Wirt vereinnahmt und erst nach erfolgter Abrechnung behalten darf (LG Hildesheim, BB 1963, 1117; Musielak/Becker, § 850 Rn. 5),
  • Einnahmen des Taxifahrers (LAG Düsseldorf, DB 1972, 1540),
  • Einnahmen des Auslieferungsfahrers (BAG, DB 1978, 942),
  • Gratifikationen, Gewinnanteile, Jahres- oder Saisontantiemen (Musielak/Becker, § 850 Rn. 5; zur Sparkassensonderzahlung vgl. LAG Hamm, EzTöD 130 § 18.4 TVöD-S Nr 4),
  • Einnahmen aus Lizenzverträgen für die Nutzung eines von ihm persönlich entwickelten "Produkts" (BGH, KKZ 2005, 102),
  • Werklohnforderungen des selbstständigen Schuldners gegen den Drittschuldner, wenn er ausschließlich für diesen tätig ist und die Werkleistungen zu einem wesentlichen Teil persönlich erbringt (LG Kaiserslautern, 24.6.2005 – 1 T 332/04 – Juris). Die Schutzvorschriften nach §§ 850ff. ZPO sollen auch selbständig Tätige erfassen, sofern sie fortlaufende Vergütungen für persönliche Dienste erhalten, die ihre Erwerbstätigkeit ganz oder zu einem wesentlichen Teil in Anspruch nehmen (BGH, NJW 1978, 756). Daher wird nicht darauf abgestellt, ob die Entgelte aufgrund eines freien oder abhängigen Dienstvertrages gewährt werden. Wesentlich ist vielmehr, dass es sich um wiederkehrende zahlbare Vergütungen für selbständige oder unselbständige Dienste handelt, die die Existenzgrundlage des Dienstpflichtigen bilden (BGH, NJW-RR 2004, 644; BGHZ 96, 324, 327; NJW 1978, 756; BAG, WM 1975, 503; NJW 1962, 1221),
  • Vermögenswirksame Leistungen sind nicht übertragbar und damit unpfändbar, sie bilden dennoch Bestandteile des Arbeitseinkommens (§ 2 Abs. 7 5. VermBG); das gebildete Sparguthaben hingegen ist nicht als Arbeitseinkommen voll pfändbar,
  • Lohnsteuer; vgl. Rz. 11.
 

Rz. 11

Kein Arbeitseinkommen i. S. d. Vorschrift sind:

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