Recht auf Homeoffice: Regelung im Gesetz

Zurzeit arbeiten viele Beschäftigte wegen der Corona-Pandemie im Homeoffice. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will das Recht auf Homeoffice auch gesetzlich verankern. Wie sind grundsätzlich die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen bei der Vereinbarung von Homeoffice-Regelungen? 

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben. Damit Arbeitnehmer auch nach der Krise weiter von zu Hause aus arbeiten können, hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) seine Pläne für ein Recht auf Homeoffice wieder aufgegriffen. Im Herbst will er einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen. "Man darf entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche", erklärte Heil gegenüber der Zeitung "Bild am Sonntag". Auf Arbeitgeberseite finden die Pläne auf ein gesetzlich verbrieftes Homeoffice-Recht keine Zustimmung.

Homeoffice Gesetz: Bisher kein Anspruch - aber auch keine Pflicht

Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice, wie es ihn seit Juli 2015 zum Beispiel in den Niederlanden gibt, existiert in Deutschland bisher nicht. Zurzeit liegt die Entscheidung, ob Arbeiten im Homeoffice für Arbeitnehmer möglich ist, prinzipiell beim Arbeitgeber. Mitarbeiter können also grundsätzlich nicht vom Unternehmen verlangen, von zu Hause aus zu arbeiten. 

Das soll sich nach den Plänen von Arbeitsminister Heil künftig ändern. "Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist",  erklärte er. Bei einem gesetzlich verbrieften Rechtsanspruch auf Homeoffice müssten Unternehmen jenen Arbeitnehmern, die den Wunsch haben, von zu Hause aus zu arbeiten, dies grundsätzlich auch gewähren. Eine Ablehnung müsste begründet werden.

Arbeitgeber kritisieren Recht auf Homeoffice

Die Idee, einen rechtlichen Anspruch für Arbeitnehmer auf Homeoffice einzuführen, stößt bei Arbeitgebern auf Widerstand. "Wir brauchen ein Belastungsmoratorium statt weiterer Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität beschränken.", sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter. Es sei gleichermaßen im Interesse von Arbeitgebern und Beschäftigten, mobiles Arbeiten dort einzusetzen, wo es möglich und sinnvoll sei. Dabei müssten betriebliche Belange und die Wünsche der Kunden eine zentrale Rolle spielen. Mit Homeoffice allein könne die Wirtschaft nicht am Laufen gehalten werden.

Was bei der Homeoffice-Regelung zu beachten ist

Auch ohne das Recht auf Homeoffice ist es für den Arbeitgeber wichtig, die arbeitsrechtlichen Vorgaben zu kennen und in einer Homeoffice-Regelung umzusetzen. Denn der Arbeitgeber muss darauf achten, dass Vorschriften zum Arbeitsschutz, Datenschutz oder Arbeitszeitregelungen im Homeoffice eingehalten werden, um Bußgelder zu vermeiden.

Arbeitszeitgesetz: Auch im Homeoffice gilt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Arbeitnehmer müssen daher auch bei der Arbeit von zu Hause die Regelungen zu Höchstarbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeiten sowie das Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit einhalten. Der Arbeitgeber sollte auf die Einhaltung dieser Vorschriften hinweisen und zudem ein Regelungsmodell für die Zeiterfassung finden, während die Mitarbeiter nicht im Betrieb sind. 

Arbeitsschutz: Bei einer Homeoffice-Regelung muss der Arbeitsschutz gewährleistet sein. Der Arbeitgeber muss insbesondere ermitteln, welche Arbeitsschutzmaßnahmen nötig sind und eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen. Dies beinhaltet keine Kontrollpflicht des Homeoffice-Arbeitsplatzes, erfordert aber eine genaue Befragung der Umstände sowie eine angemessene Unterweisung der Mitarbeiter auch hinsichtlich der Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung für Arbeitsmittel. Auch die arbeitsmedizinische Vorsorge (ArbMedVV) ist grundsätzlich vom Arbeitgeber einzuhalten.   

