Bürgerentscheid: Freiburger Stadtteil Dietenbach wird gebaut

Die Freiburger Bürger haben für den neuen Stadtteil Dietenbach gestimmt. 110 Hektar ist das Areal groß, auf dem nach Angaben der Stadt 25 Hektar bebaut werden sollen. 6.500 Wohnungen sind geplant, 50 Prozent davon geförderte Mietwohnungen. Bauträger wollen bis zu vier Milliarden Euro investieren.

Zudem sind 22 Kitas, zwei Schulen, zwei Stadtparks und eine Straßenbahn geplant. Die Stadt rechnet mit Kosten von mehr als 600 Millionen Euro für die Infrastruktur.

Es sei eines der größten Wohnbauprojekte Deutschlands, teilt die Stadt mit. Und dieses soll als erstes in Freiburg klimaneutral realisiert werden. Etwa 50 Hektar Fläche sind für die Überbauung durch Gebäude und Straßen, 60 Hektar für Freiräume vorgesehen.

Geplant sind demnach Gebäude von bis zu acht Stockwerken, vereinzelt sind auch Hochhäuser angedacht. Immer mehr Städte denken über Wohntürme nach. Wie die Stadt Freiburg weiter mitteilt, wird der Geschosswohnungsbau mit einem Anteil von 75 Prozent die vorherrschende Bauform im neuen Stadtteil Dietenbach sein. Für den Rest seien "einfamilienhausähnliche Strukturen" vorgesehen.

Grünen-Sprecherin: "Schönes Signal für Demokratie in unserem Land" 

60 Prozent der Wähler votierten am 24. Februar nach Angaben der Stadt für das Bauvorhaben. Das erforderliche Quorum von mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten wurde erreicht. Damit ist das Ergebnis bindend. Die Wahlbeteiligung betrug laut dem städtischen Wahlamt 49,6 Prozent.

Weil das Dietenbach-Gebiet derzeit aus Wiesen und Ackerflächen besteht, hatten die Gegner des Bauvorhabens den Bürgerentscheid erwirkt. Sie kritisieren unter anderem den Flächenverbrauch und den Wegfall landwirtschaftlicher Gebiete. Außerdem sind sie der Überzeugung, es gehe nicht um sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau, sondern um Profit.

Die Stadt und die Mehrheit des Gemeinderates waren für den neuen Stadtteil. Sie sehen darin ein Mittel gegen den Wohnraummangel und steigende Mieten.

"Das ist ein klares Ergebnis für den neuen Stadtteil, für bezahlbaren Wohnraum und für Urbanität." Martin Horn (parteilos), Oberbürgermeister von Freiburg

In Freiburg fehlen bis zum Jahr 2030 nach gutachterlichen Untersuchungen knapp 15.000 Wohnungen. Die Stadt weist ein starkes Bevölkerungswachstum auf (5,7 Prozent zwischen 2011 bis 2015), Preise und Mieten bewegen sich auf hohem Niveau (Mieten 11,70 Euro pro Quadratmeter und Kaufpreise 4.309 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2017), wie eine gif-Studie zeigt, die eine Klassifizierung in ABCD-Städte für überholt hält.

"Der Bürgerentscheid schafft endlich Klarheit, sagte die Sprecherin für Bauen und Wohnen der Grünen-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Susanne Bay. "Ein schönes Signal für die Demokratie in unserem Land." Stadtverwaltung und Gemeinderat hätten nun ein gestärktes Mandat, die Baupläne voranzutreiben.

Entwicklung Dietenbach: Gegner sollen Planungspartner werden

Die stadtplanerischen Entwürfe für den neuen Stadtteil kommen vom Büro K9 Architekten GmbH aus Freiburg in Zusammenarbeit mit Latz + Partner Landschaftsarchitektur Stadtplanung (Kranzberg), den Verkehrsplanern Stete Planung (Darmstadt) und den Energieplanern Stahl + Weiß und Endura Kommunal (Freiburg).

Nach dem Votum des Bürgerentscheids für den Bau des neuen Stadtteils beginnen die Behörden nun mit den weiteren Planungen. Oberbürgermeister Horn rief die Gegner des Projekts zum Mitmachen auf.

"Auf Arbeitsebene wollen wir mit Kritikern und Skeptikern kooperieren." Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn

Deren Einwände gegen das Bauvorhaben würden gehört. Ziel sei es, gemeinsam zu planen. "Wir wollen keine neuen Gräben aufmachen, sondern Brücken bauen." 


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Schlagworte zum Thema:  Stadtentwicklung, Wohnungsbau, Mietwohnung