BBU zum Mietendeckel: Milliarden-Einbußen beim Wohnungsbau

Einnahmeverluste von rund einer Milliarde Euro – das macht fünfeinhalb Milliarden Euro Investitionen und 12.000 neue Wohnungen weniger, sollte der Mietendeckel in Kraft treten. Das machte der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) bei Vorstellung des "Marktmonitors 2019" klar.

Die Einnahmeverluste der BBU-Mitgliedsunternehmen würden sich über die fünf Jahre, für die der geplante Berliner Mietendeckel gelten soll, auf insgesamt rund 1,1 Milliarden Euro summieren. Gehe man davon aus, dass ein Euro Eigenkapital fünf Euro Investitionen finanzieren, wären das bis zu 5,5 Milliarden Euro, die nicht in den Bau neuer Wohnungen fließen würden. Die im Verband organisierten Unternehmen rechneten damit, dass sie ihre Neubaupläne um mindestens 25 Prozent werden reduzieren müssen. Damit würden Wohnungen für mindestens 24.000 Mieter nicht gebaut, bei einem Schlüssel von 1,8 in Berlin entspricht das zirka 12.000 Wohnungen.

"Die BBU-Mitgliedsunternehmen sind klar gemeinwohlorientiert. Das muss berücksichtigt werden – beispielsweise durch die Ausnahme gemeinwohlorientierter Wohnungsunternehmen vom Berliner Mietendeckel", plädierte BBU-Vorstand Maren Kern bei Vorstellung der Zahlen, die zum Wohnungsmarkt 2018 vorliegen. Man liege immer deutlich unter dem Durchschnitt der Mieten, die in Inseraten auf Online-Immobilienportalen verlangt würden, betonte Kern. Die BBU-Mitglieder verzichteten in Form von Mieten unter dem Marktdurchschnitt alleine in Berlin rechnerisch auf mögliche Einnahmen in Höhe von gut 663 Millionen Euro pro Jahr.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen vertritt sowohl Genossenschaften und städtische Gesellschaften als auch private Vermieter wie die Deutsche Wohnen und Vonovia. Die BBU-Mitglieder halten zirka 43 Prozent der Mietwohnungen in Berlin und 44 Prozent in Brandenburg.

Mieten im Speckgürtel steigen stärker als in Berlin selbst

Im Berliner Speckgürtel sind die Mieten nach Berechnungen des BBU zuletzt stärker gestiegen als in der Hauptstadt selbst. Wer eine Wohnung im Umland bezog, zahlte 2018 im Schnitt 6,74 Euro netto kalt pro Monat. Das waren 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Verband auf Basis von Daten seiner Mitglieder mitteilte.

"Die vergleichsweise hohe Steigerungsrate ist dem hohen Anteil von Erstvermietungen in diesem Jahr geschuldet", erklärte Kern das Mietenwachstum im Umland. Die Erstbezugsmieten der BBU-Mitgliedsunternehmen in Brandenburg notieren aktuell bei 9,72 Euro, in Berlin sind es 10,17 Euro.

Unter dem Strich mietet es sich im Umland aber weiterhin billiger als in Berlin, wo die Mieten bei Neuverträgen insgesamt um 4,7 Prozent auf 7,80 Euro gestiegen sind und damit langsamer als im Vorjahr. In Brandenburg war es im Durchschnitt ein Plus von 2,7 Prozent auf 5,76 Euro.

Auch in bestehenden Verträgen wurde das Wohnen bei den BBU-Unternehmen teurer: In Berlin sind die Bestandsmieten um 2,7 Prozent auf durchschnittlich 6,14 Euro gestiegen, in Brandenburg um zwei Prozent auf 5,14 Euro.

BBU fordert mehr Unterstützung vom Land in strukturschwachen Regionen

"Angesichts dieser Zahlen ist völlig klar: Wir sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems", so BBU-Vorstand Kern. Dass die Bestands- und Neuvermietungsmieten bei den Brandenburger BBU-Mitgliedsunternehmen deutlich langsamer als die Baupreise gestiegen sind, schwäche die Investitionskraft der Wohnungswirtschaft zusätzlich.

Vor allem in den strukturschwächeren Regionen sieht der BBU bedarf für mehr Unterstützung durch das Land. Das gilt für den Stadtumbau und den Ausbau der Infrastruktur, ganz besonders aber für den Strukturwandel in der Lausitz.

Der BBU-Marktmonitor 2019 stützt sich auf Daten aus rund 900.000 Bestands- und Neumietverträgen mit insgesamt 55 Quadratkilometern Wohnfläche in Berlin und Brandenburg, die Auswertung weiterer Studien und lange Zeitreihen. Ausgewiesen werden reale Bestands-, Neuvertrags- und Erstvermietungsmieten.


Das könnte Sie auch interessieren:

Wohnungswirtschaft und Baubranche laufen Sturm gegen Mietendeckel


dpa
Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Wohnungsbau