Senioren als neue Zielgruppe bei Mikroapartments

Der Marktanteil von Mikroapartments wächst stetig. Laut einer Studie des Immobilienberatungsunternehmens Cushman & Wakefield hat sich das Transaktionsvolumen dieser Assetklasse in Deutschland 2018 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Neben Studierenden und Pendlern gibt es inzwischen eine neue wichtige Zielgruppe: Senioren.

2018 registrierte Cushman & Wakefield in Deutschland im Bereich der Mikroapartments ein Transaktionsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor belief sich die Summe noch auf 810 Millionen Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 85 Prozent. Insbesondere in den Städten Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main sowie deren Peripherie seien Mikroapartments realisiert worden.

"Nach Großbritannien ist Deutschland im europäischen Vergleich der Markt mit den höchsten Investitionen im Bereich dieser neuen Wohnform." Simon Jeschioro, Head of Investment Advisory bei Cushman & Wakefield

Bedarf an Mikroapartments steigt

Jeschioro sagt Mikroapartments auch für die Zukunft eine positive Entwicklung voraus. Denn die Zahl der Single-Haushalte soll bis 2035 deutschlandweit auf 44 Prozent steigen. Bedingt durch den demographischen Wandel zeichnet sich zudem ein weiterer Megatrend ab: Mikroapartments für Senioren.

"Wenn bei Neubauprojekten bereits vor Planungsbeginn Themen wie Barrierefreiheit berücksichtigt werden, steht einer späteren unkomplizierten Umnutzung für andere Nutzergruppen nichts im Wege." Simon Jeschioro, Head of Investment Advisory bei Cushman & Wakefield

Auch die Pantera AG aus Köln hat dieses Marktsegment für sich entdeckt und will künftig vermehrt Mikrowohnungs-Angebote für Menschen ab einem Alter von 65 Jahren entwickeln. Erste Immobilieninvestitionen dieser Art habe die Pantera AG bereits in Nordrhein-Westfalen getätigt. Denn die "Best Ager" entschieden sich immer häufiger bewusst für eine kleinere, aber besonders hochwertige Unterkunft in den Zentren der Städte, um die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie sowie Freizeit- und Kulturangeboten zu nutzen, sagt die Projektentwicklungsgesellschaft. "Die Menschen wollen in diesem Alter vorausschauend ein Zuhause wählen, in dem sie möglichst langfristig wohnen können", sagt Michael Ries, Vorstand der Pantera AG.

Bewohner können Serviceleistungen hinzubuchen

Voraussetzungen dafür seien neben Barrierefreiheit auch eine altersgerechte Ausstattung und ein Angebot unterschiedlicher Dienstleistungen. Diese könnten die Bewohner je nach Bedarf ordern, erklärt Ries. Für ihn ist die Erweiterung des Portfolios um ein Angebot für Best Ager eine logische Konsequenz. Besonders in den Ballungsgebieten sei dieser Trend unübersehbar.

"Unser Anspruch ist es, Serviced Apartments in allen gefragten Bereichen zu konzipieren. Und aktuell kommen die immer gefragteren hochwertigen und altersgerechten Klein-Wohnungen dazu." Michael Ries, Vorstand der Pantera AG

Dass der Bedarf nach Mikroapartments mit Serviceleistungen steigt, schlägt sich auch in den Halbjahreszahlen des Projektentwicklers nieder. Die selbst gesteckten Ziele für die in 2019 geplanten Projektentwicklungen von Serviced Apartments seien bereits jetzt erreicht, teilt das Unternehmen mit. Das Portfolio umfasse schon mehr als die für das Gesamtjahr angestrebten 2.000 Einheiten, bei einem Verkaufsvolumen von mehr als 600 Millionen Euro.

Bedarf von drei Millionen altersgerechten Wohnungen

Durch den demographischen Wandel wird der Bedarf nach altersgerechten Wohnungen immer größer. Laut einer Studie des Pestel-Instituts müssen bis zum Jahr 2030 drei Millionen altersgerechte Wohnungen neu oder umgebaut werden. Wie dies gelingen könnte, darum ging es auch jüngst beim Seniorenimmobilientag des BFW Bundesverbandes und des BFW-Landesverbandes NRW unter der Schirmherrschaft von Ina Scharrenbach, NRW- Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Sie betonte die zentrale Aufgabe und Verantwortung der Politik, die Zielkonflikte zwischen höherem Grundkomfort und Bezahlbarkeit zu reduzieren. Ein Lösungsansatz dazu solle der Leitfaden "barrierefreies Bauen" sein, der gemeinsam mit dem BFW Nordrhein-Westfalen und anderen Sozialverbänden entwickelt werde.

Bislang waren Studierende und Pendler die Zielgruppe

Bislang werden Mikro- und Service-Apartments insbesondere von Studierenden gemietet. Doch auch junge Berufstätige und Berufspendler sehen in den kleinen Wohnungen eine Alternative, die Probleme des jeweiligen Wohnungsmarktes mit seinem Mangel an Ein- und Zweizimmerwohnungen in den Großstädten zu umgehen. Zudem werden Mikroapartments als temporäre Unterkünfte oder auf Reisen genutzt.


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