Gewerbeimmobilien: Downturn ist in Deutschland angekommen

Die Stimmung in der Immobilienbranche ist eingebrochen: Laut RICS Global Commercial Property Monitor für das zweite Quartal 2020 glaubt eine Mehrheit, dass sich der Gewerbeimmobilienmarkt in Deutschland in einer Abschwungphase befindet. Der Mietmarktindex fällt auf den niedrigsten Stand seit 2009.

"Der Downturn ist in Deutschland angekommen, auch wenn die deutschen Zahlen noch die besten unter den schlechten sind", kommentiert Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Vorstandsvorsitzende der RICS Deutschland, die Ergebnisse des Global Commercial Property Monitors. Der Markt für Gewerbeimmobilien werde weiterhin als teuer eingeschätzt, die Nachfrage vermindere sich und neue Anforderungen würden gestellt. Die Unsicherheit beim Bedarf und der Qualität zukünftiger Büroflächen weiche der Erkenntnis eines geringeren Flächenbedarfs.

"Ein neuer Zyklus hat begonnen. Jetzt gilt es, Geschäftsmodelle, Anlagestrategien, Nachhaltigkeit und Wirkung von Investitionen zu überdenken." Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Vorstandsvorsitzende der RICS Deutschland

Auch bei den übrigen Ergebnissen spiegelt der RICS Global Commercial Property Monitor die makroökonomischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und die Folgen für den Immobiliensektor wider. Die wichtigsten Stimmungsindikatoren bewegen sich deutlich im negativen Bereich. Insgesamt liegen die Ergebnisse jedoch immer noch über den Tiefstwerten, die nach der weltweiten Finanzkrise verzeichnet wurden.

Eingetrübte Konjunkturaussichten mit Auswirkungen auf Immobiliensektor

Die RICS-Analyse, die das Feedback von Mietern und Investoren abbildet, beruht auf dem gewichteten Durchschnitt der Rückmeldungen aus den erfassten Ländern – dieser Indexwert ist in den vergangenen drei Monaten von -28 auf -37 gefallen. Auf regionaler Ebene zeigt sich in Europa eine deutliche Verschlechterung des Stimmungsindikators gegenüber dem ersten Quartal von -14 auf -36. Der Einbruch folgt auf einen Zeitraum mit relativ stabilen Ergebnissen in Europa. Auf globaler Ebene rechnen 36 beziehungsweise 37 Prozent der Befragten in den kommenden zwölf Monaten mit einem Rückgang der Miet- und Kapitalwerte in den Mainstream-Assetklassen.

Deutschland: Mietmarktindex fällt auf niedrigstes Ergebnis seit 2009

In Deutschland ist der Mietmarktindex „Occupier Sentiment Index (OSI)” im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr von -17 auf -36 Punkte gefallen, wie die RICS weiter mitteilt. Dabei handelt es sich um das niedrigste Ergebnis seit 2009. Ein Anteil von 88 Prozent der Befragten verzeichnet im zweiten Quartal einen Nachfragerückgang bei Einzelhandelsflächen, das bisher schlechteste Quartalsergebnis. Auch die Büronachfrage verzeichnet einen deutlichen Rückgang, hier vermelden 55 Prozent der Teilnehmer eine negative Entwicklung. Die Nachfrage nach Industrieflächen ist indes beständiger. In diesem Segment sehen die Befragten kaum Veränderungen.

Die Mietpreisprognose für das kommende Jahr ist stark abhängig vom jeweiligen Sektor. So sinken die Mieten für Einzelhandelsflächen, Hotels, Büros in B-Lagen, Studentenunterkünfte und Mehrfamilienhäuser mehr oder weniger deutlich. Gleichzeitig erwarten die Befragten einen Mietanstieg bei erstklassigen Industrieflächen, und auch für Datenzentren wird eine leicht positive Mietentwicklung prognostiziert.

Der Investmentmarktindex „Investment Sentiment Index (ISI)” ist im zweiten Quartal 2020 von -4 auf -19 abgerutscht. Die Investitionsnachfrage fällt in allen untersuchten Sektoren, wobei der Rückgang bei Industrieflächen im Vergleich zu den Büro- und Einzelhandelssegmenten moderater ausfällt. Hinsichtlich der Kapitalwertentwicklung in den kommenden zwölf Monaten verzeichnen lediglich erstklassige Industrieobjekte und Datenzentren positive Prognosen. In den meisten Segmenten wird mit einem Preisrückgang gerechnet – im Einzelhandelssegment und für Hotels fallen die Prognosen besonders negativ aus.

Zunehmende Bedeutung der Themen Gesundheit und Wohlbefinden

Infolge der Covid-19-Pandemie ist nach Ansicht der Befragten jedoch mit steigenden Nutzeranforderungen im Bereich Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu rechnen. Dies halten 89 Prozent für realistisch. Auf globaler Ebene gehen jedoch nur ein Drittel der Befragten davon aus, dass Mieter bereit oder in der Lage sein werden, die damit verbundenen Kosten zu übernehmen. In Deutschland sind dies immerhin 50 Prozent. 


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