Praxis-Beispiele: Abfindungen / 1 Fünftelregelung bei Zusammenballung von Einkünften
 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer mit einem laufenden Monatslohn von 3.900 EUR erhält im Oktober 2020 infolge einer vom Arbeitgeber veranlassten Auflösung des Arbeitsverhältnisses zum 31.10.2020 eine Abfindung von 27.000 EUR. Weitere Einmalbezüge wurden nicht gezahlt. Er hat die Steuerklasse I, 0,5 Kinderfreibeträge, 9 % Kirchensteuer. Der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung wird mit 0,9 % angenommen.

Wie ist die Abfindung lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtlich zu behandeln?

Lösung

Sozialversicherungsrechtlich gelten Entlassungsabfindungen nicht als Arbeitsentgelt und sind daher ohne betragsmäßige Grenzen beitragsfrei.

Die Lohnsteuer auf die Abfindung muss nach der Fünftelregelung berechnet werden, da eine Zusammenballung von Einkünften im Kalenderjahr vorliegt.

 
Zunächst ist der Jahresarbeitslohn ohne die Abfindung zu ermitteln:
Jahresarbeitslohn (3.900 EUR × 12 Monate) 46.800,00 EUR
Lohnsteuer laut Jahrestabelle 7.793,00 EUR
Die Abfindung i. H. v. 27.000 EUR wird nach der Fünftelregelung besteuert:
Jahresarbeitslohn (3.900 EUR × 12 Monate) 46.800,00 EUR
Zzgl. 1/5 von 27.000 EUR 5.400,00 EUR
Gesamt 52.200,00 EUR
Lohnsteuer laut Jahrestabelle 9.36900 EUR
Differenz der beiden Lohnsteuerbeträge (9.369 EUR – 7.793 EUR) 1.576,00 EUR
Lohnsteuer auf die Abfindung (1.576 EUR x 5) 7.880,00 EUR
Davon 5,5 % Solidaritätszuschlag 433,40 EUR
Davon 9 % Kirchensteuer 709,20 EUR

Hinweis

Bei der Berechnung bleibt unberücksichtigt, dass eine Entlassungsabfindung nicht zur Bemessungsgrundlage für die Vorsorgepauschale gehört (§ 39b Abs. 2 Satz 5 Nr. 3 EStG). Dies führt im Lohnsteuerabzugsverfahren zu einer abweichenden Lohnsteuer als oben dargestellt. Ein Ausgleich bzw. eine Überprüfung erfolgt regelmäßig im Einkommensteuer-Veranlagungsverfahren.

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