Rund 22.000 Mitarbeiter des Softwareherstellers SAP dürfen künftig weitgehend entscheiden, wo sie arbeiten - im Büro, unterwegs oder im Home Office. Unternehmen und Betriebsrat haben eine entsprechende Vereinbarung ausgehandelt. Unter welchen Voraussetzungen auch andere Arbeitgeber eine Home-Office-Regelung treffen können.

Ob von zu Hause, im Café, unterwegs im Zug oder doch am Arbeitsplatz im Büro: Wo sie arbeiten, können sich SAP-Mitarbeiter künftig aussuchen - Smartphone und Laptop machen es möglich. Ihre Wünsche müssen sie nur per Mail, SMS oder Kalendereintrag mit den Führungskräften abstimmen. Für viele Arbeitnehmer in Deutschland ist mobiles Arbeiten aber noch die Ausnahme - weil es im jeweiligen Beruf nicht möglich oder Home Office im Unternehmen allgemein nicht erwünscht ist.

Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland beim Angebot von Home Office hinterher. Während der Anteil in anderen Ländern, wie Frankreich oder Skandinavien ständig steigt, liegt er in Deutschland unter dem EU-Durchschnitt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Kein Anspruch auf Home Office - aber auch keine Pflicht

Immer noch fordern viele Unternehmen die Präsenz ihrer Mitarbeiter - ein Rechtsanspruch auf Home Office, wie es ihn seit Juli 2015 zum Beispiel in den Niederlanden gibt, existiert in Deutschland nicht. Mitarbeiter können also grundsätzlich nicht einseitig vom Unternehmen verlangen, von zu Hause aus zu arbeiten. 

Allerdings reicht auch das Weisungsrecht des Arbeitgebers nicht so weit, einseitig und ohne Zustimmung des Mitarbeiters auf Home Office zu pochen. Es bedarf regelmäßig des Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter. 

Manches Unternehmen rudert hier auch wieder zurück: So hat der IT-Konzern IBM im vergangenen Jahr die Möglichkeit von Home Office für viele Mitarbeiter drastisch reduziert. Der Grund: Nur die persönliche Zusammenarbeit bringe Innovation hervor. Auch bei SAP sind "100 Prozent Mobilarbeit nicht gewollt", erklärte Personalchef Cawa Younosi.

Was bei der Home-Office-Regelung zu beachten ist

Zu jeder Zeit, von jedem Ort aus für den Job verfügbar sein, ist aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung in vielen Bereichen möglich. Dies birgt die Gefahr, dass Arbeitszeitregelungen nicht beachtet werden. Aber auch im Home Office gilt das Arbeitszeitgesetz. § 5 ArbZG sieht zum Beispiel vor, dass Arbeitnehmer im Grundsatz "nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben" müssen. Auch sämtlichen Dokumentationspflichten zur Arbeitszeit müssen Arbeitgeber nachkommen – ein schwieriges Unterfangen, wenn der Mitarbeiter zumindest an bestimmten Tagen nicht im Betrieb ist. 

Für den Arbeitgeber ist eine Home-Office-Regelung zudem meist mit größerem Aufwand verbunden, was Daten- oder Arbeitsschutz betrifft. Ebenso bereitet beispielsweise die Unterscheidung zwischen häuslichem und Betriebsunfall größere Schwierigkeiten und ist stark von den Umständen des Einzelfalls abhängig.

Home-Office-Regelung besser mit schriftlicher Home-Office-Vereinbarung

Wenn Arbeitgeber und Mitarbeiter sich einig sind, die Arbeitszeit flexibler zu gestalten, sollten im Vorfeld konkrete Rahmenbedingungen zur Arbeit am Home-Office-Arbeitsplatz getroffen werden. Vermutlich bedarf es keiner ausführlichen schriftlichen Vereinbarung, wenn Mitarbeiter vereinzelt Mails oder kurze Telefonate von zuhause führen. Sind aber feste Zeiten im Homeoffice vorgesehen, sind klare Vereinbarungen generell zum zeitlichen Umfang, zur Erreichbarkeit am heimischen Arbeitsplatz oder auch zur Übertragung der Dokumentationspflicht auf den Mitarbeiter sinnvoll, um Konflikten vorzubeugen.

Technische Voraussetzungen für Home Office müssen stimmen

Auch die technischen Voraussetzungen sollten geklärt sein. Dazu erhalten Sie hier einige Tipps für Telearbeitsplätze. Sind solche Vereinbarungen getroffen, bedeutet das aber auch, dass Arbeitgeber eine vereinbarte alternierende Telearbeit nicht ohne weiteres einseitig beenden können. Das entschied zumindest das LAG Düsseldorf, da in dem konkreten Fall das Arbeitnehmerinteresse nicht berücksichtigt und der Betriebsrat nicht beteiligt wurde. Alternierende Telearbeit besteht, wenn ein Mitarbeiter nicht ausnahmslos im Homeoffice arbeitet, sondern sich seine Arbeitsleistung zwischen dem heimischen Arbeitszimmer und dem Betrieb aufteilt.

 

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Schlagworte zum Thema:  Homeoffice, Telearbeit