Datenschutz: Im Homeoffice bestehen hohe Anforderungen an Datensicherheit und IT-Infrastruktur. Der Arbeitgeber muss bei der Einrichtung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes für die geeigneten Datenschutzvorkehrungen sorgen. Zudem muss er gewährleisten, dass die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen während der Tätigkeit Zuhause dauerhaft vom Arbeitnehmer eingehalten werden. Dieser muss sicherstellen, dass er allein - keine Familienangehörige oder Dritte - Zugang zu PC und Mobiltelefon und damit zu vertraulichen Daten am Homeoffice-Arbeitsplatz hat. Die Datensicherheit für den Datentransfer kann beispielsweise über VPN-Verbindungen sichergestellt werden. Sichergestellt werden muss weiter, dass die Daten sicher, also über einen Server im Betrieb, gespeichert werden. (Lesen Sie dazu auch unsere News "Schutz personenbezogener Daten im Homeoffice").

Homeoffice-Vereinbarung im Arbeitsvertrag

Die konkreten Regelungen zur Arbeit am Homeoffice-Arbeitsplatz sollten im Arbeitsvertrag möglichst genau festgelegt werden. Sinnvoll sind Vereinbarungen zum zeitlichen Umfang, zur Erreichbarkeit am heimischen Arbeitsplatz oder auch zur Übertragung der Dokumentationspflicht auf den Mitarbeiter.

  • Der Arbeitgeber kann beispielsweise Vertrauensarbeit ohne detaillierte Erfassung anbieten, sodass der Arbeitnehmer die Arbeitszeit selbst gestalten kann. Es sollte dann ausdrücklich geregelt sein, dass durch selbstbestimmte Überstunden grundsätzlich keine Zahlungspflicht zu zuschlagsfähigen Arbeitszeiten, ausgelöst wird.
  • Die Verpflichtung des Arbeitgebers, die über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit zu dokumentieren, kann er in der Homeoffice-Regelung an den Mitarbeiter übertragen.
  • Ebenso bietet sich im Zusammenhang mit dem technischen Arbeitsschutz ein Verbot zur Nutzung privater Arbeitsmittel an.
  • Sinnvoll kann es sein, ein vertragliches Zutrittsrecht zu vereinbaren.

Betriebsvereinbarung Homeoffice

Bei Vorhandensein eines Betriebsrats können die Regelungen zum Homeoffice in einer Betriebsvereinbarung beschlossen werden. Eine Betriebsvereinbarung zum Thema Homeoffice kann und sollte die Rahmenbedingungen abstecken und durch individuelle Regelungen konkretisiert und ergänzt werden.


FAQ: Im Folgenden haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Homeoffice für Sie zusammengefasst.

Haben Arbeitnehmer ein Recht auf Homeoffice?

Ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice besteht in Deutschland aktuell nicht. Ob ein Arbeitnehmer von zuhause aus arbeiten darf, liegt prinzipiell in der Entscheidung des Arbeitgebers. In manchen Fällen regelt dies bereits ein Tarifvertrag oder eine entsprechende Betriebsvereinbarung.

Unter welchen Voraussetzungen können Arbeitgeber Homeoffice genehmigen?

Arbeitgeber müssen grundsätzlich darauf achten, dass auch im Homeoffice die arbeitsrechtlichen Vorgaben zum Arbeitsschutz, zum Datenschutz und zur Arbeitszeitregelung eingehalten werden. Verbindliche Homeoffice-Regelungen, die Arbeitgeber mit Arbeitnehmern vereinbaren, sind daher sinnvolle Maßnahmen. Diese können direkt im Arbeitsvertrag festgehalten werden.

Welche Feiertage gelten bei Homeoffice?

Für alle Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten, sind grundsätzlich die regulären Feiertage am Homeoffice-Arbeitsort bindend. Dies gilt auch dann, wenn sich die Feiertagsregelungen am Betriebssitz von denen am Arbeitsort unterscheiden. Laut Arbeitszeitgesetz (ArbZG) darf der Arbeitnehmer an einem Feiertag auch dann nicht am Homeoffice-Arbeitsplatz arbeiten, wenn am Betriebssitz regulär gearbeitet wird.

Wo ist Homeoffice erlaubt?

Je nachdem, worauf sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einigen, darf im heimischen Arbeitszimmer oder auch mobil gearbeitet werden. Bei der Telearbeit ist der Arbeitnehmer entweder komplett oder teilweise zu Hause am eigens eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz tätig. Mobile Arbeitnehmer, die viel unterwegs sind, haben hingegen oft wechselnde Arbeitsorte.

Homeoffice – was ist steuerlich absetzbar?

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, anfallende Kosten für das Arbeitszimmer als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend zu machen. Dies ist beispielsweise dann möglich, wenn im Betrieb kein geeigneter Arbeitsplatz vorhanden ist oder auch, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der Tätigkeit darstellt.


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