Was bei Homeoffice-Regelungen zu beachten ist

Die Corona-Pandemie hat viele Beschäftigte ins Homeoffice geführt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will das Recht auf mobile Arbeit nun auch gesetzlich verankern. Wie die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen bei der Vereinbarung von Homeoffice-Regelungen derzeit aussehen, wird in diesem Beitrag wie auch in einem Online-Vortrag von Dr. Peter Rambach am 29. Oktober 2020 geklärt.

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben. Damit Arbeitnehmer auch nach der Krise weiter von zuhause aus arbeiten können, hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Anfang Oktober 2020 einen ersten Gesetzentwurf für ein Recht auf Homeoffice vorgestellt. Auf Arbeitgeberseite finden die Pläne für ein gesetzlich verbrieftes Homeoffice-Recht allerdings wenig Zustimmung und auch innerhalb der Koalition ist das Gesetzesvorhaben höchst umstritten.

Homeoffice Gesetz: Bisher kein Anspruch - aber auch keine Pflicht

Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice, wie es ihn seit Juli 2015 zum Beispiel in den Niederlanden gibt, existiert in Deutschland bis zum Inkrafttreten einer speziellen gesetzlichen Regelung nicht. Zurzeit liegt die Entscheidung, ob Arbeiten im Homeoffice für Arbeitnehmer möglich ist, prinzipiell noch beim Arbeitgeber. Mitarbeiter können also grundsätzlich nicht vom Unternehmen verlangen, von zu Hause aus zu arbeiten. 

Das soll sich nach den Plänen von Arbeitsminister Heil ändern. Künftig soll es einen Rechtsanspruch auf jährlich 24 Tage mobile Arbeit oder Homeoffice geben. Bei einem gesetzlich verbrieften Rechtsanspruch auf Homeoffice müssten Unternehmen jenen Arbeitnehmern, die den Wunsch haben, von zuhause aus zu arbeiten, dies grundsätzlich auch gewähren. Eine Ablehnung wäre nur bei Vorliegen dringender betrieblicher Gründe möglich.

Arbeitgeber kritisieren Recht auf Homeoffice

Der Gesetzentwurf, der einen rechtlichen Anspruch für Arbeitnehmer auf Homeoffice vorsieht, stößt bei Arbeitgebern auf Widerstand. "Es ist grundfalsch, einen einseitigen Anspruch der Arbeitnehmer auf Homeoffice festschreiben zu wollen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber Baden-Württemberg, Peer-Michael Dick. "Selbst dort, wo Homeoffice theoretisch möglich erscheint, ist es praktisch nicht immer machbar – sei es aus Gründen der Arbeitsorganisation, der technischen Voraussetzungen oder der Vertraulichkeit, die sichergestellt sein muss", urteilte Dick. "Das alles trägt nur Unruhe in die Betriebe."

Auch innerhalb der Regierungskoalition trifft dieser Gesetzentwurf auf Widerstand. Ob es zu einer Einigung innerhalb der Koalition kommt und der Entwurf tatsächlich ins Gesetzgebungsverfahren geht, ist derzeit noch ungewiss.

Was bei der Homeoffice-Regelung zu beachten ist

Ob mit oder ohne gesetzliches Recht auf Homeoffice ist es für den Arbeitgeber wichtig, die arbeitsrechtlichen Vorgaben zu kennen und in einer Homeoffice-Regelung umzusetzen. Denn der Arbeitgeber muss darauf achten, dass Vorschriften zum Arbeitsschutz, Datenschutz oder Arbeitszeitregelungen im Homeoffice eingehalten werden, um Bußgelder zu vermeiden.

Arbeitszeitgesetz: Auch im Homeoffice gilt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Arbeitnehmer müssen daher auch bei der Arbeit von zu Hause die Regelungen zu Höchstarbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeiten sowie das Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit einhalten. Der Arbeitgeber sollte auf die Einhaltung dieser Vorschriften hinweisen und zudem ein Regelungsmodell für die Zeiterfassung finden, während die Mitarbeiter nicht im Betrieb sind. 

Arbeitsschutz: Bei einer Homeoffice-Regelung muss der Arbeitsschutz gewährleistet sein. Der Arbeitgeber muss insbesondere ermitteln, welche Arbeitsschutzmaßnahmen nötig sind und eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen. Dies beinhaltet keine Kontrollpflicht des Homeoffice-Arbeitsplatzes, erfordert aber eine genaue Befragung der Umstände sowie eine angemessene Unterweisung der Mitarbeiter auch hinsichtlich der Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung für Arbeitsmittel. Auch die arbeitsmedizinische Vorsorge (ArbMedVV) ist grundsätzlich vom Arbeitgeber einzuhalten.   

