Ausstellung der Lohnsteuerbescheinigung

Die Finanzverwaltung hat das Muster der Lohnsteuerbescheinigung für 2020 veröffentlicht. In vielen Fällen ist aber zunächst noch die Ausstellung der Lohnsteuerbescheinigung für 2019 vorzunehmen. Gewichtigste Änderung ist der Pflichtausweis des Großbuchstabens M.

Aufgrund der Aufzeichnungen im Lohnkonto hat der Arbeitgeber nach Abschluss des Lohnkontos der zuständigen Finanzbehörde für jeden Arbeitnehmer eine elektronische Lohnsteuerbescheinigung zu übermitteln – dies bis zum letzten Tag des Monats Februar des folgenden Jahres.

Die Verwaltung hat jetzt die Muster für 2020 bekannt gemacht ( BMF, Schreiben v. 9.9.2019, IV C 5 - S 2378/19/10002:001). Sie kommen frühestens bei ab Januar 2020 ausscheidenden Mitarbeitern zur Anwendung. Für den Jahresabschluss 2019 und die Übermittlung bis Ende Februar 2020 sind aber zunächst die Lohnbescheinigungen nach dem Muster für 2019 zu verwenden.

Sozialversicherungsbeiträge im Ausland tätiger Arbeitnehmer

Maßgebend für 2019 sind die Vorgaben des Bundesfinanzministeriums aus dem Jahr 2017 (BMF, Schreiben v. 27.9.2017, IV C 5 - S 2378/17/10001). Lediglich die Fußnote zu Textziffer 13 e) aus dem Schreiben wurde inzwischen aufgehoben. Damit sind Sozialversicherungsbeiträge, die in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen nach einem Doppelbesteuerungsabkommen stehen, generell nicht mehr im Ausdruck zu bescheinigen.

Lohnsteuerbescheinigung: Bescheinigungspflichten und Regelungen

Hinzuweisen ist aus dem im Übrigen weiter gültigen "Ausfüllerlass" insbesondere auf folgende für 2019 geltende Bescheinigungspflichten und Regelungen.

Lohnsteuerbescheinigung: Unterbrechung der Beschäftigung

Unter Nummer 2 des Ausdrucks ist in dem Feld Anzahl "U" die Anzahl der Unterbrechungszeiträume zu bescheinigen, in denen an mindestens fünf aufeinander folgenden Arbeitstagen der Anspruch auf Arbeitslohn im Wesentlichen weggefallen ist (z.B. wegen Krankheit). Nicht zu bescheinigen sind Zeiträume, in denen der Arbeitnehmer Lohnersatzleistungen im Sinne des § 41 Abs. 1 Satz 4 EStG erhalten hat (z.B. Kurzarbeitergeld oder Schlechtwettergeld).

Lohnsteuerbescheinigung: Französische Grenzgänger

Unter Nummer 2 sind die Großbuchstaben "FR" einzutragen bei französischen Grenzgängern, bei denen aufgrund einer Freistellung vom Lohnsteuerabzug abzusehen ist. Die Großbuchstaben "FR" sind um das Land zu ergänzen, in dem der Grenzgänger im Bescheinigungszeitraum zuletzt tätig war. Für Baden-Württemberg ist "FR" ohne Leerzeichen um die Ziffer 1 ("FR1"), für Rheinland-Pfalz um die Ziffer 2 ("FR2") und für das Saarland um die Ziffer 3 ("FR3") zu ergänzen (s. BMF, Schreiben v. 30.3.2017, IV B 3 - S 1301 - FRA/16/10001 :001).

Lohnsteuerbescheinigung: Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte

Nach dem Ausfüllerlass für 2019 sind unter Nummer 17 die steuerfreien Sachbezüge für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte betragsmäßig zu bescheinigen. Unter Nummer 18 sind pauschal besteuerte Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zu bescheinigen.

Aufgrund der inzwischen erfolgten gesetzlichen Änderungen, insbesondere der Einführung des steuerfreien Jobtickets, gilt ab 2020 folgende präzisierte Ausfüllregelung:

Unter Nummer 17 des Ausdrucks sind die folgenden auf die Entfernungspauschale anzurechnenden steuerfreien Zuschüsse und Sachbezüge betragsmäßig zu bescheinigen:

  • Zuschüsse des Arbeitgebers, die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn zu den Aufwendungen des Arbeitnehmers für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (und zu einem sog. Sammel- oder Treffpunkt) sowie für Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr gezahlt werden (§ 3 Nr. 15 Satz 1 EStG),
  • Sachbezüge für die unentgeltliche oder verbilligte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Linienverkehr für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (und zu einem sog. Sammel- oder Treffpunkt) sowie für Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr, die der Arbeitnehmer aufgrund seines Dienstverhältnisses zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erhält (§ 3 Nr. 15 Satz 2 EStG),
  • Sachbezüge, die im Rahmen der 44-EUR-Grenze oder des Rabattfreibetrags steuerfrei bleiben.

Unter Nummer 18 des Ausdrucks sind nur die auf die Entfernungspauschale anzurechnenden und mit 15 Prozent pauschal besteuerten Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (und zu einem sog. Sammel- oder Treffpunkt) zu bescheinigen (§ 40 Abs. 2 Satz 2 EStG). Seit Einführung des steuerfreien Jobtickets handelt es sich hier regelmäßig um Zuschüsse für Fahrten mit dem PKW.

