Praxis-Beispiele: Rentnerbeschäftigung

1 Altersvollrentenbezug eines Arbeitnehmers nach Vollendung der Regelaltersgrenze, Beschäftigungsbeginn vor dem 1.1.2017 ohne RV-Freiheit-Verzicht

 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer bezieht seit 1.7.2016 eine Altersvollrente nach Vollendung der Regelaltersgrenze und ist seit dem 1.9.2016 mehr als geringfügig beschäftigt. Die Beschäftigung dauert über den 31.12.2016 hinaus an. Der Arbeitnehmer verzichtet nicht auf die bestehende Rentenversicherungsfreiheit.

Wie ist die Beschäftigung versicherungs-, melde- und steuerrechtlich zu behandeln?

Lösung

Der Arbeitnehmer ist aufgrund der Beschäftigung in der Kranken- und Pflegeversicherung versicherungspflichtig.

Durch den Bezug der Altersvollrente besteht in der Krankenversicherung kein Anspruch auf Krankengeld. Der ermäßigte Beitragssatz ist anzuwenden und die Beitragsgruppe 3 anzugeben.

In der Renten- und Arbeitslosenversicherung ist die Beschäftigung versicherungsfrei, weil die Regelaltersgrenze erreicht ist. In der Rentenversicherung ist der Arbeitgeberanteil zu zahlen. In der Arbeitslosenversicherung ist der Arbeitgeberanteil in der Zeit vom 1.1.2017 bis 31.12.2021 nicht zu entrichten.

Der Arbeitgeber hatte mit Personengruppenschlüssel 119 und Beitragsgruppenschlüssel 3321 eine Abmeldung zum 31.12.2016 zu erstatten. Zum 1.1.2017 war eine Anmeldung mit dem Personengruppenschlüssel 119 und dem Beitragsgruppenschlüssel 3301 zu erstellen.

Die Versteuerung hat nach den Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) zu erfolgen. Bei Arbeitnehmern, die vor Beginn des Kalenderjahres das 64. Lebensjahr vollendet haben, ist der Altersentlastungsbetrag zu berücksichtigen. Der Altersentlastungsbetrag ist vor Anwendung der Lohnsteuertabelle vom Arbeitslohn abzuziehen. Zusätzlich ist zu beachten, dass sich aufgrund der Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung eine niedrigere Vorsorgepauschale ergibt.

2 Altersvollrentenbezug eines Arbeitnehmers nach Vollendung der Regelaltersgrenze, Beschäftigungsbeginn vor dem 1.1.2017 mit Verzicht auf RV-Freiheit

 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer bezieht seit dem 1.7.2016 eine Altersvollrente nach Vollendung der Regelaltersgrenze und ist seit dem 1.9.2016 mehr als geringfügig beschäftigt. Die Beschäftigung dauert über den 31.12.2016 hinaus an. Der Arbeitnehmer verzichtete durch eine schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber ab dem 1.1.2017 auf die bisher bestehende Rentenversicherungsfreiheit.

Wie ist die Beschäftigung versicherungs-, melde- und steuerrechtlich zu behandeln?

Lösung

Der Arbeitnehmer ist aufgrund der Beschäftigung in der Kranken- und Pflegeversicherung versicherungspflichtig. Durch den Bezug der Altersvollrente besteht in der Krankenversicherung kein Anspruch auf Krankengeld. Der ermäßigte Beitragssatz ist anzuwenden und die Beitragsgruppe 3 anzugeben. Da der Arbeitnehmer in der Rentenversicherung auf die Versicherungsfreiheit verzichtete, besteht auch hier ab dem 1.1.2017 Versicherungspflicht.

In der Arbeitslosenversicherung ist die Beschäftigung versicherungsfrei, weil die Regelaltersgrenze erreicht ist. Der Arbeitgeberanteil ist in der Zeit vom 1.1.2017 bis 31.12.2021 nicht zu entrichten.

Der Arbeitgeber hatte mit Personengruppenschlüssel 119 und Beitragsgruppenschlüssel 3321 eine Abmeldung zum 31.12.2016 zu erstatten. Zum 1.1.2017 war eine Anmeldung mit dem Personengruppenschlüssel 101 (120 ab 1.7.2017) und dem Beitragsgruppenschlüssel 3101 zu erstellen.

Die Versteuerung hat nach den Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) zu erfolgen. Bei Arbeitnehmern, die vor Beginn des Kalenderjahres das 64. Lebensjahr vollendet haben, ist der Altersentlastungsbetrag zu berücksichtigen. Der Altersentlastungsbetrag ist vor Anwendung der Lohnsteuertabelle vom Arbeitslohn abzuziehen. Da der Arbeitnehmer auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichtet, ist die Vorsorgepauschale nicht zu kürzen.

3 Altersvollrentenbezug eines Arbeitnehmers nach Vollendung der Regelaltersgrenze, Beschäftigungsbeginn ab 1.1.2017

 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer bezieht eine Altersvollrente nach Vollendung der Regelaltersgrenze und nimmt zum 1.7.2019 eine mehr als geringfügige Beschäftigung auf.

Wie ist die Beschäftigung versicherungs-, melde- und steuerrechtlich zu behandeln?

Lösung

Der Arbeitnehmer ist aufgrund der Beschäftigung in der Kranken- und Pflegeversicherung versicherungspflichtig.

Durch den Bezug der Altersvollrente besteht in der Krankenversicherung kein Anspruch auf Krankengeld. Der ermäßigte Beitragssatz ist anzuwenden und die Beitragsgruppe 3 anzugeben.

In der Renten- und Arbeitslosenversicherung ist die Beschäftigung versicherungsfrei. Jedoch ist in der Rentenversicherung der Arbeitgeberanteil zu zahlen. In der Arbeitslosenversicherung ist der Arbeitgeberanteil in der Zeit vom 1.7.2019 bis 31.12.2021 nicht zu entrichten.

Der Arbeitgeber hat eine Anmeldung zum 1.7.2019 mit Personengruppenschlüssel 119 und dem Beitragsgruppenschlüssel 3301 zu erstellen.

Der Arbeitnehmer hat die Möglichkeit trotz Erreichens der Regelaltersgrenze, auf die Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung zu verzichten. Die Erklärung ist schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber abzugeben und von diesem zu den Entgeltunterlagen zu nehmen. In diesem Fall wäre eine Anmeldung zum 1.7.2019 mit Personengruppenschlüssel 120 und dem Beitragsgruppenschlüssel 3101 zu erstellen.

Hinweis

Bei weiterbeschäftigten Altersrentnern ist zusätzlich zu beachten, dass sich aufgrund der Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung eine ...

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