Wahlsieg mit Mietenstopp: Was New York City erwartet
In New York City gibt es 3,7 Millionen Wohnungen, davon rund zwei Millionen Mietwohnungen – und allein in Manhattan sind die Mieten im Jahr 2024 um 8,4 Prozent gestiegen, während die Mieten für die ungefähr eine Million mietpreisgebundenen Wohnungen, die von den Behörden festgelegt werden, in den vergangenen drei Jahren nur um neun Prozent gestiegen sind, heißt es im "The New Yorker". Hier kommt Zohran Mamdani ins Spiel.
Der Demokrat gewann am 4.11.2025 die Bürgermeisterwahl in New York City und soll am 1.1.2026 das Amt übernehmen. Er hat im Wahlkampf unter anderem versprochen, die Mieten für alle mietpreisgebundenen Wohnungen einzufrieren.
New York City: So reagieren Vermieter
Mietervertreter argumentieren, dass ein Mietstopp einkommensschwachen New Yorkern in einer der teuersten Städte der USA dringend benötigte Entlastung bringen würde. Wie "Business Insider"berichtete, gibt zirka ein Viertel der Haushalte (Sozialwohnungen und Wohnberechtigungsschein ausgenommen), mindestens die Hälfte des Einkommens fürs Wohnen aus. Die Medianmiete in New York City lag demnach Ende 2024 im Schnitt bei knapp 3.700 US-Dollar pro Monat.
Vermieter hingegen befürchteten, dass ein Mietstopp Investitionen in die Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen mit Mietpreisbindung bremsen könnte, außerdem warne die Wohnungswirtschaft, dass nicht mehr genug neu gebaut wird, so das News-Outlet weiter. Ein Bericht des Rent Guidelines Board, dem Mietrichtlinienrat der Stadt, wiederum ergab, dass die durchschnittlichen Einkünfte der Vermieter nach Abzug der Ausgaben und inflationsbereinigt zwischen 2022 und 2023 um acht Prozent gestiegen sind – Hypotheken und andere Schulden unberücksichtigt.
"Wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht, ist die einzige bewährte Methode zur Mietentlastung die Erhöhung des Wohnungsangebots", sagte Kenny Burgos, CEO des New Yorker Wohnungsverbands NYAA, gegenüber "Business Insider".
Wie die Mietpreisbindung in New York funktioniert
Vorerst werden die Mieten weiter steigen: um drei Prozent für einjährige Mietverträge in preisgebundenen Wohnungen und um 4,5 Prozent für zweijährige Mietverträge. Das hatte das Rent Guideline Board Ende Juni 2025 beschlossen. Die neuen Tarife traten im Oktober in Kraft. Auch wenn der Bürgermeister Mieterhöhungen rechtlich nicht einseitig stoppen kann, der Rat wird allerdings ausschließlich von ihm ernannt.
Die Mietpreisbindung wurde 1969 eingeführt und seitdem auf knapp eine Million Wohnungen in New York City ausgeweitet. Die preisgebundenen Mieten werden jedes Jahr vom Rent Guidelines Board festgelegt. Dabei kommt es regelmäßig zu Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern. Die Festlegungen dienen oft auch als Richtwerte für Wohnungen mit Marktpreisen. Darauf weist "CBS News" in einem Artikel hin.
Wenn es wirklich darum gehe, Mietern zu helfen, könnte eine Reform des "Housing Stability and Tenant Protection Act" von 2019 ein unmittelbarerer, effektiverer und nachhaltigerer Weg sein, kommentierte die politische Analystin Jen Sidorova bei "Reason Foundation".
Gesetzlicher Mietendeckel im Staat New York
Im Juni 2019 hatte der Demokrat Andrew Cuomo, damals Gouverneur des Bundesstaates New York und von 1997 bis 2001 Bauminister unter US-Präsident Bill Clinton, ein Gesetz unterzeichnet, das die Mieten strenger reguliert. Alleine in New York City waren davon mehr als eine Millionen Wohnungen betroffen.
Eine Art Mietpreisbremse (rent control) gab es schon davor, so durften Mieten nur um maximal 1,5 Prozent pro Jahr angehoben werden. Doch es gab Schlupflöcher, die Mieten dennoch stark zu erhöhen, etwa bei Neuvermietungen, wo nach Leerstand Erhöhungen um bis zu 20 Prozent möglich waren. Diese Möglichkeiten wurden mit dem Gesetz drastisch eingeschränkt. Laut Sidorova haben aber genau diese Regelungen Investitionen in den alternden Wohnungsbestand der Stadt gefördert.
Möglich wurde die umfassende Reform des "Housing Stability and Tenant Protection Act" maßgeblich durch die Unterstützung linker Demokraten, die in Albany, der Hauptstadt des Bundesstaates, die Mehrheit hatten. In ihren Wahlkämpfen waren die Mietkosten ein tragendes Thema, wie die New York Times berichtete.
Mamdani-Sieg: Linken-Chef van Aken siegessicher für Berlin
In Deutschland machte vor allem die Hauptstadt Berlin immer wieder auf sich aufmerksam mit Ideen zur Mietenregulierung. Am meisten polarisiert hat von dort vermutlich der Ruf nach einem bundesweiten Mietendeckel. Der hätte Wissenschaftlern zufolge erhebliche Nachteile auf den Wohnungsmarkt, aber auch die Vorstöße für Vergesellschaftungen von großen Wohnungsunternehmen sorgen für Diskussionen.
Nach dem Wahlsieg des linken Demokraten Mamdani in New York City sieht sich die deutsche Linke beflügelt, im Jahr 2026 stärkste Kraft in Berlin zu werden. "Sein Wahlkampf ist wie eine Blaupause für die Wahlen nächstes Jahr", meinte Parteichef Jan van Aken. Die nächste Abgeordnetenhauswahl ist am 20.9.2026. Die Linke war in Umfragen mit 17 Prozent bis 19 Prozent zuletzt zweitstärkste Kraft nach der CDU.
In Hamburg war ein Grund für den Wahlsieg der SPD bei der Bürgerschaftswahl die viel gelobte Wohnungspolitik der vergangenen Legislaturen.
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