Im Home Office zurücklehnen? Klare Home-Office-Regelungen sorgen für eine entspannte Zusammenarbeit. Bild: Tim Hall

Der Softwarekonzern IBM will US-Mitarbeitern das Home Office verbieten. Auch in Deutschland erlauben viele Unternehmen kein Home Office, obwohl Mitarbeiter sich dies wünschen. Wer sich dem Wunsch annimmt, sollte einige Regeln für die Vereinbarung von Home Office beachten.

Wunsch und Wirklichkeit liegen beim Thema Home Office weit auseinander. Einfach mal morgens nicht im Stau stehen, konzentriert arbeiten, ohne mit einem Ohr die Erlebnisse des Kollegen vom Vortag mit anzuhören oder die Kinder noch sehen, bevor sie schon im Bett liegen. Gründe von zu Hause aus zu arbeiten gibt es für Mitarbeiter genug.

Was auch immer die Motivation ist: Jeder dritte Arbeitnehmer würde gern von zu Hause arbeiten, aber nur jeder zehnte tut es. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland damit beim Angebot von Home Office hinterher. Während der Anteil der Heimarbeiter in anderen Ländern, wie Frankreich oder Skandinavien ständig steigt, liegt er in Deutschland unter dem EU-Durchschnitt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Kein Anspruch auf Home Office - aber auch keine Pflicht

Die IBM-Marketing-Chefin Michelle Peluso sieht das Home Office in ihrer Abteilung aber nicht mehr gerne. Sie will 2.600 Marketing-Mitarbeiter vom Heimarbeitsplatz zurück ins Büro holen. Ihr Grund: Nur die persönliche Zusammenarbeit bringe Innovation hervor. 

Mit diesem Anspruch steht Peluso nicht alleine da. Immer noch fordern viele Unternehmen die Präsenz ihrer Mitarbeiter - einen Rechtsanspruch auf Home Office, wie es ihn seit Juli 2015 zum Beispiel in den Niederlanden gibt, existiert in Deutschland nicht. Mitarbeiter können also grundsätzlich nicht einseitig vom Unternehmen verlangen, von zu Hause aus zu arbeiten. Allerdings reicht auch das Weisungsrecht des Arbeitgebers nicht so weit, einseitig und ohne Zustimmung des Mitarbeiters auf Home Office zu pochen. Es bedarf regelmäßig des Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter.

Was bei der Home Office Regelung zu beachten ist

Bei der Arbeit am heimischen Arbeitsplatz sind grundsätzlich dieselben Regeln zu beachten wie bei der Arbeit im Betrieb. Das heißt, auch im Home Office gilt etwa das Arbeitszeitgesetz. In § 5 sieht dieses zum Beispiel vor, dass Arbeitnehmer im Grundsatz "nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben" müssen. Auch sämtlichen Dokumentationspflichten zur Arbeitszeit müssen Arbeitgeber nachkommen – ein schwieriges Unterfangen, wenn der Mitarbeiter zumindest an bestimmten Tagen nicht im Betrieb ist. Auch hinsichtlich des Daten- oder Arbeitsschutzes kann Home Office möglicherweise größere Anstrengungen für den Arbeitgeber nach sich ziehen. Ebenso bereitet beispielsweise die Unterscheidung zwischen häuslichem und Betriebsunfall größere Schwierigkeiten und ist stark von den Umständen des Einzelfalls abhängig, wie auch Rechtsanwalt Tobias Neufeld im Interview erläutert.

Home-Office-Regelung besser mit schriftlicher Home-Office-Vereinbarung

Wenn Arbeitgeber und Mitarbeiter sich einig sind, die Arbeitszeit flexibler zu gestalten, sollten konkrete Rahmenbedingungen im Vorfeld zur Arbeit am Home-Office-Arbeitsplatz getroffen werden. Vermutlich bedarf es keiner ausführlichen schriftlichen Vereinbarung, wenn Mitarbeiter vereinzelt Mails oder kurze Telefonate von zuhause führen. Sind aber feste Zeiten im Homeoffice vorgesehen, beugen klare Vereinbarungen zum Beispiel generell zum zeitlichen Umfang, zur Erreichbarkeit am heimischen Arbeitsplatz oder auch zur Übertragung der Dokumentationspflicht auf den Mitarbeiter, Konflikten vor.

Technische Voraussetzungen für Home Office müssen stimmen

Auch die technischen Voraussetzungen sollten geklärt sein. Dazu erhalten Sie hier einige Tipps für Telearbeitsplätze. Sind solche Vereinbarungen getroffen, bedeutet das aber auch, dass Arbeitgeber eine vereinbarte alternierende Telearbeit nicht ohne weiteres einseitig beenden können. Das entschied zumindest das LAG Düsseldorf, da in dem konkreten Fall das Arbeitnehmerinteresse nicht berücksichtigt und der Betriebsrat nicht beteiligt wurde. Alternierende Telearbeit besteht, wenn ein Mitarbeiter nicht ausnahmslos im Homeoffice arbeitet, sondern sich seine Arbeitsleistung zwischen dem heimischen Arbeitszimmer und dem Betrieb aufteilt.

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Mobiles Arbeiten nicht überall Trend

Studie: Mitarbeiter wünschen sich Homeoffice​​​​​​​

Schlagworte zum Thema:  Homeoffice, Telearbeit

Aktuell
Meistgelesen