Smart-City-Index: Welche Städte sind digital spitze?

Hamburg hat seinen Titel als smarteste Stadt Deutschlands verteidigt. Doch der Abstand schmilzt, andere Städte holen auf, heißt es im "Smart City Index" des Branchenverbands Bitkom. Auch abseits der Metropolen gibt es Vorreiter, die mit ihrer Digitalstrategie zur Stadtentwicklung erfolgreich sind.

Hamburg steht mit insgesamt 79,2 von 100 möglichen Punkten erneut ganz oben im Ranking des "Smart City Index" 2020, den Bitkom jährlich aktualisiert. Gerankt sind 81 deutschen Großstädte – mindestens 100.000 Einwohner – nach dem jeweiligen Stand der Digitalisierung. Im Vergleich zur Vorjahresstudie ist Hamburgs Vorsprung auf die Verfolger aber geschmolzen. München (74,4 Punkte) und Köln (73 Punkte) etwa haben aufgeholt und schaffen es erstmals aufs Podium.

Mittlerweile bescheinigt Bitkom immer mehr urbanen Digitalstrategien für die Stadtentwicklung ein gutes Zeugnis im einen oder anderen der fünf analysierten Themenbereiche – das sind: Verwaltung, IT- und Kommunikationsinfrastruktur, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft. Gesamtspitzenreiter Hamburg führt auch die Teilrankings "Mobilität" (96,8 Punkte) und "Gesellschaft" (93,4) an.

Die Corona-Pandemie habe in vielen Bereichen Defizite bei der Digitalisierung offengelegt – gerade in den Kommunen und der Verwaltung, schreibt Bitkom-Präsident Achim Berg. Die Coronakrise habe gezeigt, was plötzlich alles geht, wenn es nur muss. "Wir können und müssen bei dem Thema weiter aufs Tempo drücken", so Berg. Die enorme Dynamik in der Smart-City-Landschaft im vergangenen Jahr sollte allen Städten Ansporn sein, ihre Digitalaktivitäten noch intensiver voranzutreiben.

Hidden Champions: Digitalisierungsfortschritte auch abseits der Metropolen

Die smarteste Verwaltung Deutschlands hat Karlsruhe mit 83,7 Punkten (Gesamtwertung: Platz fünf). Beim Thema "Energie und Umwelt" liegt Gesamtzehnter Heidelberg vorn (68,8 Punkte). Die beste digitale Infrastruktur hierzulande hat das insgesamt drittplatzierte Köln mit 82 Punkten.

Der größte Aufsteiger im Smart-City-Ranking 2020 ist Lübeck (47,5 Punkte). Die Hansestadt hat im Vergleich zum Vorjahr 29 Plätze gut gemacht und steht nun im Gesamtrang an 38. Stelle. Eine bemerkenswerte Dynamik beobachtet Berg auch bei Darmstadt (71,7 Punkte) mit einem Sprung um sechs Plätze auf Gesamtrang vier, Osnabrück (66 Punkte, plus 23 Plätze, Rang acht) und Aachen (65,9 Punkte) – die Stadt schafft es erstmals unter die Top Ten.

Abgerutscht, aber immer noch Spitze, sind Karlsruhe (70 Punkte), Stuttgart (69,1 Punkte), Berlin (68,8 Punkte) und Heidelberg (65,7 Punkte). Größere Städte und Universitätsstädte schneiden im Schnitt besser ab als kleinere Städte und solche ohne Universität, heißt es in dem Bericht.

Top 10 "Smart City Index" 2020: Gesamtwertung

PlatzTendenzStadtGesamtindex
1+/-0Hamburg79.2
2+3München74.4
3+5Köln73.0
4+6Darmstadt71.7
5-3Karlsruhe70.0
6-3Stuttgart69.1
7-3Berlin68.8
8+23Osnabrück66.0
9+2Aachen65.9
10-4Heidelberg65.7

Quelle: Bitkom

Als Beispiele für innovative Smart-City-Lösungen werden in dem Bericht beim Spitzenreiter Hamburg die Tiefenvermessung von Hafenbecken und Elbe mit autonom fahrenden Fahrzeugen genannt, in Darmstadt ist es eine zentrale urbane Datenplattform, auf die öffentliche Projekte – von der digitalen Messung der Luftqualität bis hin zur Gebäudenavigation – zurückgreifen können, in Leipzig das Projekt "Hardware for Future", über das ausrangierte IT an Bedürftige gespendet werden kann.

Wie viel Smart City ist schon? Baden-Württemberg schneidet als Bundesland am besten ab

Städte aus neun der 16 Bundesländer sind in den Top 20 vertreten. Die aus Baden-Württemberg schneiden im Durchschnitt besser ab als der Rest Deutschlands, in Nordrhein-Westfalen sind die Ergebnisse wiederum schlechter. Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es im Smart-City-Ranking 2020 keine generellen Unterschiede, im Gegensatz zu den einzelnen Städten: Unter ihnen gibt es noch deutliche Unterschiede, etwa zwischen Vorreitern wie Hamburg und Nachzüglern wie Salzgitter, das mit 17,7 Punkten den letzten Platz belegt.

Was die Verwaltung angeht, nutzen neun von zehn Großstädten (89 Prozent) mittlerweile zumindest in Teilen ein Dokumentenmanagementsystem (DMS) – zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Und fast alle (96 Prozent) der Städte setzen auf digitale, papierlose Ratsarbeit. Die restlichen vier Prozent wollen das nach Angaben von Bitkom zeitnah noch umsetzen. Meldebescheinigungen können mittlerweile in 47 Prozent der Städte digital beantragt werden.

Wesentlich für die Digitalisierung ist die  IT- und Kommunikationsinfrastruktur. Köln schneidet hier mit Abstand am besten ab: Neben der Breitband- und Glasfaser-Anbindung und dem Ausbau des 5G-Netzes punktet die Stadt mit dem Aufbau einer Urbanen Datenplattform. Die Visualisierung der erhobenen Daten erfolgt über ein Dashboard. Über alle Großstädte hinweg haben durchschnittlich 97 Prozent der Haushalte inzwischen Zugang zu einem Internet-Anschluss mit mindestens 50 Mbit/s – zwei Prozentpunkte mehr als 2019. Die Qualität des WLANs wird laut Bitkom besser: 27 Prozent der Städte haben ein öffentliches WLAN, das auch außerhalb der Innenstadt empfangen werden kann (2019: 17 Prozent).

Top 10 "Smart City Index" 2020: Teilindices

PlatzVerwaltungEnergie & UmweltIT & KommunikationMobilitätGesellschaft
1KarlsruheHeidelbergKölnHamburgHamburg
2OsnabrückMünchenMünchenMünchenLeipzig
3IngolstadtStuttgartHamburgAachenKöln
4BonnDarmstadtDarmstadtBerlinBerlin
5DüsseldorfHamburgBochumStuttgartDarmstadt
6StuttgartOsnabrückGelsenkirchenKarlsruheWuppertal
7MannheimMünsterBerlinKölnFreiburg/Breisgau
8MünsterKaiserslauternBonnDarmstadtMünster
9BraunschweigSolingenDüsseldorfBochumBonn
10HeidelbergKölnGöttingenHannoverHeidelberg

Quelle: Bitkom

Bitkom-Studienbericht "Smart City Index" 2020


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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Stadtentwicklung