Tipp: Nicht zu bescheinigen sind mit 25 Prozent pauschalierte Bezüge für ein Jobticket, weil diese nicht auf die Entfernungspauschale angerechnet werden. Die diesbezügliche Pauschalierungsmöglichkeit soll gesetzlich noch im Jahr 2019 im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2019 eingeführt werden (§ 40 Abs. 2 Nr. 2 EStG).

Lohnsteuerbescheinigung: Verpflegungsmehraufwand bei Auswärtstätigkeit

Unter Nummer 20 des Ausdrucks sind grundsätzlich die steuerfreien Verpflegungszuschüsse bei beruflich veranlassten Auswärtstätigkeiten zu bescheinigen. Es gilt für 2019 (und ebenso für 2020) die Kulanzregelung, dass eine Bescheinigung dieser Beträge nicht zwingend erforderlich ist, wenn das Betriebsstättenfinanzamt für die steuerfreien Verpflegungsspesen bei Auswärtstätigkeiten eine andere Aufzeichnung als im Lohnkonto zugelassen hat (Fälle mit getrennter Lohn- und Reisekostenabrechnung).

Lohnsteuerbescheinigung: Großbuchstabe M ist Pflicht 

Hat der Arbeitgeber oder auf dessen Veranlassung ein Dritter den Mitarbeitern während einer beruflichen Tätigkeit außerhalb der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte oder im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung eine mit Sachbezugswert zu bewertende Mahlzeit zur Verfügung gestellt, muss im Lohnkonto der Großbuchstabe "M" aufgezeichnet und in der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung bescheinigt werden. 

Wichtig: Die frühere Übergangsregelung ist zum 31. Dezember 2018 endgültig ausgelaufen. Der Großbuchstabe "M" ist deshalb für 2019 und 2020 zwingend zu bescheinigen.

Lohnsteuerbescheinigung: Vorsorgeaufwendungen

Bei der Bescheinigung von Zukunftssicherungsleistungen ist Folgendes zu beachten:

  • Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung für Beschäftigte nach § 172 Abs. 1 SGB VI (z.B. weiterbeschäftigte Rentner) gehören nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn; sie sind nicht als steuerfreie Arbeitgeberanteile unter Nummer 22 a) zu bescheinigen. Hat der Beschäftigte jedoch auf die Versicherungs­freiheit verzichtet, sind die Arbeitgeberanteile/-zuschüsse und Arbeitnehmeranteile nach den allgemeinen Regelungen zu bescheinigen.
  • Arbeitgeberbeiträge zur Rentenversicherung und an berufsständische Versorgungs­einrichtungen, die im Zusammenhang mit steuerfreiem Kurzarbeitergeld stehen, sind nicht zu bescheinigen.

Lohnsteuerbescheinigung: Nachträgliche Korrekturen

Stellt der Arbeitgeber bis zum Ablauf des siebten auf den Besteuerungszeitraum folgenden Kalenderjahres fest, dass die übermittelten Daten unzutreffend waren, muss er die Lohnsteuerbescheinigung grundsätzlich durch Übermittlung eines weiteren Datensatzes korrigieren oder stornieren (§ 93c Abs. 3 Satz 1 AO). Eine Änderung des Lohnsteuerabzugs ist jedoch regelmäßig nur bis zur Übermittlung der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung zulässig (§ 41c Abs. 3 Satz 1 EStG). 

Im Übrigen können Erstattungsansprüche wegen zu Unrecht einbehaltener Lohnsteuer nach Ablauf des Kalenderjahres und nach Übermittlung der Lohnsteuerbescheinigung lediglich im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung geltend gemacht werden. Wurde der Lohnsteuerabzug in zu geringer Höhe vorgenommen, hat der Arbeitgeber dies dem Betriebsstättenfinanzamt anzuzeigen (§ 41c Abs. 4 EStG).

Lohnsteuerbescheinigung: Korrektur fehlerhafter Datensätze

Eine Korrektur oder Stornierung kommt in Betracht, wenn es sich um eine bloße Berichtigung eines zunächst unrichtig übermittelten Datensatzes handelt. Eine solche Korrektur oder Stornierung unzutreffend bescheinigter Angaben bzw. Lohnsteuerdaten (z.B. einbehaltene Lohnsteuer oder einbehaltener Solidaritätszuschlag) ist der Finanzverwaltung durch Übermittlung einer berichtigten Lohnsteuerbescheinigung mitzuteilen, soweit sie nicht im Widerspruch zur maßgebenden bereits bestandskräftigen Lohnsteueranmeldung steht. Korrigierte Lohnsteuerbescheinigungen sind mit dem Merker "Korrektur" zu versehen.


Vorschriften und Muster für 2019:

BMF, Schreiben v. 27.9.2017, IV C 5-S 2378/17/10001 und Bekanntmachung v. 31.8.2018, IV C 5 - S 2378/18/10001.

Vorschriften und Muster für 2020:

BMF, Schreiben v. 9.9.2019, IV C 5 - S 2378/19/10002 :001 und Bekanntmachung v. 9.9.2019, IV C 5 - S 2378/19/10030 :001.