Datenschutz: Im Homeoffice bestehen hohe Anforderungen an Datensicherheit und IT-Infrastruktur. Der Arbeitgeber muss bei der Einrichtung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes für die geeigneten Datenschutzvorkehrungen sorgen. Zudem muss er gewährleisten, dass die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen während der Tätigkeit Zuhause dauerhaft vom Arbeitnehmer eingehalten werden. Dieser muss sicherstellen, dass er allein - keine Familienangehörige oder Dritte - Zugang zu PC und Mobiltelefon und damit zu vertraulichen Daten am Homeoffice-Arbeitsplatz hat. Die Datensicherheit für den Datentransfer kann beispielsweise über VPN-Verbindungen sichergestellt werden. Sichergestellt werden muss weiter, dass die Daten sicher, also über einen Server im Betrieb, gespeichert werden. (Lesen Sie dazu auch unsere News "Schutz personenbezogener Daten im Homeoffice").

Homeoffice-Vereinbarung im Arbeitsvertrag

Die konkreten Regelungen zur Arbeit am Homeoffice-Arbeitsplatz sollten im Arbeitsvertrag möglichst genau festgelegt werden. Sinnvoll sind Vereinbarungen zum zeitlichen Umfang, zur Erreichbarkeit am heimischen Arbeitsplatz oder auch zur Übertragung der Dokumentationspflicht auf den Mitarbeiter.

  • Der Arbeitgeber kann beispielsweise Vertrauensarbeit ohne detaillierte Erfassung anbieten, sodass der Arbeitnehmer die Arbeitszeit selbst gestalten kann. Es sollte dann ausdrücklich geregelt sein, dass durch selbstbestimmte Überstunden grundsätzlich keine Zahlungspflicht zu zuschlagsfähigen Arbeitszeiten, ausgelöst wird.
  • Die Verpflichtung des Arbeitgebers, die über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit zu dokumentieren, kann er in der Homeoffice-Regelung an den Mitarbeiter übertragen.
  • Ebenso bietet sich im Zusammenhang mit dem technischen Arbeitsschutz ein Verbot zur Nutzung privater Arbeitsmittel an.
  • Sinnvoll kann es sein, ein vertragliches Zutrittsrecht zu vereinbaren.

Betriebsvereinbarung Homeoffice

Bei Vorhandensein eines Betriebsrats können die Regelungen zum Homeoffice in einer Betriebsvereinbarung beschlossen werden. Eine Betriebsvereinbarung zum Thema Homeoffice kann und sollte die Rahmenbedingungen abstecken und durch individuelle Regelungen konkretisiert und ergänzt werden.

Veranstaltungstipp: Vortrag zu Homeoffice aus arbeitsrechtlicher Sicht

Wann braucht es eine klare Vereinbarung mit den Beschäftigten? Welche Aspekte müssen arbeitgeberseitig geregelt werden? Am 29. Oktober 2020 beantwortet Dr. Peter Rambach, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, von 16.00 bis 16.45 Uhr arbeitsrechtliche Fragen zum Homeoffice, zur mobilen Arbeit und zur Telearbeit. Der Vortrag mit anschließender Fragerunde findet am "Orgatec-Woche-Spezial" zum Startschuss des neuen "IBA-Forums" statt. Zur kostenlosen Teilnahme können Sie sich hier anmelden.


FAQ: Im Folgenden haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Homeoffice für Sie zusammengefasst.

Haben Arbeitnehmer ein Recht auf Homeoffice?

Ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice besteht in Deutschland aktuell noch nicht. Seit Oktober 2020 liegt jedoch ein entsprechender Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil vor, der einen Rechtsanspruch auf jährlich 24 Tage mobile Arbeit bzw. Homeoffice vorsieht.

Unter welchen Voraussetzungen können Arbeitgeber Homeoffice genehmigen?

Arbeitgeber müssen grundsätzlich darauf achten, dass auch im Homeoffice die arbeitsrechtlichen Vorgaben zum Arbeitsschutz, zum Datenschutz und zur Arbeitszeitregelung eingehalten werden. Verbindliche Homeoffice-Regelungen, die Arbeitgeber mit Arbeitnehmern vereinbaren, sind daher sinnvolle Maßnahmen. Diese können direkt im Arbeitsvertrag festgehalten werden.

Welche Feiertage gelten bei Homeoffice?

Für alle Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten, sind grundsätzlich die regulären Feiertage am Homeoffice-Arbeitsort bindend. Dies gilt auch dann, wenn sich die Feiertagsregelungen am Betriebssitz von denen am Arbeitsort unterscheiden. Laut Arbeitszeitgesetz (ArbZG) darf der Arbeitnehmer an einem Feiertag auch dann nicht am Homeoffice-Arbeitsplatz arbeiten, wenn am Betriebssitz regulär gearbeitet wird.

Wo ist Homeoffice erlaubt?

Je nachdem, worauf sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einigen, darf im heimischen Arbeitszimmer oder auch mobil gearbeitet werden. Bei der Telearbeit ist der Arbeitnehmer entweder komplett oder teilweise zu Hause am eigens eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz tätig. Mobile Arbeitnehmer, die viel unterwegs sind, haben hingegen oft wechselnde Arbeitsorte.

Homeoffice – was ist steuerlich absetzbar?

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, anfallende Kosten für das Arbeitszimmer als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend zu machen. Dies ist beispielsweise dann möglich, wenn im Betrieb kein geeigneter Arbeitsplatz vorhanden ist oder auch, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der Tätigkeit darstellt.


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