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Die schematische Darstellung zeigt, dass sich der Eisspeicher neben dem Gebäude befindet Bild: Viessmann

Noch liegen nicht bei allen installierten Eis-Energiespeicheranlagen Zahlen zu den Einsparungen gegenüber herkömmlichen Energieversorgungen vor. Viele Wohnungsunternehmen stützen sich daher noch auf Planzahlen. In Hamburg belegt ein Vorzeigeprojekt allerdings den Erfolg der innovativen Technologie.

Genauere Angaben gibt es beim größten und bekanntesten Eisspeicherprojekt in der Wohnungswirtschaft, das die Eisenbahnbauverein Harburg eG (EBV Harburg) vor einigen Jahren in Hamburg fertigstellte und das rund 500 Bestandswohnungen aus den 1950er Jahren mit Wärme versorgt.

Kostensenkungen um 80 Prozent

Nach Angaben von Bernd Schwarzfeld, der das Projekt geplant hat, konnten Betriebskosten und Emissionen um 80 Prozent gesenkt werden. Damit betrugen die monatlichen Betriebskosten laut Joachim Bode, Vorstand des EBV Harburg, durchschnittlich monatlich 0,65 Euro pro Quadratmeter (2014), 0,69 Euro pro Quadratmeter (2015) und 0,53 Euro pro Quadratmeter (2016).

Den Betrieb der Anlage bezeichnet Bode als „zufriedenstellend“. Zwar habe die Wartungsfirma Probleme mit dem Ammoniak, das als Treibmittel in der Wärmepumpe verwendet wird; diese Probleme seien aber beherrschbar.

Die Kombination macht‘s

Dr. Ingrid Vogler, Referatsleiterin Energie, Technik, Normung beim GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V., weist in diesem Zusammenhang auf eine besondere Herausforderung hin. Diese besteht in ihren Augen „in der Koordination der verschiedenen Wärmeerzeuger, also in der Steuerung: Je nach Zustand des Gesamtsystems müssen die einzelnen Bestandteile Solarthermie, Wärmepumpe, Eisspeicher und Brennwerttherme anteilig arbeiten.“

Gar nicht gut funktioniert das beim Projekt der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/

Wohnstadt auf dem Frankfurter Riedberg. „Der Eisspeicher ist in der Theorie eine sicher innovative und sinnvolle Komponente“, sagt Unternehmenssprecher Jens Duffner. Schwierig sei aber das „Zusammenspiel mit anderen Komponenten wie zum Beispiel den Absorbern“. Das Gebäude sei „ein sehr komplexes Gesamtsystem, dessen Aussteuerung schwierig ist“. Dies bedinge einen hohen Aufwand in der technischen Betreuung. Da es das Ziel des Unternehmens sei, Gebäude zu bauen, „die einem hohen Energiestandard entsprechen, aber gleichzeitig ohne erhöhten Aufwand zu betreiben sind“, sehe man „im Moment davon ab, die Eisspeichertechnologie in weiteren Gebäuden zu installieren“.

Je größer, desto günstiger

Vollauf überzeugt von der Technologie ist hingegen Bernd Schwarzfeld vom Büro Ökoplan. Der Eisspeicher erlaube es der Wohnungswirtschaft, die Energiewende in die eigenen Hände zu nehmen, argumentiert er. Dabei eigne sich die Technologie sowohl für den Neubau als auch für den Bestand – und zwar besonders dort, wo mehrere Gebäude oder ganze Quartiere damit ausgestattet würden.

„Je größer man die Anlage konzipiert, desto geringer sind die Kosten pro Quadratmeter Nutzfläche“, Bernd Schwarzfeld, Büro Ökoplan

Konkret: Bei einem Einfamilienhaus betragen die Kosten nach seinen Angaben rund 30.000 Euro pro Wohneinheit, bei einer Anlage mit 500 Wohnungen hingegen nur 2.500 Euro. Der Grund für diese Differenz liegt im hohen Anteil der Sowieso-Kosten. Für das Projekt des EBV Harburg mussten laut Schwarzfeld 250 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche ausgegeben werden; eine Vollmodernisierung mit Fassadendämmung hätte nach seinen Angaben hingegen 400 bis 600 Euro pro Quadratmeter gekostet.

Auf dem Weg zu Power-to-heat

Am Ende ist die Entwicklung der Eisspeichertechnologie noch nicht. Als besonders vielversprechend bezeichnen Fachleute die Sektorenkopplung, also die Verbindung von Strom, Wärme, Mobilität und Industrie. Eisspeicher eignen sich „sehr gut für den Power-to-heat-Einsatz, bei dem preisgünstiger Überschussstrom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen dazu genutzt wird, um über die Wärmepumpe in Wärme umgewandelt und im Eis-Energiespeicher bevorratet zu werden“, erläutert Viessmann-Sprecher Wolfgang Rogatty.

Dabei funktioniere der Eisspeicher wie ein „Stromschwamm“, verdeutlicht dies Energieplaner Bernd Schwarzfeld. Für ihn ist Power-to-heat keine reine Theorie: In einem weiteren Hamburger Wohngebiet realisiert der EBV Harburg derzeit diesen Ansatz, um mithilfe von vier kleineren Eisspeichern eine Anlage mit rund 500 Wohnungen mit Wärme zu versorgen.

Weitere Kapitel:

Eisspeicher: Unterschiedliche Erfahrungen mit innovativer Technologie

Kosten senken durch den Gebrauch von Eisspeichern

Schlagworte zum Thema:  Energie, Energieversorgung, Hamburg, Kostensenkung, Wohnungswirtschaft, Wärmeversorgung, Speicher, Heizung

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