Neustart nach jahrelangem Stillstand

Holsten-Areal in Hamburg verkauft: 2.000 Wohnungen geplant


Holsten-Areal in Hamburg verkauft: 2.000 Wohnungen geplant

Ein Hamburger Konsortium aus Quantum, Hanse Merkur und Saga hat das Holsten-Areal im Bezirk Altona vom angeschlagenen Immobilienkonzern Adler gekauft. Bisher liegt das Gelände brach. Jetzt sollen 2.000 Wohnungen gebaut werden.

Die städtische Saga Unternehmensgruppe und die Quantum Immobilien AG hatten bereits vor dreieinhalb Jahren erklärt, das Areal der ehemaligen Holsten-Brauerei im Hamburger Bezirk Altona gemeinsam kaufen zu wollen. Im Juli 2025 hat die Adler Group den Interessenten die "Exklusivität zum Kauf" des Grundstücks erteilt.

Nun hat ein Konsortium aus Saga, Quantum, Hanse Merkur und der Hamburger Sparkasse nach eigenen Angaben das Gelände gekauft. Rund eine Milliarde Euro wollen die Partner investieren, hieß es am 30.10.2025. Geplant ist der Bau von 2.000 neuen Wohnungen – etwa 50 Prozent davon als Sozialwohnungen oder für Studenten und Auszubildende.

Die Umbauarbeiten werden den Angaben zufolge in enger Abstimmung mit der Hansestadt und dem Bezirk erfolgen. Teile der historischen Bausubstanz sollen erhalten und in das neue Viertel integriert werden.

Holsten-Areal: Paradebeispiel für Grundstücksspekulation

Das rund 86.000 Quadratmeter große Gelände der ehemaligen Brauerei Holsten war 2016 von Carlsberg an die Düsseldorfer Gerchgroup verkauft worden. Danach wurde es mehrfach veräußert, ohne dass gebaut wurde. Dadurch vervielfachte sich der Preis des Grundstücks. 

Eigentlich sollten dort schon damals 1.200 Wohnungen entstehen, auch 365 geförderte Mietwohnungen mit einer Preis- und Belegungsbindung von 30 Jahren. Der Investor hatte sich übernommen. Dem Adler-Konzern gehört das Grundstück seit 2019. Die Stadt hat den Kauf mehrfach geprüft.

Im Jahr 2016 hätte Hamburg das Gelände vom Carlsberg-Konzern direkt kaufen können: für rund 65 Millionen Euro – im Adler-Geschäftsbericht vom 25.4.2022 stand es mit 364 Millionen Euro in den Bilanzen. Zum Verkauf des Grundstücks hatte der Immobilienkonzern Ende 2024 das Maklerunternehmen CBRE mit ins Boot geholt.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) schaltete sich Anfang 2023 in die Diskussion ein: "Die Stadt hat ein großes Interesse daran, dass das Holsten-Areal in seriöse Hände gelangt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur – "Zu einem angemessenen Preis. Spekulative Grundstücksbewertungen akzeptieren wir nicht."

Hamburg: Vorkaufsrecht für Areal von Vonovia-Tochter

Im März 2025 hatte der Senat für das Stuhlrohrquartier im Bezirk Bergedorf eine Vorkaufsrechtsverordnung erlassen, um sich brachliegende Grundstücke zu sichern – die gehören dem Vonovia-Unternehmen Buwog. Das Planareal umfasst rund 5,3 Hektar und ist Teil des Rahmenplans "Urbanes Bergedorf-Südost". 

"Wenn wir den Neubau fördern und Wohnen in Hamburg für alle bezahlbar machen wollen, können wir es uns nicht leisten, dass Flächen für die Stadtentwicklung langfristig brachliegen", sagte Karen Pein (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. In den nächsten Jahren seien rund 1.000 Wohnungen geplant, davon 30 Prozent gefördert.

"Die Ausübung des Vorkaufsrechts ist möglich, wenn der Eigentümer über einen Grundstücksverkauf Vorhaben umsetzen will, die den städtebaulichen Entwicklungszielen widersprechen", teilte die Behörde mit.

Das Wohnungsunternehmen Buwog hatte das ehemalige Industrieareal in Bergedorf 2016 von der Hamburger Herrling Group gekauft. Die Arbeitsgemeinschaft der Raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung und GHP entschieden 2017 das städtebaulich-freiraumplanerische Gutachterverfahren für sich. Gegen den Entwurf gab es ein erfolgreiches Bürgerbegehren. Seitdem ist Stillstand.

Spekulation vorbeugen: Vorkaufsrecht in Rothenburgsort

Im September 2022 hatte der Senat eine Vorkaufsrechtsverordnung für ein Areal im Stadtteil Rothenburgsort beschlossen, um Spekulationen vorzubeugen. Der Projektentwickler Consus, eine Adler-Tochter, hatte zwischen dem Billwerder Neuer Deich und dem Alexandra-Stieg den Bau von 50.000 Quadratmetern Gewerbefläche geplant.

Mit der Vorkaufsrechtsverordnung sollte zum einen das 2014 beschlossene Konzept "Stromaufwärts an Elbe und Bille – Wohnen und urbane Produktion in Hamburg-Ost" gesichert werden, zum anderen der 2021 beschlossene "Rahmenplan Stadteingang Elbbrücken". Ziel sei es, das Gebiet rund um die Norderelbbrücken neu zu strukturieren und zu entwickeln, so die Stadtentwicklungsbehörde.

Vorkaufsrecht: Premiere 2018 in Hamburg-St. Pauli

Im November 2018 hatte die Stadt Hamburg in St. Pauli erstmals ein Vorkaufsrecht ausgeübt. Es ging um 32 Wohnungen in der Hein-Hoyer-Straße. Der potenzielle Käufer des Grundstücks, ein Privatinvestor, wollte sich nicht verpflichten, die im Bezirk geltende Soziale Erhaltungsverordnung einzuhalten.

Daher habe der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) vom Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht, teilten die zuständigen Behörden mit. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.


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dpa

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