RICS-Umfrage: Stimmung am deutschen Immobilienmarkt im Keller

Weltweit ist die Stimmung an den Gewerbeimmobilienmärkten gut – doch in Deutschland sind die Investoren weniger zuversichtlich, wie eine Umfrage von RICS zeigt. Deutlich verschlechtert hätten sich die Kreditkonditionen. Von einem frühen Marktabschwung ist außerdem die Rede.

Trotz der anhaltenden Unsicherheiten durch die Pandemie, dem Inflationsanstieg und der damit verbundenen Reaktion der Zentralbanken sowie des Krieges in der Ukraine, der nicht nur Auswirkungen auf die Energieversorgung hat, hat sich die Stimmung am weltweiten Gewerbeimmobilienmarkt seit Jahresbeginn 2022 verbessert, wie der RICS Global Commercial Property Monitor (GCPM) für das erste Quartal zeigt. Allerdings sind die regionalen Unterschiede sehr deutlich – auch innerhalb der einzelnen Kontinente.

Europa zum Beispiel hat im Hauptindex CPSI (Commercial Property Sentiment Index) im Vergleich zur Umfrage im vierten Quartal 2021 auf einen Wert von plus acht zugelegt – hier weist Kroatien mit plus 26 das dritte Quartal in Folge den stärksten CPSI-Wert auf. Deutschland hingegen dreht wieder in den negativen Bereich (minus eins), während der Wert im Vorquartal noch bei plus zwei lag. Ansonsten haben in Europa nur die Schweiz (von minus zwei auf minus fünf) und Italien (von minus zwei auf null) keine positiven Werte.

Deutsche Büroimmobilien bleiben begehrte Ware

Rund 67 Prozent der Befragten ordnen Deutschland in der RICS-Umfrage auf dem Höhepunkt beziehungsweise im Aufschwung des Zyklus ein. Zum Vergleich: Im dritten Quartal waren es noch 81 Prozent. Allerdings sagen auch immerhin knapp ein Viertel (23 Prozent), dass sich der Zyklus in einer frühen Abschwungphase befindet – im vierten Quartal 2021 waren nur 15 Prozent der Marktexperten dieser Meinung.

Dementsprechend fällt die Investorenstimmung im aktuellen RICS Global Commercial Property Monitor von plus neun im vierten Quartal 2021 auf einen Wert von plus fünf im ersten Quartal 2022. Die Mieterstimmung bleibt im negativen Bereich und sinkt weiter auf minus sieben, nach minus fünf im Vorquartal.

Als Immobilieninvestitionsstandort wird Deutschland in der aktuellen Umfrage weiterhin als teuer (55 Prozent) und sehr teuer (28 Prozent) bewertet. Im vierten Quartal 2021 sagten das 56 Prozent beziehungsweise 30 Prozent der befragten Experten. Deutschland steht damit nach Luxemburg und Österreich im weltweiten Vergleich der Länder, die ihren Standort als teuer ansehen, auf Platz drei, es folgen die Schweiz und Israel.

Kapitalwerte und Mieten: Tendenz steigend

Die Investorennachfrage steigt allerdings über alle Assetklassen hinweg auf ein Nettosaldo von plus 13, nach plus sieben im vierten Quartal des Vorjahres. Im Bereich Büroimmobilien wird ein Nettosaldo von plus 23 Prozent verzeichnet (viertes Quartal 2022: plus 19 Prozent), bei Industrieimmobilien sinkt der Wert leicht von plus 49 Prozent auf plus 44 Prozent, während das Nettosaldo bei Einzelhandelsimmobilien von minus 47 Prozent auf minus 29 Prozent zwar im negativen Bereich bleibt, aber wieder deutlich steigt.  

Die Kapitalwerterwartungen in den kommenden zwölf Monaten bleiben bei Industrieimmobilien am besten, obwohl sie einen starken Rückgang von plus 61 Prozent auf plus 53 Prozent verzeichnen. Für erstklassige Büroimmobilien ist das Saldo fast konstant bei plus 31 Prozent (plus 32 Prozent im Vorquartal). Einzelhandelsimmobilien sind zwar mit minus 40 Prozent weiter abgeschlagen, das ist jedoch eine Steigerung im Vergleich zum vierten Quartal 2021 mit minus 51 Prozent. Die Einschätzung der Befragten zu den Mieten zeigt in den kommenden zwölf Monaten in Deutschland ähnliche Entwicklungen wie die Kapitalmarkterwartungen, heißt es im RICS-Report. 

Bemerkenswert ist, dass die deutschen Teilnehmer eine deutliche Veränderung bei den Kreditkonditionen wahrnehmen. Hier sinkt das Nettosaldo von minus 22 Prozent im vierten Quartal 2022 auf minus 60 Prozent im ersten Quartal 2022.

Zum RICS Global Commercial Monitor Q1/2022 (PDF)


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