Rekommunalisierung: Berlin kauft Tausende Wohnungen zurück

5.894 ehemalige Sozialwohnungen hat Berlin vom Immobilienkonzern Ado Properties zurück gekauft. 920 Millionen Euro zahlt die kommunale Gesellschaft Gewobag nach eigenen Angaben für das Paket. Zuschüsse vom Land gebe es nicht.

Der Berliner Senator für Finanzen, Dr. Matthias Kollatz (SPD), zeigte sich erfreut, dass die Gewobag durch den "Erwerb zugunsten der öffentlichen Hand auch ohne öffentliche Mittel auskommt". Selektiver Zukauf ergebe insbesondere dort Sinn, wo Sozialwohnungen bestehen oder bestanden und dauerhaft Wohnen zu preiswerten Mieten gesichert werden könne.

Gewobag zahlt 920 Millionen Euro für das Berlin-Portfolio: Ado hatte es für 375 Millionen Euro gekauft

Die von der Gewobag nun vertraglich gesicherten insgesamt 23 Immobilien befinden sich in zwei großen Quartieren in Spandau und Reinickendorf und stammen laut Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) aus dem Bestand der GSW, einem Unternehmen, das seit 2013 zur Deutsche Wohnen Gruppe gehört. Die 5.894 Wohnungen wurden von der GSW in den 1960 bis 1990er Jahren im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus gebaut.

"Mit dem Erwerb von knapp 6.000 Wohneinheiten schließen wir heute den größten Rekommunalisierungs-Ankauf in der Geschichte Berlins ab." Katrin Lompscher (Linke), Stadtentwicklungssenatorin von Berlin

Die Fehler, die in der Vergangenheit mit dem Verkauf gemacht wurden, könnten nicht rückgängig gemacht werden, so Lompscher, nun gebe es aber wieder Sicherheit für die Mieter, die sie durch die zwischenzeitliche Privatisierung verloren hatten, so die Senatorin. Denn Ado hatte das Berlin-Portfolio im Jahr 2015 für damals 375 Millionen Euro von der GSW gekauft. Gewobag zahlt nach eigenen Angaben 920 Millionen Euro.

Gewobag kündigt weiteres Wachstum an

Aktuell verfügt die Gewobag über zirka 14.000 Wohnungen in Spandau und etwa 6.000 in Reinickendorf. Die Übernahme der ehemaligen GSW-Wohnungen ist für Anfang Dezember geplant. Der Kaufvertrag umfasst zudem 70 Gewerbeeinheiten. Laut Gewobag-Vorstand Markus Terboven sind dann rund 68.000 Wohnungen im Bestand. Das Ziel sei, den Bestand in den kommenden zehn Jahren auf mehr als 80.000 Wohnungen zu vergrößern. Unter anderem durch rund 12.000 neu zu bauende Einheiten, von denen ein Teil zum Beispiel in Kooperation mit der Bremer Interhomes AG entsteht: Rund 600 neue Wohneinheiten werden die Partner ab dem Jahr 2022 mit einem neuen Projekt in Berlin-Pankow realisieren. Die Gewobag erhält rund 300 Wohnungen, von denen 60 Prozent gefördert sind.

"Die Investition der Gewobag ist für das Land ein Gewinn. Gleichzeitig werden wir weiter neue Wohnungen bauen und den Mietendeckel rechtssicher machen. Unsere Strategie 'Bauen, Kaufen, Deckeln" zeigt Wirkung." Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin

Mitte Juli hatte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag bereits rund 670 Wohnungen an der Berliner Karl-Marx-Allee zurück gekauft. Verkäuferin war die private Immobilienfirma Predac. Ein Kaufpreis wurde damals nicht genannt. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hatte die Rekommunalisierung der Karl-Marx-Allee-Wohnungen wegen des Preises und eines Landeszuschusses kritisiert, weil das Geld dann dem Wohnungsneubau fehle. Man könne jeden Euro nur einmal ausgeben, sagte BBU-Vorstand Maren Kern.

Adler Real Estate übernimmt deutsche Ado

Ado Properties hat nach eigenen Angaben einen Immobilienbestand von knapp 24.000 Wohnungen in Berlin. Die israelische Muttergesellschaft, die Ado Group, wird derzeit von der deutschen Immobiliengesellschaft Adler Real Estate übernommen. Bei erfolgreichem Abschluss der Transaktion würde diese 33 Prozent an der deutschen Ado halten.


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